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Einkauf per Fernseher wird immer beliebter27.10.2005
15:31 Kein Ladenschluss und keine Schlange an der Kasse
Einkaufen bequem von der Couch zu Hause via
Fernseher ohne Ladenschlusszeiten und Warteschlangen: Während der
klassische Einzelhandel weiter massiv unter der Konsumflaute leidet,
boomt der Verkauf über den Bildschirm. In den vergangenen zehn Jahren
sind die Umsätze stetig - zum Teil sogar zweistellig - gewachsen. Bis
Jahresende soll die Marke von einer Milliarde Euro geknackt werden,
prognostizieren Marktforscher. Und auch die großen Handels- und
Versandkonzerne wie Otto oder KarstadtQuelle wollen Teleshopping
künftig mehr als zusätzlichen Vertriebskanal nutzen.
Jeder Dritte in der Bevölkerung schaut mittlerweile die zahlreichen Teleshopping-Sender, beobachtet die Berliner Medienberatung Goldmedia. Mehr als fünf Millionen Zuschauer kaufen regelmäßig aktiv übers Fernsehen ein. In den kommenden fünf Jahren wird mit einem Marktwachstum von jährlich elf Prozent auf 1,5 Milliarden Euro gerechnet. "Teleshopping ist heute eine akzeptierte Einkaufsalternative", betont auch Vorstandschef Konrad Hilbers von HSE24, einem der drei großen TV-Shoppingsender in Deutschland. Die Branche sieht sich längst nicht mehr in der Nische und hat das "Bauchtrainer-Image" abgelegt. Das Gros der Kunden ist weiblich und 40 bis 69 Jahre alt - die Zielgruppe des klassischen Versandhandels. Seit 10 Jahren ist HSE24 auf SendungVor genau zehn Jahren war HSE24 auf Sendung gegangen. In diesem Jahr peilt der damalige Pionier mit seinen rund 2 000 Mitarbeitern einen Umsatz von gut 300 Millionen Euro an. Zu den drei großen Anbietern zählen in Deutschland neben HSE24 noch QVC und RTL Shop. Sie alle sind über Kabel oder Satellit zu empfangen. Darüber hinaus gibt es auch Angebote von Bezahlsendern, Reiseshopping und zahlreichen TV-basierten Telefondiensten. Neu auf dem Markt sind so genannte Auktions- und Schnäppchensender wie 123-TV oder Bietbox TV. Die Einkaufssender bieten jeweils eigene Produktpaletten überwiegend aus dem Non-Food-Bereich an, von Schmuck bis zu Heimtextilien oder Haushaltsgeräten. Allein Marktführer QVC hat mehr als 18 000 verschiedene Waren im Sortiment und übernimmt mit seinen 3 000 Mitarbeitern auch den Versand. Im vergangenen Jahr setzte der Düsseldorfer Sender mehr als 500 Millionen Euro um. Bestellt wird über Telefon oder Internet. Die Waren werden in Fernsehsendungen teils rund um die Uhr von Moderatoren vorgeführt und angepriesen. Der Einkauf via Fernbedienung durch interaktives Fernsehen - in anderen Ländern schon möglich - ist in Deutschland noch Zukunftsmusik. Die großen Warenhauskonzerne sind aber schon in den Startlöchern. Per Fernbedienung bestellenVon einer boomenden Branche spricht auch das Marktforschungsinstitut GfK. Der Anteil am gesamten Handelsumsatz im Non-Food-Bereich sei aber noch gering. Im ersten Halbjahr habe er gerade mal bei 0,5 Prozent gelegen. "Für die Masse der Händler ist das wegen des hohen Aufwands nicht interessant", gibt auch Branchenexperte Olaf Roik vom Handelsverband HDE zu Bedenken. Kunden rät er zudem, beim Kauf unbedingt Produkte, Leistungen und Preise zu vergleichen. "Teleshopping bietet ganz neue Möglichkeiten, macht Spaß und ist bequem", heißt es dagegen bei KarstadtQuelle. Der Essener Handelsriese ist nach eigenen Angaben auf den interaktiven Fernseheinkauf gut vorbereitet. Noch fehlen dazu in Deutschland aber die technischen Voraussetzungen. Der Otto-Versand startete vor einigen Wochen zusammen mit dem Softwaregiganten Microsoft auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin seinen neuen interaktiven Fernseh-Shop. Kunden können auf diesem Weg direkt vor dem Fernseher Waren aus einem Bestand vom mehr als 100 000 Artikeln per Fernbedienung bestellen. Der zum KarstadtQuelle-Konzern gehörende Neckermann-Versand hat rechtzeitig vor Weihnachten ein neues Angebot im Internet. Vom 28. Oktober an präsentiert Thomas Gottschalk eine neue Unterhaltungssendung auf der Online-Plattform des Unternehmens. In sieben verschiedenen Sendungen besucht der TV-Entertainer Prominente. Der Zuschauer kann dann per Mausklick Informationen von Produkten abrufen, die zum Thema des Films passen. "Mit diesem Format wollen wir zuerst einmal unterhalten und dann verkaufen", sagt der Neckermann-Direktor für Neue Medien, Markus Krechting.
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dpa / Marie-Anne Winter
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