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Glotze to go: Wie sehen Anbieter und Regulierer Handy-TV?

07.07.2006
14:06

MFD, Hamburgische Landesmedienanstalt und Vodafone blicken in die Zukunft

Inhaltsverzeichnis:

1. Grundsatzentscheidungen müssen gefällt werden
2. Warum noch ein neuer Standard?

Dass Handy-TV das klassische Fernsehen nicht verdrängen wird, ist für Dr. Lothar Jene von der Hamburgischen Anstalt für neue Medien (HAM) klar. Im Rahmen eines Trend-Talk-Gespräches während der IFA-Preview in Hamburg diskutierte der Direktor der HAM unter anderem mit Henrik Rinnert, Geschäftsführer vom Mobilen Fernsehen Deutschland (MFD) und Bernhard von Canstein, zuständig für New Business Development bei Vodafone. Die einhellige Meinung: Handy-TV wird die Zukunft sein - unabhängig davon, ob DVB-H oder DMB zum Einsatz kommt. Doch dabei kommt es auf zahlreiche Rahmenbedingungen an.

Co-Existenz von DMB und DVB-H schließt sich nicht aus

Jene saß dabei sprichwörtlich zwischen zwei Stühlen. Zu seiner Linken Vodafone, die seit langem in der Entwicklung auf DVB-H setzen, zu seiner Rechten der Geschäftsführer von MFD, der derzeit DMB einsetzt und seine Sender aktuell über den Mobilfunkprovider debitel vermarktet. "Eine Co-Existenz der beiden Standards schließt sich nicht aus", sagte Rinnert. MFD habe sich auch bereits auf DVB-H-Frequenzen beworfen. Das sieht auch Jene so. "Die Landesmedienanstalten sind nicht dazu da zu entscheiden, welcher Standard der bessere ist." Man wolle beide Standards ermöglichen. Wichtig sei aber, etwas zu machen, das bundesweit kompatibel ist. So macht es keinen Sinn, wenn Hamburg im Alleingang DVB-H etabliere, der Kunde am Ende aber nur in Hamburg mit seinem DVB-H-Handy Empfang habe.

Problematisch ist für den Direktor der HAM der veränderte Rahmen bei den aktuellen Ausschreibungen. 40 Antragsteller haben sich alleine in Hamburg auf die DVB-H-Frequenz beworben. Gewöhnlich erfolgen diese Frequenzzuteilungen an einzelne Programmanbieter. Nun aber sollen die Frequenzen an Plattformbetreiber wie etwa MFD gehen, die ein Bundle mit verschiedenen Sendern zusammenstellen. Das habe es so bislang noch nicht gegeben.

Gemeinsame Ausstrahlung eines Basispakets ist möglich

Aufgrund der knappen Frequenzen schlägt die HAM vor, dass nicht jeder Netzbetreiber und jeder Portalanbieter für sich arbeitet und schlimmstenfalls die gleichen Programme auf unterschiedlichen Frequenzen ausstrahlt. Vielmehr ist der Vorschlag des Regulierers, ein gemeinsames Basis-Paket zu schnüren, das nur einmal ausgestrahlt wird. Dieses könnte aus den obligatorischen vier bis sechs größten deutschen Sendern bestehen. Die weiteren Programme könnten dann individuell pro Anbieter ausgestrahlt werden. Die Netzbetreiber scheinen dem nicht abgeneigt zu sein. So sagte zumindest Bernhard von Canstein, die Netzbetreiber seien bereits in Gesprächen, zumindest ein gemeinsames Sendernetz zu installieren, um im Sinne des Kunden Frequenzen zu sparen. Auch Rinnert begrüßte diese mögliche Zusammenarbeit, warnte aber davor, andere wie die MFD auszuschließen.

Ob mobiles Fernsehen zum Erfolg wird, wird letztlich der Kunde entscheiden. Er wird auch entscheiden müssen, welcher Standard sich durchsetzt. Im Optimalfall, so die Diskussionsteilnehmer, wird es Handys geben, die DVB-H und DMB unterstützen. So gäbe es eine größere Vielfalt und eine größere Chance, das ganze Bundesgebiet abzudecken. Die ersten Zahlen sind jedoch ernüchternd. Binnen der ersten drei Wochen seit Start der debitel-Kooperation konnte MFD nach Angaben Rinnerts gerade einmal 1400 Kunden gewinnen. Man dürfe das Produkt aber nicht überfrachten mit Erwartungen, sagte er weiter. Darum, dass die Nutzer für das mobile Fernsehen nichts zahlen wollen, machen sich die Anbieter keine Sorgen. "Der Nutzer ist gewohnt, dass die Benutzung des Handys Geld kostet."
 

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Quelle: teltarif.de: AGOF internet facts 2011-10, Erwachsene ab 14 Jahre