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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | 14.02.2012 |
Psychisch gestört durch exzessiven Chat?16.10.2004
12:16 Gefährliche Differenzen zwischen virtueller und realer Welt
Die exzessive Nutzung von Internet-Chats und
Computerspielen kann nach Ansicht eines Mediziners zu nachhaltigen
psychischen Störungen führen. "Der Alltag verlagert sich immer mehr
auf die digitale Ebene. Eine Gefahr liegt dabei darin, dass sich
Menschen zunehmend aus dem realen Leben zurückziehen", sagte Dr. Bert
Wildt von der Abteilung für Klinische Psychiatrie und
Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in
einem dpa-Gespräch.
"Wenn die Differenz zwischen der virtuellen und der realen Welt zu groß ist, können Depressionen entstehen." Dies gelte besonders für Menschen, die unter einem geringen Selbstwertgefühl leiden, sich im Netz oder in Spielen aber als Held fühlen. "Die Rückkehr in die Realität kann dann ganz besonders bitter sein, zu einer permanenten Enttäuschung und letztlich zu einer Depression führen", sagte te Wildt. "Bei manchen Menschen drücken sich diese Enttäuschungen eher in Aggressionen aus. Da gibt es dann einen Hunger nach extremen realen Erfahrungen, bis hin zu ausgeübter Gewalt." Einen ursächlichen Zusammenhang nachzuweisen, sei wissenschaftlich aber schwierig. Den bisherigen Forschungsstand fasste Wildt in einem Fachaufsatz zusammen, der in der neuen Ausgabe der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie, Psychiatrie veröffentlicht wird. Dass das Internet die Möglichkeit bietet, anonym aufzutreten und in andere Rollen zu schlüpfen, könne in exzessiver Form auch Identitätsstörungen zur Folge haben. "Es gibt offenbar ein Bedürfnis von Menschen, verschiedene Rollen anzunehmen und dadurch ihre unterschiedlichen Charaktereigenschaften auszuleben. Die Frage ist, inwieweit das dazu führen kann, dass Menschen ihre Kernidentität aufgeben", meinte Wildt. "Meine Hypothese ist, dass es keine neuartigen Erkrankungen sind, die durch Internet-Nutzung oder Computerspiele entstehen", sagte der Arzt. "Vielmehr verlagern sich die in der Psychiatrie bereits bekannten psychischen Störungen auf die virtuelle Ebene und bekommen dadurch einen anderen Charakter und eine gefährliche Dynamik." Um dieses Problem weiter zu erforschen, suchte Wildt Teilnehmer für eine Studie. Sie sollten unter schweren psychischen Problemen leiden, die sich nachvollziehbar auf Medieneinflüsse zurückführen lassen. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.medien-psyche.de; Telefonische Auskunft: Mittwochs von 16:30 bis 17:30 Uhr unter 0511/532-3179. dpa / Marie-Anne Winter
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