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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | 14.02.2012 |
Editorial: Freie Koordinaten30.10.2005
17:05 Zukunftsmarkt Navigation
Der Anfang war ein militärischer: Die USA entwickelten
das Global Positioning System (kurz:
GPS), um
Bomben und Raketen genauer ins Ziel befördern zu können. Denn
die Genauigkeit der bis Ende der 80er Jahre fast ausschließlich
verwendeten Trägheitsnavigationsgeräte war beschränkt: Je weiter
sich beispielsweise ein Kampfflugzeug von der Heimatbasis entfernte,
desto höher wurden die Abweichungen. Am Ende bestand die Gefahr,
dass auch Präzisionsbomben das falsche Ziel trafen, weil die
Unterschiede zwischen tatsächlicher und vermeintlicher Position
von Flugzeug bzw. Bombe zu groß geworden waren. GPS ermöglichte
hingegen erstmalig, überall und jederzeit die eigene Position
exakt zu bestimmen.
Technisch ist GPS relativ simpel: Diverse Satelliten funken ein sehr genaues Zeitsignal Richtung Erde. Das GPS-Navigationsgerät misst aufgrund der Verzögerung, die das Signal vom Satelliten bis zur Antenne des Navigationsgeräts braucht, wie weit der jeweilige Satellit weg ist. Können ausreichend viele Satelliten empfangen werden, lässt sich dann genau berechnen, wo sich das Navigationsgerät gerade befindet. Inzwischen gibt es einen Milliardenmarkt für GPS-Geräte, nicht nur militärisch, sondern auch zivil. Zu nennen sind beispielsweise Navigationshilfen wie das GPS-Handy Motrola A780, genaue und reproduzierbare Zeitquellen (das Radiosignal "normaler" Funkuhren schwankt schon aufgrund der niedrigen Sendefrequenz um bis zu eine tausendstel Sekunde hin und her), oder künftig die Steuerung von Verkehrsflugzeugen. Die zivile Nutzung dürfte in den nächsten Jahren noch dramatisch zunehmen, vor allem dank sinkender Gerätepreise. Heute schon ist es nicht unüblich, wertvolle Schiffsladungen mit GPS-/GPRS-Modems zu sichern. Diese ermitteln per GPS die augenblickliche Position, und senden diese regelmäßig oder bei Abweichungen von der vorgeplanten Route per GPRS oder notfalls per SMS über die vor Ort verfügbaren Mobilfunknetze an die Zentrale. Wird ein so gesicherter Container beispielsweise im falschen Hafen entladen, erfährt der Eigentümer postwendend davon. Bei sinkenden Preisen und immer kleiner werdenden Modulen wird diese Technik auch zur Sicherung von Autos oder wertvollen Kunstgegenständen, Schmuck und Antiquitäten interessant. Irgendwann folgt sogar der GPS-Chip fürs Fahrrad: Eine SMS mit einer speziellen PIN an eine spezielle Mobilfunknummer geschickt, und 10 Sekunden später hat man die Antwort, wo sich das vermisste Fahrrad gerade befindet. Für die dann folgenden Aktionen wie Hausdurchsuchung oder Festnahme der vermutlichen Diebe, reicht dann wieder "low tech", nämlich gewöhnliche Polizeiarbeit. Wenn auf diesem Weg immer mehr Diebe erwischt werden, geht auch für die nicht gesicherten Fahrräder das Diebstahlrisiko deutlich zurück. Doch bei aller Freude darüber, dass man sich nicht mehr verlaufen kann, und der Schutz des Eigentums verbessert wird, sollte man nicht vergessen, dass GPS derzeit ein nationales System ist. Die USA könnten irgendwann ihre Sicherheitsinteressen wieder voranstellen, und die zivile Nutzung des GPS teilweise oder ganz unmöglich machen, wie dieses in der Vergangenheit bereits der Fall war. Genauso ist es denkbar, dass das derzeit frei verfügbare Signal nur deswegen verschlüsselt wird, um Nutzungsentgelte verlangen zu können. Dieses "Pay-GPS" entspräche technisch dem bereits bekannten Pay-TV mit Sendern wie Premiere. Das alles spricht dafür, das europäische Konkurrenzsystem Galileo aufzubauen. Dabei wird Galileo an sich wahrscheinlich ein Nischenprodukt bleiben: Wegen der Notwendigkeit zur Neuentwicklung werden Galileo-Empfänger deutlich teurer sein als GPS-Empfänger. Und da für die meisten Kunden die Genauigkeit von GPS reichen dürfte und die weiteren Galileo-Vorteile nicht gebraucht werden, dürfte die Mehrheit zum billigeren System greifen. Damit bleiben die Stückzahlen bei Galileo klein, die Preise hoch. Jedoch sichert alleine die Existenz einer kurzfristig verfügbaren Alternative voraussichtlich die freie Verfügbarkeit von GPS. Denn eine US-Regierung, die die zivile Nutzung von GPS verhindert oder unangenehm teuer macht, wird sich sofort dem Vorwurf ausgesetzt sehen, die Welt zur Nutzung einer "europäischen" Technologie zu nötigen. Und das ist schließlich zutiefst gegen die ureigensten amerikanischen Interessen. Und so bleibt GPS auch künftig frei nutzbar, weil es Galileo gibt. Anzeige:
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