Domain-Endung .xxx - zukünftiger Pool schlüpfriger Seiten?
12.10.2005 10:53
ICANN plant extra Domaine für einschlägige Angebote im Netz
Als "Rotlichtbezirk im Internet" wird optimistisch bezeichnet,
was die Internet-Domain-Verwaltung ICANN
für die Zukunft beschlossen hat: Virtuelle Sexangebote, egal ob
beschränkt auf 16 oder 18 Jahre, sollen unter einer eigenen
Toplevel-Domain versammelt werden. "XXX", "Triple X", soll die neue
Adress-Endung sein - so, wie in Amerika eindeutige Streifen heißen.
Neben ".de", ".com" oder ".net" werden in Kürze weitere
Adress-Endungen an den Start gehen. Wann genau, ist noch nicht klar -
wahrscheinlich wird es Ende des Jahres soweit sein. Die deutschen
Registrare allerdings haben weder Nachfrage noch Pläne, Adressen mit
dieser Domain zu verkaufen. "Nachdem die ICANN die neue Domain erst
beschlossen hat, wird noch etwas Zeit vergehen, bis wir diese den
Endkunden anbieten werden", sagt Carsten Zorger, Sprecher des
Registrars Strato in Berlin.
Umstrittener Gewinn für den Jugendschutz
Das Prozedere wird für die Sex-Domain das selbe sein wie für alle
anderen Adressen: "Das funktioniert wie bei ".com" und allen anderen
generischen Top-Level-Domains", sagt Klaus Herzig, Sprecher der
zentralen deutschen Vergabestelle Denic. "Die Domains können bei
allen Registraren gekauft werden, die akkreditiert sind."
Die ICANN verbindet mit der Domain für Sex-Inhalte die Hoffnung,
"eine klar identifizierbare Region im Internet schaffen, die Familien
in die Lage versetzen wird, Kinder und andere vor unangemessenen
Inhalten zu schützen", heißt es in einem Papier der Verwalter.
Jugendschützer in Deutschland allerdings sehen das etwas anders.
"Das kann nur funktionieren, wenn sich die Anbieter auch daran
halten", sagt Andrea Urban, Leiterin der Landesstelle Jugendschutz
(LJS) Niedersachsen in Hannover. Da die Angebote der
Erotikanbieter
aber kommerziell sind und darum möglichst viele User erreichen
sollen, müssen sie an allen Stellen des Netzes vertreten sein. "Diese
Seiten wollen gefunden werden", sagt Christoph Salzig, Sprecher des
Bundesverband Digitale Wirtschaft
BVDW in Köln.
"Wenn Programme dann alle Seiten herausfiltern, haben die Anbieter
keine Überlebenschance mehr", sagt Sabine Frank, Geschäftsführerin
des Vereins Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia Diensteanbieter
(FSM) in Berlin. Daher
sei es unwahrscheinlich, dass man nicht mehr
über zwielichtige Seiten im Netz stolpert, sobald die ".xxx"-Endung
in Betrieb ist. "Die Domains dienen ja nur als Orientierungs- und
Strukturhilfe im Netz", gibt Salzig zu bedenken.
Filtermöglichkeiten stehen dem Vermartungsinteresse entgegen
Doch auch wenn die Anbieter eindeutiger Inhalte weiterhin
versuchen werden, über möglichst normale Adressen an Kunden zu
kommen, kann zumindest das Angebot unter ".xxx" durch Filtersoftware
Kindern unzugänglich gemacht werden. "Für Jugendschutzprogramme ist
das sinnvoll und positiv", sagt Frank. Denn eine ganze Domain zu
sperren, ist auch für diejenigen einfach, die sich nicht so gut im Netz
auskennen. Kompliziert ist und bleibt aber
die Schaffung von geschlossenen Räumen im Netz. Besonders die großen
Anbieter versuchen,
ihre Seiten unter allen verfügbaren Endungen ins Netz zu bringen.
Bislang bedarf es der Aktivitäten von Verbänden wie des gegen
unseriöse Anbieter pornografischer Inhalte vorgeht.
Seit 1. April 2003 ist der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag in Kraft,
der regelt, wie pornografische Inhalte geschlossenen Benutzergruppen
in den interaktiven Medien zur Verfügung zu stellen sind. Dazu gibt
es Systeme zur vorgeschriebenen Überprüfung der Volljährigkeit. Dennoch
gibt es dem Verband zufolge zahlreiche Anbieter, die ganz ohne
Altersüberprüfung pornografische Inhalte ins Netz stellen. "Das
ist ein Straftatbestand", betont Salzig. Die ICANN kann nicht auf die
Anbieter der "XXX"-Seiten einwirken, ihre Inhalte einzig unter der neuen
Domain zu zeigen. "Das muss freiwillig geschehen", sagt Salzig.
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