Viele Menschen, die im Ausland leben und gerne einmal nach Deutschland reisen
möchten, brauchen dafür ein Visum. Ein für hiesige Verhältnisse ungewohntes
Verfahren, bei dem die Abwicklung der Antragsstellung über eine besonders teure
0900-Premium-Rufnummer erfolgt, wird
uns von den Philippinen berichtet.
Ein teltarif-Leser und deutscher Staatsbürger wollte seinen philippinischen
Arbeitskollegen zu einem Kurz-Besuch nach Deutschland einladen. Für diesen Besuch
musste dieser bei der
Deutschen Botschaft in Manila ein Visum beantragen. Bei
einem persönlichen Besuch bei der Botschaft ließ er sich am Empfang ein Formular
aushändigen, danach wurde er wieder nach Hause geschickt. Dort füllte er das
Formular aus. Er nahm an, er kann dieses Formular per Post, per Fax oder notfalls
persönlich wieder zur Botschaft bringen, doch auf den Philippinen sei das anders,
schrieb uns sein deutscher Kollege. Der Antragssteller musste die deutsche Botschaft
anrufen und das ausgefüllte Formular am Telefon vorlesen bzw. diktieren müssen.
Unglücklicherweise ist die zuständige Abteilung der Botschaft nur über eine
teure 0900-Mehrwert-Nummer erreichbar.
Wer in den sauren Apfel beißt und diese Nummer anruft, gelangt zunächst in
eine Warteschleife. "So hat er eineinhalb Telefonguthabenkarten nur für Warteschleife
ausgegeben", berichtete uns der Leser in seiner Mail. "Als er schließlich einen
Bearbeiter am Apparat hatte, war auf der Telefonkarte nur noch soviel Guthaben,
dass das Gespräch mitten im "Diktat" abbrach. Ein Grund dafür war, dass die
Mitarbeiterin am Telefon ihn ständig unterbrach und fragte, warum er denn so
schnell sprechen würde. Er solle sich doch etwas Zeit lassen, es dränge doch
keiner."
Antrag erst per 0900-Nummer diktieren, erst dann abgeben

Immerhin: Nach der dritten Telefonkarte waren dann alle Informationen
aufgenommen. Der philippinische Antragssteller bekam einen Termin genannt, an dem
er seine Papiere und auch das per Diktat über die 0900-Nummer übermittelte Formular
persönlich abgeben könne. Um zu erfahren, wann sein Visum fertig ist, musste der
Antragsteller erneut die teure Nummer anwählen, immer in der Hoffnung, nicht zu
lange in der Warteschleife hängen zu bleiben. Wenn die Auskunft "Nein, das Visum
ist noch nicht fertig. Rufen Sie doch morgen noch einmal an!", lautete, begann
das nette Telefon-Spiel erneut.
Der Anruf kostet 24 philippinische Pesos pro Minute, was etwa 34 Cent
pro Minute entspricht. Eine Warteschleife von 30 Minuten kostet 720 Peso
oder 10,20 Euro. Vom Minutenpreis von 24 Peso kassiert die Botschaft
18 Pesos, während lediglich 6 Peso die lokalen Telefongesellschaft PLDT
(Philippine Long Distance Telecommunication Inc.) einbehält. Diese Beträge erscheinen
auf den ersten Blick nicht so teuer. Man muss aber bedenken, dass ein gut verdienender
IT-Ingenieur auf den Philippinen nur etwa umgerechnet 200 Euro pro Monat
bekommt - das sind nur etwa 10 Prozent der in Deutschland üblichen Sätze. Hinzu
kommt, dass die Preise auf den Philippinen nicht generell um 90 Prozent günstiger
sind als hier in Deutschland.
Call-Center sollen Wartezeiten verkürzen

Auf Anfrage bestätigte uns eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin, dass
die deutsche Botschaft, wie viele europäische Staaten, Australien und die USA vor
etwa vier Jahren auf ein Call-Center umgestellt hatten, um die langen Warteschlangen
und die damit verbundenen Wartezeiten vor den Botschaften zu verkürzen. In dieser
Zeit habe es nur zwei Beschwerden gegeben, was zeige, dass das Verfahren
funktioniere.
Die notwendigen Formulare könnten überdies im Internet über die
Homepage des Auswärtigen
Amtes oder die Homepage der örtlichen Botschaft herunter geladen werden. Detaillierte
Information zum Verfahren kann man über das Call-Center erhalten, das im Auftrag
der Botschaft tätig ist. Kleine Verbesserung: Die gesonderte Benachrichtigung wurde
eingestellt, die Antragssteller erhalten den Pass jetzt automatisch zugeschickt.
Dass auch andere Botschaften mit 0900-Mehrwert-Rufnummern und teuren Warteschleifen
arbeiten, bestätigte uns auch der genannte teltarif-Leser. Bei der US-Botschaft seien die
Warteschleifen sogar noch länger - vermutlich weil vielmehr Filipinos in die USA reisen
möchten. "Die Philippinen ersticken in unnötiger Bürokratie und einem Staatsapparat,
der nur dazu ausgelegt zu sein scheint, den Bürgern das Geld aus den Taschen zu ziehen.
So müssen alle Philipinos, die im Ausland arbeiten wollen - und von denen gibt es sehr
viele -, bei jeder Ausreise eine 'Ich-arbeite-im-Ausland-Steuer' am Flughafen
zahlen."
Der Preis für das eigentliche Visum ist mit 2 540 philippinischen Pesos (entspricht
36 Euro) noch relativ human. Das ist zwar für Philipinos auch viel Geld, aber
man weiß ja, auf was man sich einlässt. "Selbst die hohen Telefonkosten würde ich ja
noch akzeptieren, nicht jedoch die Tarifierung einer Warteschleife, bei der man nicht
weiß, wann man schließendlich an der Reihe ist."
Aus mitteleuropäischer Sicht mag ein solches Verfahren erst recht befremdlich
erscheinen. Die aktuelle Diskussion um Vergabe von deutschen Visa in der Ukraine zeigt
aber, dass ein geordnetes Verfahren einfach notwendig ist, wenn es bei der hohen
Nachfrage nicht am Ende zu ungewollten und frustrierenden Nebeneffekten kommen soll.
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