Nicht nur Nostalgiker denken mit Wehmut an
die Zeit zurück, als ein Telefon noch ein Telefon war und zu nichts
anderem diente als zum Telefonieren. Heute sind Handys zwar kleine
Alleskönner, die man zum Fotografieren, Spielen, Musik hören und als
Bürohilfe nutzen kann. Doch die Wunderwerke der Technik haben auch
ihre Tücken: Sie werden zwar immer leistungsfähiger, aber damit nicht
benutzerfreundlicher.
"Moderne Alltags-Technik ist häufig zu kompliziert zu bedienen",
sagt Ralph Hinderberger, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der
deutschen Usability-Professionals mit Sitz in Stuttgart, der im
November den ersten Tag der Benutzerfreundlichkeit in Deutschland
veranstaltete. Unter dem Motto "Einfach, sinnlich und
benutzerfreundlich" forderten dabei Experten in über 30 Ländern, dass
Technik bedienbarer werden müsse.
Das Problem sei laut Hinderberger, dass moderne Geräte wie Handys
oder PDAs oft unter einer neuen Technik-Krankheit leiden: der
"Featuritis". "Der Trend geht dahin, dass Hersteller immer mehr
Funktionen in immer kleinere Geräte packen - das verwirrt die
Kunden", sagt Hinderberger. So finden viele Nutzer vor lauter Knöpfen
und Menüs die einfachsten Anwendungen nicht mehr, wie die Studie
HandyERGO der Fachhochschule Gelsenkirchen von 2004 belegt. Von
mehr als 1 200 Testpersonen scheiterten dabei fast zwei Drittel bei
dem Versuch, auf einem fremden Handy eine SMS zu schreiben.
Häufig handfeste Entwicklerfehler
Zwar bewerben die Hersteller die Einfachheit ihrer Produkte schon
länger mit Schlagworten wie "Simplicity" und "Easy to use" - über
derartige Slogans kann Lothar Mühlbach aber nur müde lächeln. Er
prüft im Human Factors Test Center (HFTC) des Instituts für
Nachrichtentechnik der Fraunhofer-Gesellschaft in Berlin neue
Technologien auf ihre Benutzbarkeit.
Dabei finde er immer wieder handfeste Entwickler-Fehler, weil die
Firmen zwar lange an der Leistungsfähigkeit ihrer Geräte feilten,
dafür aber am Bedienkomfort sparen. So stieß Mühlbach auf der letzten
Internationalen Funkausstellung in Berlin auf eine HiFi-Anlage, die
zwar eine komplette CD-Sammlung speichern und die Musik drahtlos
durch die Wohnung funken konnte. Allerdings war das Display zu klein,
um bei der Musikauswahl die Titel lesen zu können.
Zudem zeige die Praxis, dass viele Geräte nicht auf die
Bedürfnisse der Anwender ausgerichtet seien. "Die Technik muss sich
aber an den Kunden anpassen und nicht umgekehrt", sagt Mühlbach. So
sei es zum Beispiel fraglich, ob Kunden überhaupt einen
Internetanschluss am Fernseher haben wollten. Auch verlangten viele
Produkte zu großes technisches Vorwissen. Gerade im Datendschungel
von Mobilfunkdiensten für größere Datenmengen wie GPRS, UMTS oder dem
Handy-Fernsehen DVB-H blickten Anwender häufig nicht mehr durch.
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