Handyspiele

Handyspiele verknüpfen reale und virtuelle Welt

Komplexes Stadterkundungsspiel startet in Regensburg
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AAA

Handy-Hersteller und Mobilfunkbetreiber basteln mit Hochdruck an neuartigen Handy-Spielen, die Nutzer öfter ins Mobilfunknetz ziehen sollen. So genannte "pervasive" Spiele verbinden die reale mit der virtuellen Welt - und nutzen das Handy dafür als Hilfsmittel. Dabei treten meist mehrere Spieler oder Teams gegeneinander an.

Mit dem Städte-Erkundungsspiel REXplorer [Link entfernt] können ab August Touristen in Regensburg die Stadtgeschichte per Handy erkunden. Es soll weltweit das erste permanent installierte Spiel dieser Art sein. Wissenschaftler der technischen Universitäten RWTH Aachen und ETH Zürich haben es mit Unterstützung von Nokia entwickelt. Die Besucher werden gebeten, als wissenschaftliche Assistenten merkwürdige Phänomene in der Altstadt Regensburgs zu untersuchen. Für ihre Feldforschung erhalten die Teilnehmer einen Apparat mit künstlicher Intelligenz - das Handy. Mit ihm können sie mit historischen und sagenhaften Charakteren Kontakt aufnehmen und mit bestimmten Gesten interagieren.

REXplorer kombiniert Stadtgeschichte und Handyspiel

Tico Ballagas von der RWTH Aachen, zuständig für die technische Umsetzung, erklärt: "Wenn die Besucher einem bestimmten Gebäude nahe kommen, zeigt das Handy einen beschleunigten Herzschlag an. Mit bestimmten Gesten können sie dann zu einem Geist eine Verbindung herstellen. Der Geist erzählt dann über den Lautsprecher des Handys eine Geschichte und gibt ihnen eine Aufgabe."

Kommen die Besucher beispielsweise zu einem alten Wohnturm, erzählt der Geist eines jüdischen Kaufmanns seine Geschichte. Er bittet die Besucher für ihn zur alten Synagoge zu gehen und ein Bild zu machen. Allerdings ist diese zerstört - die Besucher machen dann ein Bild des an der Stelle des zerstörten Gotteshauses errichteten Denkmals. Das wird über das Handy in ein multimediales Tagebuch bzw. Blog hochgeladen. Der Geist erfährt so, dass die Besucher tatsächlich seinen Wunsch erfüllt haben. Tagessieger wird das Team, das möglichst viele magische Geschichten aufgespürt und Aufgaben gelöst hat. Das Blog dient am Ende des Tages als persönliches Souvenir.

Handy-Spiele werten Bewegungen über Kamera und Standortbestimmung aus

"Skeeter" von Yewsoft Eines der ersten Handy-Spiele, das Handbewegungen des Nutzers in das Spiel integrierte, war das Moskito-Spiel Skeeter von Yewsoft. Die lästigen Flieger werden auf dem Display des Kamera-Handys gezeigt. Sie schwirren durch die über die Kameralinse aufgenommene reale Welt - der Spieler muss sie virtuell erschlagen. Dabei dient das Handy als Fliegenklatsche: Der Spieler visiert die Plagegeister per Fadenkreuz an und erledigt sie per Handbewegung. Im Handy sorgt eine Software dafür, dass die über die Handykamera aufgenommenen Bewegungen entsprechend ausgewertet werden.

Computerähnliche Spiele nach dem Muster "feindliche Raumschiffe abschießen", "unbeschadet durchs Labyrinth navigieren" oder "Snake" nutzen zwar die Tatsache aus, dass das Handy über ein Display verfügt, nicht jedoch, dass es auch Auskunft über den Ort oder das Verhalten des Nutzers gibt. Eines der ersten pervasiven Handyspiele, das Spielhallen-Klassiker mobil umsetzt, ist das Handyspiel Tron. Es ortet über das satellitengestützte Global-Positioning-System (GPS) Spieler auf wenige Meter genau. Die Spieler bewegen sich im realen Raum, ihre Position im Raum entspricht ihrer Position auf dem virtuellen Spielfeld. Jeder Spieler generiert über seine Bewegung eine Linie auf dem Display. Keine Linie darf sich selbst oder die des Gegners kreuzen, sonst hat man verloren. Je länger das Spiel dauert, umso schwieriger wird es. Die Handys kommunizieren über GPRS - die Spieler brauchen zueinander keine räumliche Nähe.