IP-TV

Fernsehen per Internet bedroht Kabelnetzbetreiber

IP-TV wird in den nächsten Jahren kommen
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Das Internet entwickelte in der Vergangenheit ungeahnte Talente - so bedroht es mittlerweile traditionelle Festnetzanbieter durch das Konkurrenzprodukt Internet-Telefonie. Die Sprachtelefonie per Internet findet dank neuer Angebot immer mehr Freunde. Doch auch für die Kabelgesellschaften wird es nun ungemütlich, denn mit zunehmenden Übertragungsraten wird auch das Fernsehen per Internet möglich. Angesichts von TV-over-IP müssen sich die Kabelnetzbetreiber warm anziehen, denn auch der Ausbau von DVB-T und geplante HandyTV-Angebote bedrohen die bisherigen Geschäftsmodelle der Kabelanbieter.

Die Bavaria Production Services GmbH [Link entfernt] hat bereits mehrere TV-over-IP-Sender auf die Beine gestellt. Allerdings sind es bisher in erster Linie Unternehmen wie BMW oder die spanische VW-Tochter Seat, die ihren Mitarbeitern spezielle Fernsehangebote per Internet zur Verfügung stellen. Die Münchner Art-Voice-Gruppe, deren TV-IP-Plattform von mittlerweile rund 200 deutschen Sendern genutzt wird, sieht mittel- bis langfristig allein in Deutschland ein Potenzial für 3 000 Fernsehsender und 8 000 neue Arbeitsplätze. Bei Art Voice geht man davon aus, dass in 15 Jahren alle gängigen Fernsehstationen über das Internet ausstrahlen werden.

Laut einem Bericht im Handelsblatt erwartet auch der Chef der Medienanstalt Berlin Brandenburg, Hans Hege, dass sich das Internetfernsehen in den kommenden Jahren zu einer ernsthafen Konkurrenz für die Anbieter von Kabel- oder Satellit-Fernsehen auswächst. In Ländern wie Italien, Frankreich und Hongkong habe sich IP-TV als Kabel-Ersatz bereits etabliert – ein breites Publikum erhalte dort inzwischen Fernsehangebote über die DSL-Leitung. Laut Hege täten die hiesigen Kabelnetzbetreiber zu wenig, um ihr Angebot entsprechend weiter zu entwickeln.

Kabel Deutschland glaubt an eigenen Vorsprung

Kabel Deutschland (KDG [Link entfernt] ), der mit Abstand größte Kabelnetzbetreiber im Lande, weist diese Kritik allerdings zurück und betont, dass man bereits einen "enormen Zeit-, Technologie- und Qualitätsvorsprung" habe. Der Kunde könne bereits jetzt Fernsehen, Radio und Internet über die TV-Leitung zu empfangen. Im Laufe des Jahres sollen dann auch Telefongespräche über Kabel möglich sein, zur Zeit laufen entsprechende Tests.

Die Vorteile von IP-TV sind die geringen Kosten und eine hohe Transparenz. Interessant ist die Übertragung über das Internet vor allem für spezialisierte Spartensender, die sich einen mitunter millionenteuren Zugang zum Kabelnetz nicht leisten können. Außerdem können die Sender im Internet ganz genau erfassen, wie viele Zuschauer wie lange welche Sendung sehen. Beim herkömmlichen Fernsehen ist dafür ein aufwendiges Stichprobenverfahren nötig.

Es gibt allerdings noch einige rechtliche Hürden, bis das Fernsehen per Internet richtig loslegen kann: So können Fernsehsender wie RTL oder Pro-Sieben eingekaufte Sendungen und Filme nicht einfach zusätzlich über das Internet versenden, weil die Urheberrechts- und Lizenzvereinbarungen das oft nicht zulassen. Wie der Rundfunkreferent der Bayerischen Staatskanzlei, Klaus-Peter Potthast, erklärt, ist Fernsehen derzeit ein "äußerst dynamisches Rechtsfeld", wo noch sehr viel Klärungsbedarf bestehe.

Der Kampf um das Wohnzimmer

T-Online, die Internet-Tochter der Deutschen Telekom, setzt wie berichtet auf Triple-Play-Angebote. Mit T-Online Vision können Filme per Internet geladen werden, der Gang zu Videothek entfällt. Einen Einstieg ins Internetfernsehen behalte sich das Unternehmen weiterhin vor, konkrete Pläne gebe es nicht. Ähnliche Angebote gibt es auch von DSL-Anbietern wie Arcor und QSC. Weitere Internet-Anbieter kündigen weitere Dienste an. So startet Versatel in Berlin demnächst ein neues Breitband-Angebot, das mit höheren Datenraten auch Video-on-Demand oder IP-TV komfortabler machen soll. Es bleibt also spannend. Absehbar ist zumindest, dass die Kunden vom Kampf um das Wohnzimmer profitieren werden: Je mehr Anbieter bei den Fernsehangeboten konkurrieren, desto stärker wird der Preisdruck.