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Schwere Zeiten für Webradios

06.02.2005
11:51

GVL will ab April deutlich höhere Abgaben

Nicht zuletzt dank breitbandiger Internet-Anschlüssen und Flatrates wird das Radiohören im World Wide Web immer beliebter. Hier können neben Ortssendern Programme aus aller Welt empfangen werden - und das oft in HiFi-Stereo-Qualität. Dadurch hat ein Hamburger, der aus beruflichen Gründen nach München umgezogen ist, die Möglichkeit, seine Heimatprogramme auch ohne Satellitenschlüssel zu empfangen. Brasilianer in Australien können ebenso ihre gewohnten Sender hören wie Südafrikaner in Alaska.

Doch Internetradio kann noch mehr: So bieten viele Programme interessante Sendungen auf Abruf an. So ist der Hörer nicht auf feste Sendezeiten angewiesen, sondern kann die Beiträge dann hören, wenn er gerade Zeit dafür hat.

Programmvielfalt im World Wide Web

Darüber hinaus gibt es neben offiziellen Rundfunkstationen, die auch auf herkömmlichem Weg senden, auch Tausende spezieller Webradios, die Spartenprogramme exklusiv im Internet anbieten. Die Hürden zum Start eines Radios im Internet sind deutlich niedriger als für die Etablierung z.B. eines Privatsenders auf terrestrischen UKW-Frequenzen. Kein Wunder also, dass die Webradios wie Pilze aus dem Boden sprießen.

Doch genau damit könnte es zumindest in Deutschland bald vorbei sein. In den letzten Jahren mussten Internetradios an GEMA und GVL Beträge zahlen, die nach Hörerzahlen gestaffelt waren. Konnte ein Sender von bis zu 25 Hörern gleichzeitig empfangen werden, musste er im Monat jeweils 25 Euro an die GEMA und GVL zahlen. Bei bis zu 250 möglichen Hörern lag der Beitrag bei je 200 Euro, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Webcaster: "GVL erhöht Tarife um bis zu 1 000 Prozent"

Die Vergütungen, die Webradios an die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH) zahlen müssen, sollen ab April drastisch erhöht werden. Dazu kommen neue Nutzungsbedingungen, die vor allem von kleinen Anbietern aus technischer Sicht kaum eingehalten werden können und die Sender in ihrer Programmgestaltung einschränken.

Einige Programmanbieter und Webradio-Begeisterte haben nun die Initiative GVL-Protest gegründet, die auf einer eigenen Homepage auf die Problematik aufmerksam macht. "Eine pauschale Rechnung über die Preiserhöhungen aufzustellen, ist kaum möglich, da sie je nach Sender von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig sind und die Tarifgestaltung recht komplex ist. Es kann aber durchaus vorkommen, dass ein kleiner nichtkommerzieller Sender mit einer durchschnittlichen Hörerzahl von unter 20 Personen über 350 Euro im Monat an die GVL zahlen muss. Auf die meisten Sender kommt durch die neuen Tarife eine Beitragserhöhung von 300 Prozent oder weitaus mehr zu. Einige Sender sprechen von über 1 000 Prozent", berichtet GVL-Protest.

Einschränkungen auch bei der Programmgestaltung?

Ferner sollen Internet-Radios künftig innerhalb von drei Stunden maximal vier Titel eines bestimmten Interpreten oder drei Titel von einem Album spielen dürfen. Specials über bestimmte Künstler sind so praktisch nicht mehr möglich. Vorankündigungen von Interpreten sollen - wenn es nach der GVL geht - in den Programmen ebenfalls nicht mehr möglich sein.

Damit schadet die GVL eigentlich vor allem denjenigen, die sie eigentlich vertreten sollte, nämlich den Künstlern. Nicht wenige CD-Käufe werden getätigt, nachdem man durch ein Special im Radio sozusagen Lust auf mehr bekommen hat. Doch genau das will die GVL künftig unterbinden.

Mike Anderson, der in seiner Freizeit ein eigenes Internetradio betreibt, sagte gegenüber teltarif: "Sollten die Forderungen der GVL wirklich so durchgesetzt werden, wie sie jetzt angekündigt wurden, so bedeutet dies entweder, dass ein großer Teil der Hobby-Webradios illegal weitermachen oder ihren Betrieb einstellen müssen. Selbst für große, öffentlich-rechtliche oder auch private Programmanbieter stellt sich die Frage, ob sich ein Webstream unter den neuen Bedingungen noch rechnet, zumal durch diesen Verbreitungsweg vermutlich kein einziger Werbekunde gewonnen werden kann. Wenn die GVL auf ihren Forderungen beharrt, wäre dies das Aus für das Internetradio in Deutschland."

Dem Vernehmen nach plant auch die GEMA, ihre Tarife für Webcaster im Laufe des Jahres deutlich zu erhöhen. Nähere Einzelheiten hierzu sind aber noch nicht bekannt.

 
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Quelle: teltarif.de: AGOF internet facts 2011-10, Erwachsene ab 14 Jahre