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Offene Finanzierungsfragen gefährden BenQ-Mobile-Rettung

08.01.2007
19:15

US-Unternehmensgruppe bekennt sich zu Interesse an BenQ Mobile


An einer Übernahme des insolventen Handy-Herstellers BenQ Mobile ist nach Medienberichten auch die US-Unternehmensgruppe Sentex Sensing Technologies interessiert. Die Amerikaner wollten morgen ein konkretes Angebot für die frühere Siemens-Handysparte vorlegen, berichtet die Tageszeitung Die Welt (Dienstagausgabe). Firmenchef Henrik Rubinstein habe der Zeitung entsprechende Informationen bestätigt, weitere Aussagen zum Konzept aber abgelehnt. Auch der WDR nannte Sentex als weiteren Interessenten.

Interessiert an BenQ Mobile ist auch eine deutsch-amerikanische Investorengruppe. Ihre Mitglieder wollen nicht genannt werden. Bisher sickerte nur der Name eines früheren IT-Managers von DaimlerChrysler, Hansjörg Beha durch. Erste Gespräche zu dem Angebot der Investorengruppe am Montag zeigten deutliche Differenzen bei den Vorstellungen zur Finanzierung auf.

Sentex verfüge über konkrete neue Handy-Modelle, die am Dienstag dem Gläubigerausschuss präsentiert werden sollten, schreibt die Welt unter Berufung auf Verhandlungskreise. Sentex 1 600 bis 1 700 Jobs sichern, während das deutsch-amerikanische Konsortium 800 veranschlagt habe. Sollten sich der Gläubigerausschuss und der Insolvenzverwalter für Sentex entscheiden, könne die Produktion unter der Dachmarke Siemens bereits am 20. Januar ihren Betrieb aufnehmen, heißt es in der Zeitung. Allerdings sei auch Rubinsteins Konzept an konkrete Bedingungen geknüpft.

Indes drohen die Gespräche mit dem anderen Investor an Finanzierungsfragen zu scheitern. "Es gibt bestimmte finanzielle Anforderungen der Investorenseite, die noch nicht in Übereinstimmung sind mit den rechtlichen Möglichkeiten", sagte heute Klaus-Dieter Schulz vom Wirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalens. Als Hauptstreitpunkt gilt die Frage, wie die zu Jahresanfang in eine Transfergesellschaft gewechselten BenQ-Mobile-Mitarbeiter an ihre alten Arbeitsplätze zurückkehren können ohne finanzielle Belastung für den potenziellen Investor. Das strebten die Interessenten an, die nicht namentlich genannt werden wollten.

Die Bundesanstalt für Arbeit könne aus rechtlichen Gründen die Bezahlung der Mitarbeiter nicht übernehmen, hieß es von Teilnehmern. Anders seien die Möglichkeiten des früheren Eigentümers der Handysparte, Siemens. Ein Vertreter des Münchener Konzerns habe keine Bereitschaft zur Kostenübernahme gezeigt.

Zu der ins Gespräch gebrachten Umschichtung von Mitteln, die Siemens für die Auffanggesellschaften zur Verfügung gestellt hat, wollte sich der Elektrokonzern nicht äußern. "Siemens hat die Finanzierung der Transfergesellschaften weitgehend gesichert", erklärte ein Unternehmenssprecher lediglich. "Für alle weiteren Fragen sind zunächst der Insolvenzverwalter, die Leitung der beiden Transfergesellschaften und die Bundesagentur für Arbeit zuständig und erst danach Siemens."

Ziele der Interessenten sollen nicht unerreichbar sein

Die deutsch-amerikanische Investorengruppe stellte heute im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium ein Geschäftsmodell für 800 der einstmals 3 000 Mitarbeiter vor. Es sieht nach Angaben von Teilnehmern des vierstündigen Gesprächs die Fertigung von rund vier Millionen Handys pro Jahr vor.

Schulz vom NRW-Wirtschaftsministerium sagte, die Ziele der Interessenten seien nicht unerreichbar, "es lohnt sich, daran weiterzuarbeiten". Bevor weitere Treffen zu den offenen Fragen stattfinden, müsse die anstehende Gläubigerausschuss von BenQ Mobile am morgigen Dienstag in München abgewartet werden. Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) kündigte an, das Investorenmodell "sehr sorgfältig und ergebnisorientiert" zu prüfen.

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