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Lesen am Handy ohne Augenkrebs

16.07.2005
18:19

Software ermöglicht schnelle Texterfassung auf dem Handy

Wissenschaftler der Stanford University in Kalifornien haben in San José eine Software vorgestellt, die flottes und bequemes Lesen von langen Texten auf dem Handy ermöglicht. Die Technik für erfolgreiches Schnelllesen nennt sich Rapid Serial Visual Presentation, kurz RSVP, und stellt eine Methode zum optimierten Erfassen von Texten dar.

Die Displays der Mobiltelefone verwöhnen inzwischen mit 65 000 oder mehr Farben, doch ihre Pixelanzahl bleibt weiterhin bescheiden. Das Lesen von längeren Passagen, insbesondere von News oder Blogs auf dem Miniatur-Monitor, ermüdet die Augen daher sehr schnell. Um das Auge zu entlasten, bietet die Software BuddyBuzz, die jetzt von US-amerikanischen Wissenschaftlern auf der New Paradigms in Using Computers-Konferenz von IBM vorgeführt wurde, einen besonderen Service: Jedes Wort wird groß, einzeln und nur für den Bruchteil einer Sekunde mitten auf dem Handy-Display eingeblendet, in rascher Folge erscheinen alle Begriffe nacheinander - ähnlich wie bei einem Ticker, der unten am Fernsehbildschirm vorbeiläuft. Da das Auge einen festen Punkt fixiert hält, können die Worte schneller erfasst und verarbeitet werden als dies bei gewöhnlichem Leseverhalten geschieht, bei dem dem Auge breite Zeilen in wesentlich kleinerer Schrift präsentiert werden.

Die Methode, die übrigens nicht ganz neu ist und bereits in den 70er Jahren Furore machte, nutzt dabei zwei Tricks, um die Wahrnehmungs- und Auffassungsgabe zu beschleunigen: Zum einen geht es darum, die Zeit, die das Auge zum Fixieren eines Textes benötigt, zu reduzieren und zum anderen will man gleichzeitig den Bereich vergrößern, den das Auge, ohne sich bewegen zu müssen, erfasst. Neu ist, dass man das Wissen aus der Psychologie für Handys und PDAs adaptiert.

In der Demoversion der präsentierten Software kann der User entscheiden, mit welcher Geschwindigkeit der Text vor seinen Blicken vorbeifliegen soll. Die schnellstmögliche Einstellung ist forscher als ein Sprecher den Text laut vorlesen könnte. Menschen, die lesen lernen ohne die Worte in ihrem Hirn zu formulieren, sollen sogar bis zu 1000 Worte pro Minute verarbeiten können. Die Fließgeschwindigkeit der Worte ist der Syntax angepasst: So werden Hauptwörter länger dargestellt als Präpositionen wie um, für etc. oder Artikel wie der, die, das. Kommas und Punkte werden durch eine kurze Pause angedeutet. Der Abstand zwischen verschiedenen Texten wird durch eine längere Pause deutlich gemacht.

Auch Motorola arbeitet an dem Thema und hat eine Idee namens Screen3 vorgestellt. Dabei scrollen Überschriften über den Bildschirm eines Handys. Wenn man einen bestimmten Knopf drückt, erscheint ein Absatz mit einer Zusammenfassung des Textes, bedient man eine weitere Taste, so erhält man den kompletten Text. Andere Forscher dagegen sehen das Mobiltelefon eher als Mittel, um News einzusammeln und sie später auf ein anderes Gerät mit größerem Bildschirm zu übertragen und dort zu lesen.

 
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