Telekommunikations-Trends 2005
18.01.2005 12:05
2 Milliarden Handyverträge und 10 Milliarden RFID-Tags bis Ende 2005
Von Gordon Hölsken
Dies ist die Kernaussage in den Prognosen der
Technology, Media & Telecommunications Group von Deloitte für 2005.
Frank M. Hülsberg, Partner Technology, Media and
Telecommunications bei Deloitte: "Die rasante Entwicklung des Mobil-
und Wireless-Marktes wird sich 2005 fortsetzen. Die Zahl der
abgeschlossenen Verträge wird bis Jahresende bei fast 2 Milliarden
und die Sättigungsquote in einigen Märkten über 100 Prozent liegen.
Zu diesem Zeitpunkt werden außerdem Milliarden RFID-gekennzeichneter
Waren in Umlauf gegangen sein. Damit erschließt sich für die
Wireless-Industrie eine vielversprechende neue Einnahmequelle."
"Festnetzbetreiber werden weiterhin von überlegener Sprachqualität
und Zuverlässigkeit profitieren. Im Verlauf des Jahres wird sich das
in Milliarden profitabler Gesprächsminuten niederschlagen. Die
Betreiber geraten aber auch zunehmend unter Konkurrenzdruck durch
Billiganbieter, Mobilfunk und Internet-Telefonie (VoIP). Der
Höhenflug der Breitbandnetze setzt sich dank neuer, bandbreitenintensiver Anwendungen zwar fort, doch die Gewinnmargen in
diesem Bereich sind deutlich rückläufig. Bei Wireless-Technologien
ist ein ähnlicher Trend zu beobachten. Hier bringen WiFi-Hotspots und
WiMAX mehr Schlagzeilen als Geld ein. Der künftige Erfolg der Branche
hängt von einer Belebung der Nachfrage nach Festnetzverbindungen ab
und zwar durch Bündelung von Sprach-, Daten und anderen Diensten,
komfortablere und technisch vielseitigere Telefone und die schnellere
Glasfaseranbindung von Privathaushalten (Fiber-to-the-Home, FTTH).
Deloitte nennt als wichtigste Trends:
- Milliardenfacher Smalltalk bringt großes Geld
Bis Ende 2005 wird die Zahl der Handy-Verträge weltweit bei fast 2
Milliarden liegen. In den Entwicklungsländern Asiens und
Lateinamerikas sind Mobiltelefone sowohl Fortschritt fördernde
Technologien als auch Statussymbol. Dort werden voraussichtlich
besonders hohe Zuwachsraten zu verzeichnen sein. Größter Umsatz- und
Gewinnträger sind weiterhin die Sprachdienste, deren Anteil am
Gesamtumsatz im Durchschnitt über 80 Prozent beträgt. Die
Gesprächsvolumen werden dank einfacherer Bedienung und fallender
Preise stetig zunehmen. Einige Märkte werden bereits 2005 eine
Sättigung von über 100 Prozent erreichen, da immer mehr Kunden
Zweitverträge für Datendienste oder private Zwecke abschließen. Auf
diese Entwicklung reagieren die Anbieter mit neuen Services wie
automatische Umleitung, mehrere Voicemail-Accounts und separate
Abrechnung. Mit mobilen Inhalten lässt sich auch 2005 vor allem bei
der Gerätepersonalisierung Geld verdienen: Die Attraktivität von
Klingeltönen, Real Tones, Wallpapers und einfachen Spielen bleibt
ungebrochen.
- Gute Aussichten für Festnetz, VoIP und Breitband
Auch 2005 werden die meisten Gespräche über das öffentliche
Telefonvermittlungsnetz geführt. Wer Wert auf besonders hohe
Sprachqualität und Zuverlässigkeit legt, kommt am Festnetz nicht
vorbei. Der Konkurrenzdruck durch preiswertere Mobil- und
VoIP-Anbieter wird jedoch zu sinkenden Preisen und schrumpfenden
Gewinnmargen führen. Festnetzbetreiber sollten sich darauf
konzentrieren, ihre Stärken zu vermarkten und in neue
Gerätefunktionen wie Speicherwahl, Textmeldungen und Telefonkonferenz
zu investieren. Dies bringt höhere Gesprächsvolumen.
VoIP bleibt zwar ein Nischenprodukt, gewinnt aber im Privat- und
Unternehmenssektor deutliche Marktanteile hinzu. Limitierender Faktor
sind Qualitäts-, Konsistenz- und Zuverlässigkeitsdefizite, die VoIP
ein nicht ganz positives Image eingebracht haben. In Unternehmen
liegen die Kostenersparnisse zudem oft unter den Erwartungen. Viele
Unternehmen werden sich für eine mehrgleisige Lösung entscheiden, das
heißt VoIP für die interne Kommunikation verwenden und bei Gesprächen
nach außen weiterhin auf das Festnetz setzen.
Das Breitband setzt seinen Siegeszug fort: In vielen Ländern wird
es 2005 erstmals mehr Breitband- als Wählverbindungen geben.
Allerdings geht auch der Preisverfall weiter, mit den üblichen Folgen
- stärkere Kundenfluktuation, höhere Kosten für Kundengewinnung und
-bindung, deutlich rückläufige Gewinne. PC-Anwendungen stehen
weiterhin im Mittelpunkt. Das verringert den wahrgenommenen Wert
eines Breitbandanschlusses. 2005 werden zwar mehr
Breitband-Anwendungen wie beispielsweise Videotelefonie,
Spielekonsolen mit Internet-Anschluss und Sicherheitslösungen, auf
den Markt kommen, von den Betreibern werden sie jedoch eher zögerlich
vermarktet.
- RFID: Der Riese erwacht
RFID wird 2005 endlich den Sprung aus den Forschungslaboren in den
kommerziellen Markt schaffen. Der Einfluss großer
Einzelhandelsketten, Rüstungsunternehmen, Automobilhersteller und
anderer Interessensgruppen, die ihre Lieferanten zum Einsatz von RFID
drängen, wird zu einer wesentlich stärkeren Verbreitung dieser
Technologie führen. Waren 2004 noch so gut wie keine Waren
RFID-gekennzeichnet, werden bis Ende 2005 voraussichtlich 10
Milliarden so genannter RFID-Tags in Umlauf gegangen sein. RFID ist
nicht nur ein Ersatz für Barcodes, sondern eine
Transformationstechnologie mit einer Reihe potenzieller Vorteile:
weniger Verluste und Diebstahl, einfachere Bestandsführung,
rationalisierte Logistik und höhere Produktivität. Die Erfassung,
Zuordnung und Darstellung der RFID-Daten erfordert entsprechende
Hardware (Beispiel Lesegeräte) sowie Software- und Servicelösungen.
Den Löwenanteil dieses Marktes wird sich die IT-Industrie sichern.
RFID-Anwendungen kommen auch im Gesundheitswesen
(Patientenverwaltung), in der Bauindustrie (Projekt- und
Gerätemanagement) sowie im Transport (Gepäck- und Passagierverfolgung
auf Flughäfen) zum Einsatz.
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