Das Problem mangelnder Ortskenntnis bei Notrufen vom Handy aus ist
bekannt. Studien zeigen, dass 60 Prozent
aller Anrufer in Notfallsituationen ihren Standort nicht präzise
angeben können. Rund 98 Prozent dieser Anrufer melden
sich mit einem Handy. In der Schweiz sind die Mobilfunkanbieter
aus diesem Grund bereits seit 1. Juli
verpflichtet, die
Ortung im GSM-Netz innerhalb eines Jahres umzusetzen.
Eine Lösung für Deutschland bietet wie berichtet
die Notrufzentrale der Autoversicherer. Nach eigener Aussage ist ihr Notruf
der einzige in Deutschland, der eine Ortung über das Handy durch entsprechende
Verträge mit den Mobilfunkbetreibern ermöglicht. Seit dem Start des Dienstes
2004 sei die Nutzung kontinuierlich gestiegen, so Heiko Beermann, Geschäftsführer
der GDV-Dienstleistungs-GmbH
gegenüber teltarif.de. 200 bis 250 Hilfesuchende nutzen mittlerweile täglich
die mobile Notrufnummer der Autoversicherer.
Wie hilfreich ist die Ortung mittels Mobilfunkzelle?
Während über die Notrufsäulen an den deutschen Bundes- und Landstraßen auch der
ADAC gerufen werden kann, ist
die mobile Notrufnummer eine reine Initiative der deutschen Autoversicherer. Eine
Kooperation mit dem ADAC sei nicht beabsichtigt und nie angedacht gewesen, so Berrmann.
Die ADAC-Pannenhilfe kann vom Handy aus nur über die eigene Notrufnummer des
Automobilclubs gerufen werden. Allerdings verfügt diese über keine Ortung mit Hilfe
der Mobilfunknetze. An eine Einführung dieses Dienstes sei derzeit auch nicht gedacht,
so Jaquelin Grünwald, Sprecherin des ADAC Nordrhein. Man beobachte die Entwicklung aber.
Die Mitarbeiter der Pannenhilfe des ADAC verfügen nach Angabe der Sprecherin jedoch über
soviel Erfahrung im persönlichen Gespräch mit den Hilfesuchenden, dass die Ortung auch
ohne Unterstützung der Mobilfunknetze erfolgreich verläuft. Angesichts von 3,6 Millionen eingehender Anrufe von Hilfesuchenden jährlich - das entspricht einem rechnerischen Mittel von rund 9860 Anrufen täglich - scheint dies, nicht von der
Hand zu weisen zu sein.
Mobiler Notrufdienst der Autoversicherer
Über die gebührenfreie Rufnummer
0800 NOTFON D
(0800 - 668 3663) kann die Notrufzentrale der Autoversicherer alle Handy-Anrufe orten. Mit dem mündlichen Einverständnis des Anrufers wird die Standortinformation vom Mobilfunkanbieter eingeholt und mit dem Datenbestand der Straßennetze in der Notrufzentrale verglichen. Dieser Vorgang dauert nach Aussage
des GDV in der Regel nur wenige Sekunden. Durch spezifische Fragen an den Anrufer
wird der aktuelle Aufenthaltsort präzisiert. Dies scheint angesichts der Größe der Mobilfunkzellen offensichtlich unverzichtbar.
Die Ortung ist dabei vor allem an das Straßennetz gebunden. Die Hilfe für verirrte
Waldläufer sei daher schwieriger, aber nicht ausgeschlossen. In Verbindung mit der
Haftpflichtversicherung helfen die Versicherer allen Verunglückten. Kostenlos sei
die Organisation des Rettungseinsatzes für Hilfe bei Personenschaden.
Bei Pannen und Blechschäden können Hilfeleistungen wie Rettungskräfte, Polizei
und Abschleppdienste koordiniert werden.
Ortung: Was passiert in der Notrufzentrale?
Im Einzelnen funktioniert das Ortungsverfahren folgendermaßen:
Sobald der Handy-Besitzer der Datenübermittlung zugestimmt hat,
erscheint auf dem Monitor des Call-Center-Mitarbeiters ein blauer
Kreis - der Einzugsbereich des Sendemasts, über den sich der Anrufer
ins Mobilfunknetz eingewählt hat. In der Stadt hat dieser Kreis einen
Radius zwischen fünfzig und 800 Metern, auf dem Land können es bis
zu zwölf Kilometer sein. Deshalb sind auf dem Bildschirm neben dem
Umriss der Funkzelle auch Städte, Flüsse und Straßen eingezeichnet.
Durch gezielte Fragen soll der genaue Standort des Anrufers innerhalb
des blauen Kreises ermittelt. Wo kommt er her, was war die
letzte größere Straße, wie sieht die Umgebung aus? Dabei helfen
bebaute Flächen, Wälder, Tankstellen und Sehenswürdigkeiten, die
ebenfalls auf der digitalen Karte verzeichnet sind.
Falls nötig, kann auch sofort die Polizei eingeschaltet werden.
Der Computer ermittelt anhand des Handy-Standorts automatisch die
zuständige Dienststelle.