Normen

Was läuft bei HDTV falsch?

Verbraucherschützer warnen vor Folgen einer Standard-Vielfalt
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Zum Ende der Internationalen Funkausstellung (IFA) hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) die Hersteller aufgefordert, die Systemstandards bei der Digitalisierung der Alltagsmedien besser aufeinander abzustimmen. "Die Bedürfnisse und Erwartungen der Nutzer an die neuen Techniken dürfen nicht ignoriert werden", betont vzbv-Vorstand Edda Müller. Als Beispiel einer Fehlentwicklung nennt der vzbv den anhaltenden Streit um das "richtige" Aufzeichnungssystem für die künftige hochauflösende DVD. Außerdem üben die Verbraucherschützer Kritik an einem repressiven Kopierschutz bei hochauflösenden DVDs oder bei der Übertragung hochauflösender Programminhalte via HDTV (High Definition Television), wie ihn die Unterhaltungsindustrie fordert.

Standard-Wirrwarr könnte zu Fehlinvestitionen führen

HDTV - Foto: Messe Berlin GmbH Zum Hintergrund: Beim kommenden HDTV, für das auf der IFA kräftig die Werbetrommel gerührt wurde, erwartet die Fernsehzuschauer eine bessere Bildqualität im 16:9-Format und mit zwei Millionen Bildpunkten. Beim bisherigen PAL-Standard sind es 400 000 Pixel. Wer das Potenzial von HDTV ausschöpfen will, muss sich allerdings einen neuen Plasma-Bildschirm oder LC-Panel mit dem Gütesiegel "HD ready" zulegen, die momentan noch teuer sind, oder auf den Computer ausweichen. Des Weiteren sollte das Gerät eine HDMI-Schnittstelle aufweisen, über die beispielsweise ein Laufwerk, ein Festplattenrekorder oder ein digitaler Satellitenreceiver an das Display angeschlossen werden kann.

Allerdings - das moniert der vzbv - fehlt bislang eine verbindliche EU-Norm für die Endgeräte. Zudem reicht der Speicherplatz der herkömmlichen DVDs für HDTV-Programminhalte nicht mehr aus. Im Rennen um das Nachfolgeprodukt konkurrieren zurzeit die nicht miteinander kompatiblen Standards Bluray und HD-DVD. "Wenn sich die Hersteller nicht auf einheitliche technische Standards einigen, drohen Fehlinvestitionen bei Hunderttausenden von Nutzern," warnt Müller. Statt zu pokern, den "einzig wahren" Standard zu entwickeln, sollten die Unternehmen sich von vornherein auf einen gemeinsamen Standard verständigen. Davon würden Hersteller, Handel und Nutzer gleichermaßen profitieren. Bereits heute fühlten sich viele Nutzer schlecht informiert und beklagten, wie kompliziert und wenig kompatibel die neuen Techniken sind.

Nach Ansicht des vzbv ist die EU-Kommission auch bei der Einführung einer verbindlichen, leicht verständlichen Energieverbrauchs-Kennzeichnung für Unterhaltungelektronikgeräte gefragt. "Mit wie viel Euro diese Geräte die private Stromrechnung belasten, erfährt der Verbraucher beim Kauf heute nicht", so der vzbv-Vorstand. Nur eine gesetzlich verbindliche Kennzeichnung nach europaweit einheitlichen und objektiv vergleichbaren Regeln, wie sie schon seit längerem für energieintensive Haushaltgeräte Pflicht ist, schafft hier Klarheit.

Radikaler Kopierschutz: Anfertigen von Privatmitschnitten wird erschwert

Allerdings wird mit dem neuen Format nicht nur eine bessere Bildqualität, sondern auf Druck aus Hollywood auch ein radikaler Kopierschutz herrschen. Durch HDCP (High Bandwidth Digital Content Protection) wird zukünftig verhindert, dass - wie beim analogen Fernsehen - Programme einfach so aufgezeichnet werden können. Der eingebaute digitale Kopierschutz wird es den Sendern erlauben zu bestimmen, wann der Zuschauer Mitschnitte anfertigen darf. Vorstellbar ist, dass der Kunde für Kopien für den Privatgebrauch erst extra bezahlen muss. Nach Meinung des vzbv gehe es aber auch anders: Schon heute seien Verfahren verfügbar, die einen wirksamen Schutz gegen illegale gewerbsmäßige Kopien bieten, die Aufzeichnung für private Zwecke hingegen nach wie vor zulassen.

Ab Ende Oktober wollen mit Pro7 und Sat1 die ersten privaten TV-Sender in Deutschland gebührenfrei über den Astra-Satelliten im neuen Format senden. Premiere startet am 19. November ein spezielles Programmangebot im hochauflösenden Fernsehformat und wird vermutlich als einziger Sender die Fußball-WM 2006 hochauflösend zeigen. Wahrscheinlich - das lässt die Begeisterung für dieses Thema auf der IFA vermuten - werden die anderen Sender mitziehen. ARD und ZDF verhalten sich allerdings noch etwas zögerlich und wollen aus Kostengründen erst zu den Olympischen Spielen 2008 mit HDTV-Sendungen starten. Das gefällt natürlich den HDTV-Geräte-Herstellern nicht. Andererseits erntete die ARD aber auch den Vorwurf, dass sie die neue Technik vorbehaltlos unterstütze, als sie den Werbespot für einen HDTV-kritischen Beitrag des Wochenmagazins Stern boykottierte.

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