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ITU und Friedensnobelpreisträger starten Infrastrukturprojekt

"ICT Empowerment Network" startet von Hongkong in die Welt
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Auf der Eröffnungsfeier der morgen beginnenden Kongress- und Messeveranstaltung ITU Telecom World in Hongkong/China konnte die ITU, die führende Telekommunikationsagentur der Vereinten Nationen, eine besondere Zusammenarbeit verkünden. Zusammen mit dem Friedensnobelpreisträger des Jahres 2006, Prof. Yunus aus Bangladesh, sollen die Stärken eines speziellen Kleinkreditprogramms in unterentwickelten Regionen und der modernen Informations- und Telekommunikationstechniken (ITK) verbunden werden.

Friedensnobelpreisträger Prof. Yunus
Foto: teltarif.de
Prof. Yunus hat in seiner Heimat Bangladesh mit großem Erfolg zur Sozialisierung und wirtschaftlichen Gesundung eines der ehemals ärmsten Länder der Welt beigetragen. Zum einen ist er Vorstand der Grameen Bank, einem Mikrofinanz-Geldinstitut, das meist ohne klassische Sicherheiten Kleinkredite an arme Menschen vergibt, um diesen Startkapital für eigenes Unternehmertum und somit zur Steigerung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit von Bangladesh zu verschaffen. Als vielmehr "emotionale" Sicherheit werden die Kreditnehmer allerdings angehalten innerhalb der eigenen Familie oder Dorfgemeinschaft Bürgen für den gewünschten Kredit zu suchen. Zwei weiteren Projekten, der Grameen Phone und Grameen Solar Power, ist es zu verdanken, dass mittlerweile auch die entlegensten Gebiete mit moderner Telekommunikationtechnik erreichbar sind und damit auch wirtschaftlich erschlossen werden können. So stieg die Anzahl der verfügbaren Mobiltelefone seit der Jahrtausendwende von weniger als eine Million auf aktuell 15 Millionen, eine weitere Verdopplung wird binnen zwei Jahren erwartet. Die Preise für Mobiltelefone und deren Nutzung sanken bislang soweit, dass diese für eine breite Masse in Bangladesh bezahlbar wurden.

"Connect the world" mit Unterstützung des Friedensnobelpreisträgers

Mit der heutigen Ankündigung der ITU und Herrn Yunus soll das in Bangladesh erfolgreiche Projekt im Rahmen der ITU-Initiative "Connect the world" nun auch in andere Länder getragen werden. Als nächstes Land haben sich die beiden Partner für das neue "ICT Empowerment Network" Indonesien ausgesucht und mit Qualcomm und Cisco Systems auch gleich zwei namhafte Unternehmen der ITK gewinnen können. Qualcomm zeichnet für den Netzaufbau auf CDMA-Basis verantwortlich. Cisco soll ein umfangreiches Wissens- und Qualifikationsnetzwerk für junge Menschen bereitstellen, die sich mit dessen Hilfe im Umfeld der ITK und in weiteren wissenschaftlichen Bereichen fortbilden können. Der Zugang hierzu soll allen interessierten Bevölkerungsschichten offenstehen, im Zweifel finanziert mit Hilfe von Studienbeihilfen oder Krediten.

Pressekonferenz am ersten Tag der ITU World 2006 Das neue Netzwerk soll verschiedenste unabhängige Organisationen und Unternehmen zusammenführen, sei es vor Ort oder virtuell. Dabei geht es um drei grundlegende Arbeitsrichtungen: Zunächst sind dies ITK-Lösungen, z.B. Endgeräte oder Netzwerkinnovationen, die Daten- und Kommunikationsnetze zu geringen Kosten auch in entlegenste Gebiete bringen. Weiterhin geht es um die Prüfung und Unterstützung erfolgsversprechender Geschäftsmodelle, diesen Kernpunkt wird Yunus mit seinem Know-How der Grameen Bank beitragen. Als dritter Punkt soll das schon beschriebene Informationsnetzwerk entstehen und Weiterbildungsmöglichkeiten sollen auch in unterentwickelten Gebieten angeboten werden.

Die Initiative "ICT Empowerment Network" kann dabei auf mehr als 3 000 Mikrofinanzorganisationen mit mehr als 100 Millionen Kreditgebern weltweit zurückgreifen. Die ITU wird ihrerseits die Unterstützung ihrer knapp 200 Mitgliedsstaaten und etwa 650 -unternehmen in das Projekt einbringen.

Yunus: "IT hilft, Menschen von der Armut zu befreien"

Das heute bekanntgegebene "ICT Empowerment Network" wird nach dem Verständnis von Yunus und der ITU keine Charityaktion oder reines Sponsoring sein, sondern vielmehr eine wirtschaftliche Zusammenarbeit der beteiligten Unternehmen. Der ITU geht es dabei nach den Worten des Präsidenten Yoshio Utsumi um den Start einer neuen Ära. Durch die von Yumus in Bangladesh praktizierte Finanzierungs-Ökonomie könne eine einzigartige, neue und zukunftsträchtige Win-Win-Situation speziell in unterentwickelten Ländern geschaffen werden.

Prof. Yunus zeigt sich vor Journalisten im Vorfeld der Eröffnungsfeier zufrieden und sieht einen weiteren Meilensteins seiner Philosphie auf den Weg gebracht: "Wir müssen die internationale Gemeinschaft zur Aktivität anhalten, daher bin ich der ITU dankbar diesen Bereich zu fördern." Seinem Verständnis nach haben alle Menschen, egal ob arm oder reich, ein enormes, ungenutztes Potential an Kreativität, das nun angesprochen wird. Informations- und Kommunikationstechnologie spiele dabei eine herausragende Rolle, Menschen aus der Armut zu bringen. Yunus fast abschließend zusammen: "Wir stehen erst am Anfang einer neuen, offen und spannenden Zusammenarbeit und ich ermutige weitere Partner, sich zu beteiligen!"

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