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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | 14.02.2012 |
Editorial: Das Siechtum von Siemens01.10.2006
16:54 Haifischbecken Handy-Markt
Es ist die jüngste, aber wahrscheinlich nicht die letzte Negativ-Meldung über
(Ex-)Siemens-Handys:
BenQ Mobile beendet die Produktion in Deutschland.
Die von Siemens übernommenen Werke in München, Kamp-Lintfort und Bochum stehen
nun vor dem Aus. Mit dem offiziellen Insolvenzantrag
übernimmt der vom Gericht bestimmte Insolvenzverwalter, Martin Prager, die
Leitung.
nächste Seite: Es bleibt schwierig
Die Perspektive des Insolvenzverwalters ist nicht rosig: Drei Monate lang zahlt das Arbeitsamt Insolvenzgeld, so lange kann der Betrieb noch weitergehen. In dieser Zeit muss der Verwalter entweder einen Käufer finden, der die Werke übernimmt, oder zumindest neue Kunden, die Umsätze sichern. Beides ist unwahrscheinlich. Die Größen im Handy-Geschäft haben eigene, gut eingeführte Werke und Entwicklungsabteilungen. Keiner hat auch in den letzten Monaten große Umsatzsprünge vollzogen, so dass er aktuell dringend auf der Suche nach einem weiteren Werk wäre, um die Kapazitäten zu erweitern. Weiterer Verlust von Marktanteilen zu erwartenZugleich entwickelt sich die Form der Abwicklung des Werkes zum PR-Gau für BenQ. Viele Verbraucher interpretieren die derzeitigen Schlagzeilen sicherlich so, dass das Geschäft mit BenQ-Siemens-Geräten komplett eingestellt wird, was aber (noch?) nicht geplant ist. Diejenigen, die genauer lesen, sehen BenQ als Totengräber, der den dreckigen Job übernahm, die Siemens-Handy-Sparte abzuwickeln. Wer will von so jemandem überhaupt etwas kaufen? In Deutschland, dem traditionellen Heimatmarkt der Siemens-Handys, droht damit ein weiterer Verlust von Marktanteilen. Zwar erklärten inzwischen einige Netzbetreiber, ihre Abnahmeverpflichtungen für BenQ-Siemens-Geräte weiterhin einhalten zu wollen. Doch heißt das noch lange nicht, dass sie auch künftig neue Geräte im selben Maße ordern werden wie bisher. Abgesprochen?In der Öffentlichkeit wird intensiv darüber diskutiert, ob zwischen Siemens und BenQ abgesprochen war, dass die Werke hierzulande praktisch unmittelbar nach Ablaufen der einjährigen Beschäftigungsgarantie in die Insolvenz gejagt werden sollen. Insbesondere der Betriebsrat verdächtigt Siemens diesbezüglich der vorsätzlichen Täuschung und rät den Mitarbeitern zu Klagen auf Schadenersatz und/oder Wiedereinstellung gegen Siemens. Auch Politiker fordern einen Nachweis, dass die Abwicklung nicht von vornherein geplant war. Gegen diese Einschätzung spricht, dass BenQ schon vor dem Siemens-Deal auf dem deutschen Markt präsent war: mit Displays, Projektoren, Laptops und weiteren elektronischen Geräten. Dass die "Beerdigung" der Siemens-Handy-Werke zwangsläufig für böses Blut sorgen würde und dass dieses auch den Verkauf der anderen Geräte beeinträchtigen wird, konnte man sich auch ausrechnen.
Meine persönliche Vermutung ist daher, dass weniger Vorsatz als vielmehr
Selbstüberschätzung der Koreaner ursächlich war. Man hoffte wohl, sehr schnell
die Kosten senken und gleichzeitig das Geschäft zumindest auf dem
zuletzt von Siemens erreichten Niveau weiterführen zu können. Das schlug fehl,
der Marktanteil ging weiter zurück, und nun muss das Management von BenQ die
Notbremse ziehen.
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