Streit

Editorial: Nicht jeder will billige Mobilfunkgespräche

Oder: Taktisch ungeschicktes Säbelrasseln in der Öffentlichkeit
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Als vor knapp zwei Wochen vom Prepaid-Discounter Simyo eine neue Preisrunde auf dem Mobilfunkmarkt eingeläutet wurde, waren zunächst allseits positive Stimmen zu hören. Vor allem begrüßten natürlich die Kunden die neue Möglichkeit, deutlich günstiger und doch ohne Vertragsbindung zu telefonieren. Der Einheitstarif von 19 Cent pro Minute in alle deutschen Netze und 14 Cent pro SMS ist darüber hinaus leicht zu merken und unterbietet gar viele Vertragsangebote, wie ein Test von teltarif.de in den letzten Tagen bewiesen hat. Dafür muss man allerdings auf subventionierte Handys oder die persönliche Beratung im Mobilfunkladen verzichten.

Simyo ist vielen Wettbewerbern ein Dorn im Auge

Vielen Wettbewerbern hingegen ist Simyo allerdings ein großer Dorn im Auge. Besonders auf E-Plus, die immerhin 90 Prozent der Geschäftsanteile von Simyo hält und Simyo wohl besonders gute Einkaufskonditionen bietet, sind zahlreiche Service-Provider nicht gut zu sprechen. Sie fordern, dass sie die gleichen Einkaufsbedingungen wie Simyo erhalten. Zudem beklagen sie, dass sie nicht rechtzeitig über das neue Billigangebot informiert wurden.

Zunächst wurde berichtet, dass debitel und mobilcom rechtliche Schritte gegen Simyo prüfen. Der Büdelsdorfer Provider mobilcom hat dann in der zurückliegenden Woche beim Landgericht Düsseldorf den Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen E-Plus auf den Vermarktungsstopp von Simyo beantragt. Das Gericht hat beide Streitparteien mittlerweile zu einer Anhörung Ende Juni geladen und seine Entscheidung bis zu diesem Termin vertagt.

Unüblich und unklug: Rechtsstreit in der Öffentlichkeit

Es passiert in der aktuellen Geschäftswelt und speziell im hart umkämpften Telefonmarkt des Öfteren, dass ein Unternehmen gegen ein anderes Unternehmen mit einer Abmahnung oder dem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung vorgeht. Was dabei aber so gut wie tabu ist, über den Rechtsstreit öffentlich zu sprechen, solange keine Entscheidung vorliegt. In diesem Sinne verwundert es um so mehr, dass mobilcom zahlreiche Medien und die Öffentlichkeit über jeden einzelnen Schritt informiert, müssen sie doch befürchten, schnell in die Position des "Spielverderbers" zu rutschen, der den Deutschen billigere Mobilfunkpreise verwehren will. Entsprechend bissige Kommentare der Wettbewerber und Medien sind die Folge. So kommentierte Uwe Bergheim, Mitglied der Geschäftsleitung von E-Plus, den gerichtlichen Vorstoß von mobilcom: "Hier wird offenbar versucht, die Nachfrage der Kunden in Deutschland nach günstigen und einfachen Mobilfunktarifen mit richterlicher Hilfe zu verbieten." Dieser Aussage können wir uns voll anschließen, zumal sich die in den letzten Monaten eingeschlagene Preisentwicklung kaum per Richterspruch zurückdrehen lässt. "Der Markt ist reif für günstigere Tarife. Preise von 59 bis 79 Cent pro Mobilfunkminute sind nicht mehr marktgerecht," so lautet denn auch das klare Statement von teltarif.de.