Der Chef des Telekommunikationskonzerns
Swisscom, Jens Alder, hat die
Konsequenzen aus einem Expansionsverbot der Regierung für sein Unternehmen gezogen und ist
zurückgetreten. Sein Nachfolger wird der 42-jährige Deutsche Carsten Schloter, der
bisherige Leiter der Mobilfunksparte
Swisscom Mobile, wie
Swisscom heute mitteilte. Alder hatte das Unternehmen seit Ende 1999 geführt.
Unter dem Eindruck der wegen einer falschen Kaufstrategie zusammengebrochenen Luftgesellschaft
Swissair hatte die Regierung Ende November
vergangenen Jahres überraschend die Swisscom gezügelt. Dies
zu einem Zeitpunkt, als die Kaufverhandlungen für die irische Telekomgesellschaft
Eircom kurz vor dem Abschluss standen.
Regierungsmitglieder befürchteten Millionenverluste, sollten die auch in anderen Ländern
geplanten Übernahmen sich als nicht rentabel erweisen. Dabei wurde auch darauf verwiesen,
dass die Swisscom bereits Ende April 2004 den deutschen Mobilfunkanbieter
debitel mit einem Verlust von 3,3 Milliarden Franken
(umgerechnet 2,12 Milliarden Euro) habe verkaufen müssen. Übernahmeversuche von
Cesky Telecom und
Telekom Austria blieben
erfolglos.
Die Schweizer Regierung hatte ebenfalls im November angekündigt, ihre Mehrheit von
66,1 Prozent an Swisscom verkaufen zu wollen. Die Regierung bereite die Trennung vor,
um dem Unternehmen mehr Entfaltungsfreiheit zu geben, hieß es damals. Das Paket wurde auf
etwa 17,5 Milliarden Franken (11,3 Milliarden Euro) geschätzt. Das Procedere
könnte aber bis zu zwei Jahre dauern, da eine Volksabstimmung über die Freigabe als
wahrscheinlich gilt.
Noch schreibt das Gesetz eine Bundesmehrheit vor. Es soll nun geändert werden, weil es
nach Ansicht der Regierung den Handlungsspielraum der Swisscom einschränkt. Finanzminister
Hans-Rudolf Merz sagte, die Regierung wolle die unternehmerischen und politischen Risiken durch ihre
Mehrheitsbeteiligung an der Swisscom minimieren und sich "von den Fesseln befreien", die ihr
durch die Mehrheitsbeteiligung auferlegt seien.
Die neue Unternehmensstrategie der Swisscom soll nun Carsten Schloter vorantreiben.
Entsprechend den Auflagen der Regierung werde Swisscom die ausschüttbaren Reserven über
die nächsten vier Jahre bis auf eine Milliarde Franken senken. Zusätzlich zu den Ausschüttungen
nach geltender Ausschüttungspolitik sollten bis spätestens 2009 rund 1,5 Milliarden Franken
(0,9 Milliarden Euro) an die Aktionäre fließen, schreibt die Swisscom.