Pixelpowerpaket

Auflösungs-Champion: Das LG KG920 im Test

Erstes Handy mit 5-Megapixel-Kamera
AAA

Digicam-Hersteller aufgepasst: Mit dem KG920 von LG kommt nun das erste Handy mit 5-Megapixel-Kamera in den Handel. Da wirds langsam eng für kompakte Knipser, denn Abzüge in der Standardgröße 10 mal 15 Zentimeter lassen sich damit locker erstellen. Zumindest in der Theorie. Was der Pixelchampion in der Praxis leistet und wie es um die Handyfunktionalität bestellt ist, verrät unser Test.

Kamera-Karussell

LG KG920
LG KG920 mit drehbarer Kamera Kantig, klotzig, klobig. Das sind die Attribute, die einem beim ersten Blick auf das KG920 spontan in den Sinn kommen. Kein Wunder bei Maßen von 109 mal 50,5 Millimeter und einer Dicke von 18 Millimeter (am Akku gar 20 Millimeter). Und dann auch noch dieser merkwürdige Steg, der wie nachträglich angeschraubt die linke obere Ecke umgibt. Mit der kompakten, schlichten Eleganz eines Chocolate hat dieses LG-Modell nichts gemein. Aber dafür fällt auch die Ausstattung um Längen üppiger aus: Neben Musik-Player, MiniSD-Kartenslot und Bluetooth beeindruckt vor allem die Fotoauflösung von fünf Megapixel nebst echtem Blitzlicht, die im deutschen Markt absolut einzigartig ist. Bislang liegt die Messlatte für Handys bei drei Megapixel, der Durchschnitt kratzt noch an der 2-Megapixel-Grenze. Das Objektiv befindet sich auf der Rückseite des Keyboards und lässt sich für Selbstporträts nach vorn drehen. Videotelefonate sind dennoch nicht möglich: Das KG920 unterstützt nämlich leider kein UMTS. Löblich: Ein kleiner Schieber schützt die Linse mit einer Abdeckung. Fotografiert mit dem LG KG920

Die brennendste Frage lautet natürlich: Wie sieht es mit der Fotoqualität aus? Um es kurz zu machen: Sie ist sensationell - für ein Handy zumindest. Sowohl Kunst- als auch Tageslichtaufnahmen sind farbtreu und scharf bis in die Ecken. Lediglich bei Zwielicht hat der Autofokus mitunter ein wenig Schwierigkeiten, und eine manuelle Scharfstellung ist nicht möglich. Als Trostpflaster glänzt die Nahaufnahmefunktion, mit der sich selbst nur wenige Zentimeter entfernte Objekte tadellos ablichten lassen. Die Automodus-Option schaltet bei Bedarf selbstständig in den Makromodus um. Auch die übrigen Fotofunktionen mit Selbstauslöser, Vorblitzen und diversen Filtern können sich sehen lassen. Dennoch stellt auch das KG920 keine Alternative zu einer echten Digicam dar: Dazu reicht das schlichte Objektiv ohne optischen Zoom einfach nicht aus. Auch spricht die Autofokuszeit von knapp drei Sekunden gegen Schnappschüsse. Und schließlich macht die Reichweite des Xenon-Blitzes nach rund einem Meter schlapp – zu wenig für viele Aufnahmesituationen. Ambitionierte Hobbyknipser kommen also auch weiterhin nicht um eine separate Kamera herum.

Viel Licht, viel Schatten

Groß und globig Erstaunlich sind zwei weitere Mankos, die sich LG bei seinem Möchtegern-Digicamstar geleistet hat. Erstens ist die Videoauflösung mit 320 mal 240 Pixel vergleichsweise schwach auf der Brust – die 30 Bilder pro Sekunde, die ruckelfreie Aufnahmen garantieren, trösten da nur wenig. Und zweitens zieht das Sucherbild im Display erheblich nach: Jede Bewegung verursacht unangenehme Schlieren. So etwas muss heutzutage nicht mehr sein, wenigstens nicht in diesem Ausmaß.

Auch Sprachwahl und Sprachsteuerung sucht man vergebens, der interne Speicher fällt mit mageren acht Megabyte extrem dürftig aus. Die Koreaner legen eine 256 MB große MiniSD-Speicherkarte bei, doch die Begrenzung der internen Ressourcen macht sich beispielsweise beim Telefonbuch schmerzlich bemerkbar: Neben Name, E-Mail und Fax lassen sich pro Eintrag gerade mal drei Rufnummern ablegen. Über solche Begrenzungen können Nutzer aktueller Smartphones nur mitleidig lächeln. Immerhin taucht das KG920 nach Einstöpseln des USB-Kabels (gehört zum äußerst spendablen Lieferumfang) unter Windows XP automatisch im Windows-Explorer auf, sofern eine Speicherkarte eingelegt ist. Das ist wirklich praktisch: Daten lassen sich auf diese Weise kurz und schmerzlos direkt transferieren.

Musik-Player läuft leider nur exklusiv

Ärgerlich: Musik-Player läuft nur exklusiv Nicht eben mit Ruhm bekleckert sich auch der Musik-Player. ID3-Tags werden schlichtweg ignoriert, der Equalizer arbeitet lediglich mit den sechs vorbereiteten Presets – manuelle Justage ausgeschlossen. Auch das Durchschalten der Presets gestaltet sich unkomfortabel: Mit dem Aufwärts-Pfeil gehts nur in einer Richtung durch die Voreinstellungen.

Schlimmer noch: Die Software lässt sich nicht im Hintergrund betreiben. Beispielsweise den Kalender zu bearbeiten und dabei Musik zu hören ist also nicht möglich. Noch ein böser Fehler: Zwar hat LG dankenswerterweise in die schicke Headset-Fernbedienung eine Buchse für den Anschluss anderer Kopfhörer eingebaut, doch liegt diese so tief im Gehäuse, dass Ohrstöpsel mit dem üblichen abgewinkelten Steckerkopf nicht vollständig eindringen können. Der Einsatz alternativer Hörer wäre aber dringend angeraten, bietet doch das mitgelieferte Headset wenig Grund für Begeisterung – zu kratzig sind die Höhen, zu schlapp die Bässe.

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