Auf über 15 000 Viren, Würmer und Trojaner schätzen die Virenjäger die
Zahl der im vergangenen Jahr neu aufgetauchten Bedrohungen im weltweiten Netz.
Viele neue Schädlinge sind dabei, aber auch alte Bekannte wie Sober, Mydoom,
Netsky oder Bagle demonstrierten erstaunliche Beharrlichkeit und plagten die
Internetnutzer mit immer neuen Varianten. Dabei verwandelt sich die Spielwiese
der Teenie-Virenschreiber, die um kurze Momente des Ruhmes zu erleben,
Hunderttausende von Internetnutzern schikanieren, zunehmend in ein Gewerbegebiet
der Cyberkriminellen. Es wird vermutet, dass der Umsatz mit der Cyberkriminalität
den Umsatz des Drogenhandels inzwischen schon
übersteigt.
Der wirtschaftliche Schaden ist immens. Allein in Europa werden die Schäden durch
Hackerangriffe auf jährlich über 22 Milliarden Euro
geschätzt.
Unser Security-Bericht für das Jahr 2005 fasst für Sie die wichtigsten
Entwicklungen im Security-Bereich zusammen: Vom Zusammenspiel von Internet-Viren
und Spam-Plage, vom Online-Betrug per Phishing über
die Browser-Sicherheit bis hin zu den mobilen
Schädlingen geben wir einen Überblick über die Trends im
Security-Bereich 2005.
Cyberkriminelle dominieren zunehmend die Hackerszene

"Post" vom BKA
Foto: dpa
Auffällig im Jahr 2005 war, dass trotz einer erheblichen Zunahme der
Zahl der Schädlinge die Zahl der spektakulären DDoS-Angriffe, die in den
vorangegangen Jahren Unternehmensserver oft für Tage in die Knie gezwungen
hatten und die Hacker-Angriffe ins Zentrum des öffentlichen Interesses
stellten, im Jahr 2005 erheblich geringer
war. Ironischerweise legten, nach einem Jahr relativer DDoS-Stille,
DDoS-Angriffe ausgerechnet an Heiligabend gleich
vier Sicherheits-Internetportale auf einmal lahm. Für Graham Cluley,
Technologie-Berater beim Sicherheitsunternehmen
Sophos, ist der Rückgang
spektakulärer Angriffe ein klares Zeichen dafür, dass zunehmend professionelle
Kriminelle die Hackerszene dominieren. Diese Profis sind nicht an
öffentlichkeitswirksamen Demonstrationen ihrer Fähigkeiten interessiert,
sondern ziehen es vor, unspektakulär eine kleine Zahl von ausgewählten Opfern
anzugreifen, glaubt der Sicherheitsexperte: "Indem die Cyberkriminellen ihre
Aktivitäten auf eine kleinere Gruppe von Opfern fokussieren, können sie diese
mit maßgeschneiderter Malware angreifen und erhöhen ihre Chancen, sich unerkannt
durch die Sicherheitsnetze zu stehlen."
Bot-Netze unter der Kontrolle der Cybergangs
Inwieweit man der düsteren Vermutung mancher Sicherheitsexperten glauben darf,
im Netz würden sich zunehmend mafiose Strukturen ausbreiten, ist fraglich. Ob
wirklich die kriminelle Praxis, mit der Androhung, die Rechner des Unternehmens
zu kapern, Schutzgelder von Firmen erpresst werden, ist nicht bewiesen. Es scheint
aber außer Frage zu stehen, dass weltweit zehntausende von Rechnern privater
Nutzer unter der Kontrolle der kriminellen Cybergangs stehen. Die Netzwerke von
Zombie-Rechnern, auch Bot-Nets genannt, werden normalerweise als
Spam-Schleudern an die Spam-Industrie vermietet.
Michael Dickkopf vom Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik
(BSI) erklärt: "Ein infizierter
Rechner kann 100 000 Mails pro Stunde verschicken." Die
zusammengeschlossenen Rechner eines Bot-Netzes bringen es dann schnell auf
100 Millionen Mails die Stunde.
Größte Schwachstelle bei der Computersicherheit sind unbedachte Nutzer
Die millionenfache Flut der Spam-Mails ist lästig für die Nutzer und lukrativ für
die Spam-Versender und für die Betreiber der Bot-Netze als deren
E-Mail-Dienstleister. Aber die Flut unerwünschter E-Mails ist nicht nur lästig,
sondern auch gefährlich, denn auch die meisten Internet-Schädlinge verbreiten sich
bevorzugt per Massenmail und mischen sich in die Spam-Flut. Von
Sensations-Betreffzeilen geködert lassen sich Internet-Nutzer zu dem fatalen
Mausklick auf den Viren-beladenen E-Mailanhang verleiten, und geben damit in
schon fast sträflichem Leichtsinn ihren Rechner in die Hände der Cyberkriminellen.
Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 10 Prozent
der Nutzer Spam-Mails auf den Leim gehen. Liegt die Zahl der Nutzer, die
unvorsichtig Viren-beladene Anhänge öffnen, auch nur annähernd so hoch, liegt
das traurige Fazit auf der Hand: Die größte Schwachstelle bei der Computersicherheit
sind die Nutzer, die trotz der immer wieder ausgesprochenen Warnung, E-Mails
unbekannter Herkunft nicht zu öffnen, sondern sofort zu löschen, weiter unbedacht
auf die Mailanhänge klicken.
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