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Abgeguckt: Festnetztelefone haben immer mehr Handy-Funktionen


Stiftung Warentest: Keine Killerapplikationen, sondern Kostentreiber  29.09.2004
10:19

Schnurlose Telefone gehören in vielen Haushalten zum Standard. Und regelmäßig kommen neue Modelle in den Handel, die mit weiteren Funktionen und neuem Design aufwarten müssen. "Drei Trends sehen wir: Konvergenz zu Handys, Verschmelzung der Kommunikations- und Computerwelt und das Telefonieren via Internet", erklärt Norbert Strixner, Marketingleiter für Schnurlosprodukte bei Siemens in München.
     Jean-Philippe Roman von Philips in Hamburg sieht zwei gegensätzliche Entwicklungen: "Einerseits wollen die Kunden die Telefone so billig wie möglich". Andererseits würden immer mehr Funktionen gewünscht, so dass es auch ein großes Interesse an hochpreisigen Telefonen gebe.
     Bereits die aktuellen Telefone können weit mehr als Telefonieren. Sie sind als Babyphone, Walkie-Talkie oder für den Notruf zu nutzen. Telefonbuch, Kurzwahl und Freisprechen gehören schon lange zum Programm. Inzwischen allerdings verlangten die Kunden nach Funktionen, die sie von ihrem Handy her kennen: Text- und Bildnachrichten, SMS und MMS per Festnetz verschicken, Farbdisplays und mehrstimmige oder selbst eingespielte Klingeltöne gehören zur neuen Generation der schnurlosen Telefone für zu Hause.

Schnurlostelefone telefonieren per Internet

"Ein festes Telefon ist für die ganze Familie da", sagt Roman. Daher laufen Nachrichten in einzelne Mailboxen ein, die per Passwort geschützt sind. "So kann der Vater nicht die SMS der Tochter lesen." Auch schnurlose Telefone mit eingebauter Kamera sind schon zu haben. "Killerapplikationen sind das alles nicht - aber sie treiben die Kosten nach oben", dämpft Peter Knaak von der Stiftung Warentest in Berlin allzu große Begeisterung für die kleinen Alleskönner. Zum Vergleich: Für 40 Cent kann man mit einem Billiganbieter 40 Minuten in die USA telefonieren oder ein Bild innerhalb Deutschlands verschicken.
     Siemens setzt mit seinen analogen Schnurlostelefonen auf die Verbindung zwischen der Telekommunikations- und Informationstechnologie. Mit den neuen Geräten, die Siemens im Spätsommer in den Handel gebracht hat, kann mittels Voice over IP am Computer telefoniert werden. Dafür gibt es von Siemens das Gerät Gigaset M34 USB, dessen Funkadapter an den USB-Port am PC gesteckt wird. Von dort aus wird per DSL die Verbindung zum Internet hergestellt. Von den Entwicklern der Online-Tauschbörse KaZaA stammt die Software Skype, die dem Telefon beiliegt. Das per USB an den Computer angedockte Telefon bringt durch die ständige Verbindung mit dem Internet für alle an die Telefonanlage angeschlossenen Geräte weitere Zusatzfunktionen: "Man sieht alle eingehenden Nachrichten und kann sie beantworten, chatten oder Internet-Radio hören", erläutert Strixner.

Stiftung Warentest: Sprachqualität wird dem Design geopfert

Aber nicht nur mit Konvergenz zwischen Handy und Heimtelefon wollen die Hersteller neue Kunden locken, auch das Design spielt eine Rolle. So ist das Siemens Gigaset SL440 kein schnurgerader Fernsprecher mehr, sondern sieht eher aus, als stamme es von einem Swatch-Designer: Es ist rund mit ebenfalls rund angeordneten Tasten und in Farben wie Lackschwarz, Seidenweiß und Orange erhältlich. Überwiegend aber bleiben die Hersteller, darunter auch die T-Com, Audioline und Panasonic, beim eher klassischen Aussehen: Ein Telefon, das in einer Ladeschale - wahlweise mit Anrufbeantworter oder ohne - steht oder liegt. Die Farben: schwarz, dunkelblau oder silber.
     In den ausgefalleneren Designs sieht Warentester Knaak nicht nur Vorteile: "Die Sprachqualität wird dem Design geopfert", sagt er. Die Schnurlosen seien im Klang immer schlechter als ein Telefon mit Strippe. Am Markt allerdings sind solche Fernsprecher kaum noch: "Telefone mit Schnur stellen wir gar nicht mehr her", sagt Jean-Philippe Roman von Philips. In ihrem aktuellen Test bemängeln die Experten von Warentest zudem, dass wegen der zahlreichen Funktionen die Menüs komplizierter und die Bedienungsanleitungen länger werden. Zwar versichert Roman, auf die Nutzerfreundlichkeit werde großer Wert gelegt. Immer kleinere Mobilteile mit Mini-Tasten allerdings sprechen eine andere Sprache: "Die kleinen Tastaturen sind ein Gräuel, besonders für ältere Menschen", sagt Knaak. "Das letzte ergonomisch geformte Telefon ist in den sechziger Jahren gebaut worden."

 
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Es krückt! skycab 29.09.04 19:26
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