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E-Plus gibt i-mode auf

Mobilfunker konzerntriert sich auf Sprachtelefonie
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Auf der Internationalen Handelsblatt Jahrestagung Telekom Markt Europa in Bonn hatte der neue E-Plus-Chef Michael Krammer bereits über die neue Ausrichtung seines Unternehmens gesprochen. So kündigte Krammer an, dass sich E-Plus künftig wieder auf Kerndienstleistungen, vor allem Sprachtelefonie, konzentrieren wolle. Datendienste werden abgespeckt, Multimediadienste sollen künftig überhaupt keine Rolle mehr spielen. Der Internetdienst i-mode soll laut Financial Times Deutschland (FTD) eingestellt werden.

E-Plus hatte diesen Dienst zur CeBIT 2002 gestartet; die Kundenzahlen blieben jedoch von Anfang an weit unter den Erwartungen. In Japan dagegen war der der mobile Internet-Dienst mit den bunten Bildchen ein Renner, doch der Erfolg von i-mode ließ sich in Europa nicht wiederholen.

Krammer will die Investitionen insgesamt deutlich senken. Einzelheiten der neuen Strategie wird der neue Geschäftsführer Ende Juli verkünden. E-Plus war in den vergangenen Jahren im Wettbewerb immer weiter zurückgefallen. Die Düsseldorfer konnten ihren dritten Platz nach Teilnehmerzahlen nur mühsam halten, beim Umsatz liegen sie inzwischen nur noch auf Platz vier. Während die großen Mobilfunker T-Mobile und Vodafone Margen bis zu 47 Prozent vor Steuern erreichen sollen, schaffe E-Plus nach FTD-Angaben gerade einmal der Hälfte.

Zurück in die Zukunft

Krammer macht viele Veränderungen, die sein Vorgänger Uwe Bergheim eingeführt hatte, wieder rückgängig: Vor vor sechs Jahren wurden Privat- und Geschäftskunden organisatorisch getrennt und multimediale Zusatzdienste ausgebaut. Bergheim wollte E-Plus als innovatives Unternehmen positionieren, aber nicht als Billigheimer. Er setzte auf Luxus und Image statt auf den Preis, genau wie die Vorbilder in der Automobilwelt: Mercedes und Porsche.

Krammer dagegen will aus E-Plus einen stromlinienförnigen Anbieter von Standarddiensten machen. Laut FTD streiten nun die Werbeagenturen in einer Finalrunde um den nächsten Auftrag - die mit dem Beatles-Song "Hello, Goodbye" unterlegte Kampagne "Ein Plus verbindet" der Agentur KNSK läuft aus.

E-Plus setzt außerdem auf eine Regulierung der Terminierungsentgelte zum Mobilfunk. Wie berichtet hatte sich E-Plus einer freiwilligen Vereinbarung aller vier Netzbetreiber verweigert. Die Bundesnetzagentur ihrerseits hat angekündigt, die derzeit geltenden Tarife für Telefonate in fremde Mobilfunknetze drastisch senken zu wollen. Krammer begrüßt diesen Schritt, weil er davon überzeugt ist, dass er die Kosten bei E-Plus schneller senken kann als die Konkurrenz. Die sinkenden Einnahmen aus der Terminierung würden bei T-Mobile, Vodafone und o2 stärker auf die Margen drücken als bei E-Plus. Damit müssen sich die heute 3 000 Vollzeitbeschäftigten des Unternehmens wohl auf Sparrunden einstellen - auch ein Abbau von Stellen sei nicht ausgeschlossen.

Bereits als Chef des österreichischen Anbieters tele.ring hatte Krammer die Investitionen radikal gestutzt und einen wettbewerbsfähigen Ausbau des UMTS-Netzes zurück gefahren. Für den Eigentümer Alltel hat sich das gelohnt: Inzwischen hat T-Mobile den kleineren Konkurrenten für 1,3 Milliarden Euro gekauft.

Krammers Strategie ist aber nicht ohne Risiken. In den nächsten drei bis fünf Jahren wird erwartet, dass Daten statt Sprache im Mobilfunk wichtiger werden. Dann könnte E-Plus hier zu schwach aufgestellt sein. Damit bliebe dem Mobilfunker nur die Nische als Discount-Anbieter mit einfachem Angebot und dünnen Margen.