weg

Editorial: Ausverkauf bei Siemens

Große Partnerschaften nur selten erfolgversprechend
Kommentare (859)
AAA

Nach der Handy-Sparte folgt nun fast der ganze Bereich Com: Siemens gliedert den Verlustbringer Telekommunikation aus dem Konzern aus. Die Geschäftsführung folgt damit den Empfehlungen diverser Analysten und Berater. Am Tag, als die Gründung einer gemeinsamen Netzwerksparte mit Nokia verkündet wird, vollführt der Kurs der Siemens-Aktie einen Luftsprung: Ein Problem weniger.

In der Praxis sind die aus dem Verkauf großer Unternehmensteile folgenden Elefantenfusionen schwierig abzuwickeln. Produkte müssen integriert, Vertriebs- und Support-Netze neu verzahnt werden. Die alte Führungsstruktur löst sich zumeist viel schneller auf, als sich die neue bildet. Große Entfernungen und unterschiedliche Unternehmenskulturen zwischen dem alten, verkauften Unternehmensteil, und dem neuen Eigentümer machen die Kontrolle zudem nicht gerade einfacher.

So wundert es wenig, dass Sony-Ericsson bis heute nicht einmal die Marktanteile zurückgewinnen konnte, die der Handy-Hersteller Ericsson unmittelbar vor Gründung des Joint-Ventures hatte - und das trotz der geballten Unterhaltungs- und Tk-Kompetenz der beiden Mutterkonzerne. Auch bei Benq-Siemens überwiegen die schlechten Nachrichten. Der Verlust von Marktanteilen hat sich seit dem Verschenken der Siemens-Handy-Sparte eher beschleunigt statt verlangsamt. Bei der Zusammenarbeit von Nokia und Siemens steht schon jetzt fest, dass 6000 Stellen fortfallen werden.

Betriebswirtschaftlich ist es hingegen oft die einfachste Lösung, verlustreiche Geschäftsbereiche zu verkaufen. Eine Sanierung unrentabler Geschäftsbereiche verlangt zumeist, dass man in bessere Mitarbeiter und Ausstattung oder in neue Produkte investiert, um besser am Markt zu bestehen. Das verursacht zusätzliche Kosten mit ungewissem Ertrag. Alternativ kann man die Kosten kürzen, was meist mit Entlassungen verbunden ist. Der daraus resultierende Imageverlust bzw. der durch weniger Mitarbeiter drohende Qualitätsverlust können bewirken, dass das Produkt in der Gunst der Käufer weiter abrutscht, und man auch mit dem reduzierten Personalstamm nicht aus den roten Zahlen kommt. Beim Verkauf bzw. Verschenken der defizitären Sparte ist man das Problem hingegen sofort los. Soll sich doch jemand anders um die Sanierung kümmern.

Und so wird doch verkauft, auch wenn den beteiligten Managern in der Mehrzahl der Fälle klar sein dürfte, dass eins plus eins hier selten zwei ergibt, sondern oft nur 1,5 oder gar noch weniger. Hauptsache, man ist das Problem los. Und die Aussicht, bei Misserfolg ebenfalls "entsorgt" zu werden, treibt die anderen Teile des Konzerns kräftig an, die Renditeziele pünktlich zu erreichen bzw. zu übertreffen. Die Maschine läuft also weiter.