Vereinheitlichung

WLAN-Wirrwarr vor dem Ende

IEEE-Arbeitsgruppe einigt sich auf einen Vorschlag
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Die Arbeitsgruppe des Institute of Electrical and Electronical Engineers (IEEE), die sich mit Vereinheitlichung der zurzeit nebeneinander existierenden verschiedenen 802.11-WLAN-Standards befasst, hat sich auf einen gemeinsamen Entwurf geeinigt. Das berichtet das Webportal Extreme Tech. Damit hat der von den Herstellern Atheros, Intel, Sony, Matsushita, Toshiba und anderen unterstützte Vorschlag TGn Sync gute Chancen, in den kommenden zwei Jahren von der amerikanischen Ingenieursvereinigung als neuer 802.11n-Standard ratifiziert zu werden. Bevor der neue Standard jedoch endgültig verabschiedet wird, müssen im Mai auf der folgenden Sitzung des Standardisierungsgremiums des IEEE drei Viertel der stimmberechtigten Arbeitsgruppenmitglieder dem Vorschlag zustimmen. Allerdings wird damit gerechnet, dass der Entwurf noch Änderungen und Ergänzungen erfahren wird.

Den Angaben zufolge setzte sich der TGn Sync-Entwurf in der Abstimmung knapp vor dem Vorschlag der WWiSE-Gruppe, zu der beispielsweise Nokia und Motorola gehören. Ursprünglich waren vier Vorschläge eingereicht worden. Die 802.11n-Technologie soll zukünftig die aktuelle Koexistenz verschiedener und untereinander nicht immer kompatiblen WLAN-Standards - 802.11a, 802.11b und 802.11g beenden. Das TGn Sync-Lager geht davon aus, mit dem eigenen Entwurf auf kurze Distanzen zunächst eine Datenübertragungsrate von bis zu 315 MBit/s und in Zukunft Datenübertragungsraten von bis zu 630 MBit/s erreichen zu können. Mit den bisherigen Standards sind per doppelter Übertragungsrate (Super-G) lediglich 108 MBit/s erzielt worden.

Höherer Datendurchsatz dank MIMO-Technik

Die höhere Geschwindigkeit soll TGn Sync durch die MIMO (Multiple Input, Multiple Output) genannte Technik zur besseren Signalumsetzung und breitere Hochfrequenzkanäle möglich machen. Dabei funken mehrere Sender und Empfänger im WLAN-Modul gleichzeitig im selben Nutzungskanal und übertragen via Spatial Multiplexing mehrere Datenströme parallel. Auch die vom WWiSE-Konsortium entwickelte 802.11n-Variante, die bis zu 540 MBit/s erreichen soll, macht sich die MIMO-Technik zunutze. Beide Technologien wollen hauptsächlich die 20 MHz-Kanäle - teilweise auch 60-MHz-Kanäle - nutzen. Der bestehende 802.11a-Standard arbeitet im 5-GHz-Band, 802.11b und 802.11g im 2,4-GHz-Band.

Wie schnell der neue Standard, der wie die WWiSE-Version auch abwärts kompatibel jedoch in der Praxis sein wird, hängt von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten ab. So kann eine Bündelung der Kanäle verhindert werden, wenn die entsprechenden Frequenzen nicht überall frei sind.

Erste MIMO-WLAN-Geräte sind schon auf dem Markt

Mit der Airgo Networks gibt es bereits eine Firma, die MIMO-WLAN-Chipsätze auf den Markt gebracht hat, die bereits in WLAN-Geräten enthalten sind. Allerdings gehört Airgo der unterlegenen WWiSE-Gruppe an. Ob diese später auf den neuen 802.11n-Standard aufgerüstet werden können, ist durch die jüngste IEEE-Entscheidung unklar.

Während für den Heimanwender die bislang angebotenen Datenübertragungsraten sicherlich ausreichen, besteht gerade bei Unternehmen, die regelmäßig große Datenmengen im Netzwerk verschieben, der Bedarf an höheren Übertragungsraten. Das Standardwirrwarr gilt als eines der größten Hemmnisse für die Verbreitung der drahtlosen Funknetze. Um dem entgegenzuwirken hat in Deutschland bereits der eco-Verband mit Greenspot einen Standard geschaffen, der verbindliche Regeln für die Abrechnung, das Roaming und die Sicherheit in WLANs festlegt. Noch ist allerdings nicht sicher, ob sich Greenspot als weltweit gültiger Standard durchsetzen wird. Für mehr Sicherheit bei der drahtlosen Datenübertragung soll auch der Standard 802.11i sorgen.

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