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Telefonieren: Bald nur noch für die Extras zahlen?

06.12.2006
10:44

Immer mehr Anbieter bieten Telefonie ohne Zusatzkosten per Internet

Telefonieren ist heute so günstig wie nie zuvor. Wer vor zehn Jahren zum Beispiel mit seiner Freundin in Brasilien telefoniert hat, war schnell 100 Mark los. Heute gibt es Ferngespräche in alle Welt für ein paar Cent. Und die Gebühren sinken weiter, egal ob für Festnetz- oder Mobiltelefonie. Einige Anbieter ermöglichen unter bestimmten Voraussetzungen jetzt schon kostenloses Telefonieren. Das wird bald ganz normal sein, sagen Experten.

Der Weg zum kostenlosen Telefonieren führt oft übers Internet. Mit Hilfe von Voice over IP (VoIP), also dem Telefonieren über das Internet lassen sich bereits viele Gespräche kostenlos führen. Zu den Anbietern gehören beispielsweise Skype, sipgate oder Web.de. Alle Angebote sind, will man die Gespräche nicht nur mit einem Headset über den PC führen, für den Nutzer mit einem gewissen technischen Aufwand verbunden.

Wer auf der Website des Branchenverzeichnisses GoYellow aus München nach einer bestimmten Firma oder einer Privatperson sucht und fündig wird, bekommt nicht nur die Telefonnummer angezeigt. Handelt es sich um eine Rufnummer aus dem Festnetz, bietet GoYellow mit der Anzeige des Buttons "Kostenlos telefonieren" gleich an, eine gebührenfreie Verbindung aufzubauen. Dazu gibt der Anwender seine und die Rufnummer des Gesprächspartners ein. Kurz darauf wird er von GoYellow auf dem Festnetz angerufen und zum Gesprächspartner durchgestellt.

Kostenlose Gespräche mit einer Dauer von bis zu 30 Minuten ermöglicht PeterZahlt, ein Tochter-Unternehmen von GoYellow. Eine Registrierung wird nicht verlangt. Anwender müssen auf der Website lediglich ihre eigene Festnetzrufnummer sowie die des gewünschten Gesprächspartners eintragen und anschließend auf den Button "Kostenlos verbinden" zu klicken. Der Rest funktioniert wie bei GoYellow.

Wirklich umsonst ist gar nichts

"Nichts ist umsonst", sagt Hans Flume von der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH). Die Strategie von goyellow.de ist klar: Mit den Kostenlos-Telefonaten werden mehr Nutzer auf die Seite gelockt, das macht sie für zahlende Inserenten wertvoller. Und auch die PeterZahlt GmbH ist kein Wohlfahrtsunternehmen für Quasselstrippen. Die Firma mit Sitz in München will Geld verdienen: "Wir blenden auf dem PC während des Telefonats ein Unterhaltungsprogramm ein, je 30 Sekunden pro Minute ist Werbung zu sehen", erklärt Sprecherin Anja Meyer. Ist das Gespräch beendet, ist auch die Werbung vorbei - und umgekehrt: Wird der Browser mit den Werbeeinblendungen geschlossen, kappt PeterZahlt die Telefonverbindung.

Wie GoYellow und PeterZahlt bietet JaJah kostenlose Festnetzgespräche bei vorheriger Gesprächsanmeldung im Internet an. Dazu gehören auch internationale Anrufe. Voraussetzung fürs kostenlose Telefonieren über JaJah ist jedoch, dass beide Gesprächsteilnehmer registriert sind. "Dafür genügt die Angabe einer E-Mail-Adresse", erklärt JaJah-Sprecher Thilo Bonow.

Für Leute, die regelmäßig Ferngespräche führen, können Angebote wie PeterZahlt oder JaJah eine kostengünstige Alternative sein - wenn der Anbieter nicht gerade überlastet ist. So musste PeterZahlt zeitweise passen, weil die Kapazitäten dem Ansturm nicht mehr gewachsen waren: 160 000 Anrufe gibt es laut Sprecherin Meyer derzeit pro Tag. Im Schnitt dauern sie sechs Minuten. "Die meisten Gespräche gehen nach Polen und in die USA."

Auch der Internet-Zugang kostet Geld

Zu bedenken ist auch, dass der Zugang ins Internet ebenfalls Geld kostet. Das spielt nur dann keine Rolle mehr, wenn man eine Flatrate besitzt - die aber auch bezahlt werden will. Den Umweg übers Internet kann man sich bei JaJah bis auf ein einziges Mal jetzt schon sparen: Das Unternehmen bietet zum Herunterladen eine Software für verschiedene Handys an. Dieser so genannte, auf dem Handy zu installierende Client leitet mobile Gespräche automatisch über JaJah. "Davon bekommt der Kunde gar nichts mit. Er telefoniert so wie immer", sagt Bonow.

Auch beim Telefonieren über das Festnetz will JaJah den Umweg übers Internet bald unnötig machen. Anfang 2007 möchte das Unternehmen seinen Kunden eine kleine Box anbieten, die zwischen Telefon und Telefonanschluss gesetzt wird und die Gespräche umleitet.

Längst locken auch große Telekommunikationsanbieter mit kostenlosem Telefonieren: Anbieter wie Arcor oder Hansenet zum Beispiel ermöglichen ihren Kunden untereinander kostenlose Gespräche. "Heute machen die Telcos einen Großteil ihres Geldes noch mit Telefonie", sagt Telekommunikationsexperte Uli Prommer von der Unternehmensberatung Mercer Management Consulting in München. Doch langfristig werde die normale Telekommunikation für den Verbraucher kostenlos.

Mit einfachen Telefonaten werde sich künftig kaum noch Gewinn erzielen lassen, so Thilo Bonow. JaJah setze daher auf den Verkauf von Zusatzdiensten wie terminierte Anrufe, Konferenzschaltungen oder SMS. Uli Prommer geht davon aus, dass Telekommunikationsanbieter spätestens in zehn Jahren mit zusätzlichen Anwendungen und vor allem mit Inhalten ihr Geld verdienen. Erste Schritte in diese Richtung seien zu sehen, blicke man zum Beispiel auf den Kauf der Bundesliga-Übertragungsrechte fürs Internet durch die T-Com.

Dabei geht es dem Verbraucher bei der Wahl seines Anbieter gar nicht nur ums Geld. Entscheidend sind für viele Kunden andere Dinge, wie Mercer laut Uli Prommer in verschiedenen Studien festgestellt hat: "Zuverlässigkeit und Service müssen stimmen."

 
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