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WiMAX: Der Stand der Dinge

20.03.2005
13:06

Interoperabilitätstests und erste Implementierung in Tokio

WiMAX sorgte seit seinem ersten Auftauchen in den Medien Anfang 2004 für Furore. Der neue Funkstandard sei allen gängigen Standards in Leistung und Kosteneffizienz haushoch überlegen und werde die Telekommunikationswelt gewaltig umkrempeln, hieß es. Es war die Rede vom UMTS- und DSL-Killer WiMAX, der mit fantastischen Reichweiten einer Basisstation von 50 Kilometern bei zweistelligen MBit/s-Bandbreiten alle Konkurrenztechnologien in den Schatten stellen würde. teltarif räumte in der WiMAX-Infoseite 'Mythos und Wahrheit über die neue Technik' mit dem übertriebenen WiMAX-Hype auf und zeigte, dass die Technologie zwar Potenzial hat, von einem reibungslosen Siegeszug der in erster Front vom weltgrößt en Chiphersteller Intel propagierten Technologie aber durchaus nicht die Rede sein kann. Dieser Bericht soll Sie zusammenfassend über die neuesten Entwicklungen und den aktuellen Stand der Dinge in Sachen WiMAX informieren.

Der lange Weg zur Produktreife

WiMAX als Teil der Standard-Familie IEEE 802.16 kennt zwei favorisierte Ausprägungen. Die im Juni 2004 ratifizierte WiMAX-Variante 802.16-2004, auch "Fixed WiMAX" genannt, ist das WiMAX mit stationären Empfangsstationen bei den Nutzern. Diese WiMAX-Variante wird Grundlage der ersten Generation von WiMAX-Produkten sein und wird als Konkurrent zu kabelgebunden Breitbandanschlüssen mit DSL oder TV-Kabel und zu WLAN gehandelt. Die in der Entwicklung noch nicht so weit gereifte Variante für das mobile WiMAX ist der Standard 802.16e. Hier soll der WiMAX-Chip in Endgeräten wie Laptop oder Handy mobile Breitbandkommunikation mit UMTS überlegenen Datenraten leisten. IEEE zufolge wird 802.16e frühestens Mitte 2005 ratifiziert. Von der Ratifizierung eines Standards bis zur eigentlichen Produktreife ist es allerdings immer noch ein langer Weg. Für das mobile WiMAX veranschlagten Optimisten ein bis zwei Jahre von der Standardisierung bis zur Produktreife.

Interoperabilitätstests auf Juli verschoben

Für das stationäre WiMAX 802.16-2004 entschied das WiMAX Forum Anfang dieses Jahres, die Interoperabilitätstests der WiMAX-Produkte der verschiedenen Hersteller um ein halbes Jahr auf Juli 2005 zu verschieben. Die mit der hohen Komplexität der WiMAX-Protokolle begründete Verzögerung stieß bei einigen Herstellern, die mit ihren Produkten schon in den Starlöchern sitzen, auf Unmut. Die Verschiebung der Tests und damit auch der Zertifizierung schade dem Image der neuen Technologie, zügig umgesetzten Zeitpläne seien essentiell für den nötigen Vertrauensvorschuss von Netzbetreibern und Investoren.

"Die Industrie ist noch nicht so weit", kommentierte hingegen lakonisch ein Insider. Die Verzögerung habe auch den Hintergrund, dass sich zum WiMAX Forum neben den Chip-Herstellern und Netzwerkausrüstern immer mehr Netzbetreiber beigetreten seien, was die Diskussion zwar komplizierter mache, insgesamt aber positive Effekte hätte. Dass sie nicht gewillt sind, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen, demonstrierten hingegen die WiMAX-Netzwerkausrüster Airspan, Alvarion und Redline und verkündeten auf der CeBIT, schon jetzt in ihren Labors eigene Interoperabilitätstests zu starten.

Tokio mit WiMAX-Metronetz im Dezember 2005

Für Überraschung sorgte Airspan, als sie Ende vergangener Woche bekannt gab, in Zusammenarbeit mit dem japanischen Netzbetreiber Yozan ein WiMAX-Metronetz auf die Beine zu stellen, das die gesamte Innenstadt Tokios abdeckt. Im Dezember soll der Service verfügbar sein mit laut Airspan der ersten WiMAX-Lösung, die unproblematisch von den Nutzern selbst installiert werden kann. Das Projekt ist Vorreiter und Realitäts-Check gleichzeitig; auf Airspans Agenda stehen aber schon vergleichbare Projekte für Großstädte wie New York oder London. Die für das Metronetz in Tokio vorgelegten Zahlen machen aber stutzig. Das Netzwerk soll aus 600 Basisstationen mit einer Leistung von je 30 MBit/s auf mehreren Frequenzkanälen aber nur im Shared Medium bestehen. Man fragt sich, was aus den versprochenen Kilometer-Reichweiten geworden ist, und bei 30 MBit/s im Shared Medium bei städtischer Bebauung ist fraglich, was für den einzelnen Endkunden an garantierter Bandbreite herauskommen soll.

Will WiMAX beim stationären Internetzugang im Wettbewerb um die Marktanteile gegen DSL und TV-Kabel konkurrenzfähig sein, müsste bei Preis und Leistung eine deutliche Überlegenheitheit den alteingesessenen Technologien gegenüber auszumachen sein. Auch das mobile WiMAX wird, wenn es die Produkreife für den Einbau in Laptops und Handys geschafft hat, auf massiv etablierte Konkurrenz stoßen. Bis dahin werden die 3G-Netze vermutlich schon mit dem UMTS-Beschleuniger HSDPA aufgerüstet sein, was die Wettbewerbssituation für das mobile WiMAX deutlich verschärfen dürfte.

WiMAX in Deutschland ist nicht abzusehen

WiMAX muss mehr leisten als nur die versprochenen, theoretischen Vorteile in realen Produkten zu beweisen. Diese Produkte müssen sich dann auch im Konkurrenzkampf mit den etablierten Technologien bewähren. Ob WiMAX das in den infrastruturell hochgerüsteten Ländern so leicht gelingen wird, ist äußerst fraglich. Bessere Chancen haben könnte WiMAX in Schwellen- und Entwicklungsländern mit schwacher telekommunikativer Infrastuktur. Die Orakelsprüche der Marktforscher sagen WiMAX ein Nischendasein bis 2008 voraus. Ob und wann WiMAX in Deutschland für den Endkunden zu haben sein wird, ist nicht abzusehen. Anders als in Frankreich oder Großbritannien, wo sich mit BT und UK Broadband zwei große Betreiber für WiMAX stark machen, ist bei Netzbetreibern in Deutschland kein entschiedenes Engagement für WiMAX in Sicht. T-Com hat seine für Mitte 2005 angekündigten WiMAX-Tests in Siegburg und Rheinbach nicht gerade an die große Glocke gehängt.

 
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Quelle: teltarif.de: AGOF internet facts 2011-10, Erwachsene ab 14 Jahre