Schnurlose Telefone gehören in vielen
Haushalten zum Standard. Und regelmäßig kommen neue Modelle in den
Handel, die mit weiteren Funktionen und neuem Design aufwarten
müssen. "Drei Trends sehen wir: Konvergenz zu Handys, Verschmelzung
der Kommunikations- und Computerwelt und das Telefonieren via
Internet", erklärt Norbert Strixner, Marketingleiter für
Schnurlosprodukte bei
Siemens in München.
Jean-Philippe Roman von
Philips in Hamburg sieht zwei
gegensätzliche Entwicklungen: "Einerseits wollen die Kunden die
Telefone so billig wie möglich". Andererseits würden immer mehr
Funktionen gewünscht, so dass es auch ein großes Interesse an
hochpreisigen Telefonen gebe.
Bereits die aktuellen Telefone können weit mehr als Telefonieren.
Sie sind als Babyphone, Walkie-Talkie oder für den Notruf zu nutzen.
Telefonbuch, Kurzwahl und Freisprechen gehören schon lange zum
Programm. Inzwischen allerdings verlangten die Kunden nach
Funktionen, die sie von ihrem Handy her kennen: Text- und
Bildnachrichten,
SMS und
MMS
per Festnetz verschicken, Farbdisplays
und mehrstimmige oder selbst eingespielte Klingeltöne gehören zur
neuen Generation der schnurlosen Telefone für zu Hause.
Schnurlostelefone telefonieren per Internet

"Ein festes Telefon ist für die ganze Familie da", sagt Roman.
Daher laufen Nachrichten in einzelne Mailboxen ein, die per Passwort
geschützt sind. "So kann der Vater nicht die SMS der Tochter lesen."
Auch schnurlose Telefone mit eingebauter Kamera sind schon zu haben.
"Killerapplikationen sind das alles nicht - aber sie treiben die
Kosten nach oben", dämpft Peter Knaak von der
Stiftung Warentest in
Berlin allzu große Begeisterung für die kleinen Alleskönner. Zum
Vergleich: Für 40 Cent kann man mit einem Billiganbieter 40 Minuten
in die USA telefonieren oder ein Bild innerhalb Deutschlands
verschicken.
Siemens setzt mit seinen analogen Schnurlostelefonen auf die
Verbindung zwischen der Telekommunikations- und
Informationstechnologie. Mit den neuen Geräten, die Siemens im
Spätsommer in den Handel gebracht hat, kann mittels
Voice over IP
am Computer telefoniert werden. Dafür gibt es von Siemens das Gerät
Gigaset M34 USB, dessen Funkadapter an den USB-Port am PC gesteckt
wird. Von dort aus wird per DSL die Verbindung zum Internet
hergestellt. Von den Entwicklern der Online-Tauschbörse KaZaA stammt
die Software Skype, die dem Telefon beiliegt.
Das per USB an den Computer angedockte Telefon bringt durch die
ständige Verbindung mit dem Internet für alle an die Telefonanlage
angeschlossenen Geräte weitere Zusatzfunktionen: "Man sieht alle
eingehenden Nachrichten und kann sie beantworten, chatten oder
Internet-Radio hören", erläutert Strixner.
Stiftung Warentest: Sprachqualität wird dem Design geopfert

Aber nicht nur mit Konvergenz zwischen Handy und Heimtelefon
wollen die Hersteller neue Kunden locken, auch das Design spielt eine
Rolle. So ist das Siemens Gigaset SL440 kein schnurgerader
Fernsprecher mehr, sondern sieht eher aus, als stamme es von einem
Swatch-Designer: Es ist rund mit ebenfalls rund angeordneten Tasten
und in Farben wie Lackschwarz, Seidenweiß und Orange erhältlich.
Überwiegend aber bleiben die Hersteller, darunter auch die T-Com,
Audioline und
Panasonic, beim eher klassischen Aussehen: Ein Telefon,
das in einer Ladeschale - wahlweise mit Anrufbeantworter oder ohne -
steht oder liegt. Die Farben: schwarz, dunkelblau oder silber.
In den ausgefalleneren Designs sieht Warentester Knaak nicht nur
Vorteile: "Die Sprachqualität wird dem Design geopfert", sagt er.
Die Schnurlosen seien im Klang
immer schlechter als ein Telefon mit Strippe. Am Markt allerdings
sind solche Fernsprecher kaum noch: "Telefone mit Schnur stellen wir
gar nicht mehr her", sagt Jean-Philippe Roman von Philips.
In ihrem aktuellen Test bemängeln die Experten von Warentest
zudem, dass wegen der zahlreichen Funktionen die Menüs komplizierter
und die Bedienungsanleitungen länger werden. Zwar versichert Roman,
auf die Nutzerfreundlichkeit werde großer Wert gelegt. Immer kleinere
Mobilteile mit Mini-Tasten allerdings sprechen eine andere Sprache:
"Die kleinen Tastaturen sind ein Gräuel, besonders für ältere
Menschen", sagt Knaak. "Das letzte ergonomisch geformte Telefon ist
in den sechziger Jahren gebaut worden."
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