Nach der
Handy-Sparte folgt nun fast der
ganze Bereich
Com: Siemens gliedert den
Verlustbringer Telekommunikation aus dem Konzern aus. Die Geschäftsführung
folgt damit den Empfehlungen diverser Analysten und Berater. Am
Tag, als die Gründung einer gemeinsamen Netzwerksparte mit
Nokia verkündet
wird, vollführt der Kurs der Siemens-Aktie einen Luftsprung: Ein
Problem weniger.
In der Praxis sind die aus dem Verkauf großer Unternehmensteile
folgenden Elefantenfusionen schwierig abzuwickeln. Produkte müssen
integriert, Vertriebs- und Support-Netze neu verzahnt werden.
Die alte Führungsstruktur löst sich zumeist viel schneller auf,
als sich die neue bildet. Große Entfernungen und unterschiedliche
Unternehmenskulturen zwischen dem alten, verkauften Unternehmensteil,
und dem neuen Eigentümer machen die Kontrolle zudem nicht gerade
einfacher.
So wundert es wenig, dass
Sony-Ericsson bis heute nicht einmal
die Marktanteile zurückgewinnen konnte, die der Handy-Hersteller
Ericsson unmittelbar vor Gründung des Joint-Ventures hatte - und
das trotz der geballten Unterhaltungs- und Tk-Kompetenz der beiden
Mutterkonzerne. Auch bei
Benq-Siemens überwiegen die
schlechten Nachrichten. Der Verlust
von Marktanteilen hat sich seit dem
Verschenken der Siemens-Handy-Sparte
eher beschleunigt statt verlangsamt. Bei der Zusammenarbeit von
Nokia und Siemens steht schon jetzt fest,
dass 6000 Stellen fortfallen werden.
Betriebswirtschaftlich ist es hingegen
oft die einfachste Lösung, verlustreiche
Geschäftsbereiche zu verkaufen. Eine Sanierung unrentabler Geschäftsbereiche
verlangt zumeist, dass
man in bessere Mitarbeiter und Ausstattung oder in neue Produkte
investiert, um besser am Markt zu bestehen.
Das verursacht zusätzliche Kosten mit ungewissem Ertrag. Alternativ
kann man die Kosten kürzen, was meist mit Entlassungen verbunden ist.
Der daraus resultierende Imageverlust bzw. der durch weniger Mitarbeiter
drohende Qualitätsverlust können bewirken, dass das Produkt in der Gunst
der Käufer weiter abrutscht, und man auch mit dem reduzierten Personalstamm
nicht aus den roten Zahlen kommt. Beim Verkauf bzw. Verschenken der
defizitären Sparte ist man das Problem hingegen sofort los. Soll sich
doch jemand anders um die Sanierung kümmern.
Und so wird doch verkauft, auch wenn den beteiligten Managern in
der Mehrzahl der Fälle klar sein dürfte, dass eins plus eins hier
selten zwei ergibt, sondern oft nur 1,5 oder gar noch weniger.
Hauptsache, man ist das Problem los. Und die Aussicht, bei Misserfolg
ebenfalls "entsorgt" zu werden, treibt die anderen Teile des Konzerns
kräftig an, die Renditeziele pünktlich zu erreichen bzw. zu übertreffen.
Die Maschine läuft also weiter.