monopolisiert

3GSM: Symbian wächst weltweit kräftig - aber kaum in Europa

Konstanter Anteil von 70 Prozent am Smartphone-Markt
AAA

Auf dem 3GSM Weltkongress hat der Softwareentwickler Symbian abermals beeindruckende Zahlen vorgestellt. Demnach wurden im vergangenen Jahr 51,7 Millionen Smartphones mit Symbian-Betriebssystem ausgeliefert, 50 Prozent mehr als in 2005. Inzwischen würden sogar zwei Symbian-Handys pro Sekunde verkauft.

Dieses entspricht nach den zitierten Quellen einem Marktanteil von 70 Prozent. Dieser blieb in den vergangenen Quartalen praktisch unverändert, während zum Beispiel Windows Mobile 6 starken Schwankungen unterworfen war. Im "mid-range smartphone market", das sind nach der Definition von Symbian Geräte, die ohne Hersteller-Subvention und ohne Mehrwertsteuer unter 199 Euro kosten, hält man gar einen Marktanteil von 86 Prozent.

Enttäuschend war die Entwicklung in der EMEA-Zone (Europa, mittlerer Osten und Afrika). Hier betrug das Wachstum lediglich 15 Prozent. Symbian erwartet, dass der Smartphone-Markt vor allem in Europa aufgrund vieler Faktoren wieder anziehen wird: Attraktive neue Geräte, die Verfügbarkeit von mobilen Breitbanddiensten und die Bereitschaft der Netzbetreiber, Datenflatrates anzubieten, würde das Interesse der Konsumenten wieder wecken.

Von den Top-5-Handy-Herstellern haben alle ein Gerät mit der aktuell verbreiteten Version 9.1 des Betriebssystems im Angebot oder zumindest angekündigt. Insofern fühlt man sich hier gut aufgestellt. Apples iPhone sieht man insofern als Ansporn, weniger als Gefahr für den hohen Marktanteil. Schließlich würden die US-Amerikaner durch den durch das Gerät ausgelösten Hype begreifen, dass Handys mehr können, als nur telefonieren, und auf der Suche nach dem für sie jeweils passenden Smartphone von der großen Auswahl existierender Symbian-Geräte profitieren.

Immer mehr Netzbetreiber setzen den Angaben zufolge auf Symbian als Betriebssystem, weil dieses die Einführung neuer Geräte unterschiedlicher Hersteller beschleunigt. Netzbetreiber-spezifische Software-Ausstattungen könnten relativ einfach zwischen den Geräten übertragen werden. Dies sei insbesondere im asiatischen Markt wichtig, wo Geräte manchmal nach nur zwei Monaten bereits durch einen Nachfolger ersetzt würden.

Ab wann ist ein Smartphone ein Smartphone?

Die guten Zahlen, die Symbian für den eigenen Marktanteil publiziert, geben durchaus Anlass zur Kritik. Die Frage ist nämlich, welche Geräte man als "Smartphones" tituliert. Orientiert man sich hier an aktuellen Features (etwa MP3-Player, hochauflösende Kamera etc.), dann müssten deutlich mehr Geräte dem Smartphone-Bereich zugerechnet werden, so dass die angegebenen 86 Prozent im "mid-range"-Bereich nie und nimmer erreicht werden können.

Nimmt man als Smartphone-Kennzeichen die Installierbarkeit von eigener Software, bleibt festzustellen, dass Java ME die mit Abstand häufigste Applikationsumgebung ist, die selbst auf vielen Geräten aus dem Einsteigersegment zu finden ist, der volumenmäßig den Smartphone-Bereich noch um Faktoren übersteigt. Zwar sind bei Java aus Sicherheitsgründen die grundlegenden Handy-Funktionen stark abgeschottet, was das Schreiben betriebssystemnaher Applikationen unmöglich macht. Andererseits stellen viele Handy-Hersteller für ihre hochwertigen Geräte auch erweiterte Java-APIs bereit, die dann doch wieder einen Zugriff auf interne Funktionen ermöglichen. Zudem ist für viele Anwendungen aus den Bereichen der mobilen Datenverarbeitung zudem kein Zugriff auf systemnahe Funktionen erforderlich.

Insofern ist die Einschätzung von Symbian bezüglich ihrer eigenen Marktposition durchaus kritisch zu hinterfragen. Viele Geräte mit umfangreicher Hardware- und Software-Ausstattung, leistungsfähigem Prozessor, proprietärer Firmware, aber darauf laufender offener Java-Umgebung für benutzerinstallierbare Applikationen könnte man ebenfalls dem "mid-range smartphone market" zuordnen. Und dann wäre mit einem Schlag der Marktanteil von Symbian gar nicht mehr so gut.