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Mobiles TV: Welcher Standard setzt sich durch?

08.01.2006
14:07

Derzeit konkurrieren verschiedene Techniken

Vodafone führte zum Weihnachtsgeschäft 2004 sein Mobile-TV-Angebot ein, T-Mobile zog vor einigen Monaten mit seinem Handy-TV nach und auch bei E-Plus und o2 gibt es zumindest Videoclips in den Multimedia-Portalen. Derzeit werden diese Angebote über die UMTS-Mobilfunknetze realisiert, die inzwischen zumindest in den Ballungsgebieten fast überall genutzt werden können.

T-Mobile will schon bald eine zweistellige Anzahl von Fernsehsendern über UMTS verbreiten, bei Vodafone sind schon jetzt mehr als 20 Programme verfügbar. Allerdings setzen nicht alle Netzbetreiber auf mobiles Fernsehen über UMTS. E-Plus z.B. führt gemeinsam mit seinem niederländischen Mutterkonzern KPN ein DVB-H-Pilotprojekt durch. Alternativ kommt auch der auf dem DAB-Hörfunksystem aufsetzende DMB-Standard für mobiles Fernsehen in Frage.

Vorteil der UMTS-Netze ist, dass diese heute schon verfügbar sind, während es DVB-H und DMB in Deutschland bislang nur im Rahmen einiger weniger Testläufe gibt. Erst zur Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer sollen - insbesondere in den Städten mit WM-Stadien - offizielle Pilotprojekte durchgeführt werden.

Dabei sollen die Dienste - wie die jetzigen Angebote auf UMTS-Basis - u.a. in Verbindung mit Mobilfunk-Angeboten vermarktet werden. Fraglich ist allerdings, inwieweit potenzielle Kunden bereit sind, für das Fernsehen auf kleinen Handy-Displays zusätzlich zu ihren jetzigen Mobilfunkkosten zu bezahlen. Bei T-Mobile ist das Handy-TV noch bis Ende März kostenlos. Vodafone-Kunden, die einen UMTS-Tarif oder die Vodafone live!-Flatrate nutzen, können die Sendungen ebenfalls ohne Aufpreis sehen. Kein Wunder also, dass das Unternehmen nach eigenen Angaben pro Monat fünf Millionen Handy-TV-Minuten seiner Kunden zählt. Diese Zahl könnte deutlich nach unten gehen, wenn zusätzliche Kosten anfallen.

UMTS: Mehr Kapazität durch HSDPA

Fraglich ist auch, ob die UMTS-Netze genügend Kapazitäten bieten, um bei einer immer größer werdenden Kundenanzahl noch die Performance bereitzustellen, die für Videostreams benötigt werden. Hier könnte die Einführung der HSDPA-Technik in diesem Jahr für Abhilfe schaffen, die die Performance der UMTS-Netze von derzeit 384 kBit/s auf zunächst etwa 1,3 MBit/s und später sogar auf 7 MBit/s erhöht.

Bei DVB-H und DMB ist die Anzahl der Kunden, die die Angebote gleichzeitig nutzen, unerheblich. Hier handelt es sich um "echte" Rundfunksendungen, bei denen nicht jeder einzelne Kunde Kapazitäten verbraucht. Dafür fangen die Netzplaner für diese beiden, miteinander nicht kompatiblen Techniken quasi bei Null an.

Frequenzfrage bei DVB-H ungeklärt

Während für DMB bereits Sendefrequenzen zur Verfügung stehen, die ursprünglich für den DAB-Hörfunk koordiniert wurden, müssen für DVB-H in vielen Regionen zunächst Frequenzen koordiniert werden. So verwundert es nicht, dass in einigen Bundesländern bislang nur DMB-Kapazitäten ausgeschrieben wurden, nicht aber Frequenzen für DVB-H.

Über einen DMB-Kanal lassen sich allerdings lediglich drei bis vier Fernsehprogramme übertragen. Das wäre ein deutlicher Rückschritt gegenüber dem Angebot, das vor allem die D-Netze schon jetzt über UMTS realisieren. DVB-H bietet Platz für 20 und mehr Sender. Dennoch ist fraglich, ob sich dieser Standard durchsetzen wird. Dies hängt insbesondere davon ab, wo und in welchem Umfang Übertragungskapazitäten zur Verfügung stehen und ob die neuen Angebote von den Verbrauchern angenommen werden.

Längerfristiges Ziel der Industrie sollte es sein, die verschiedenen Übertragungsstandards für mobiles Fernsehen so miteinander zu kombinieren, dass der Nutzer jeweils automatisch auf das für ihn gerade beste System eingestellt wird. So hat LG vor wenigen Tagen in den USA ein Mobiltelefon vorgestellt, das neben dem europäischen DVB-H-Standard auch das amerikanische System Media FLO unterstützt. Samsung hat ein vergleichbares Gerät angekündigt. Bleibt zu hoffen, dass es bald auch DMB/DVB-H-Kombigeräte geben wird. Nur dann hätten Handy-TV-Fans hier zu Lande die Möglichkeit, die zur Fußball-WM und darüber hinaus geplanten Angebote in allen Bundesländern zu nutzen.

 
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Quelle: teltarif.de: AGOF internet facts 2011-10, Erwachsene ab 14 Jahre