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Editorial: Handys aus der Boutique

12.09.2004
14:30

Oder: Wider die Konfigurationsorgie

Inhaltsverzeichnis:

1. Handys und Handtaschen
2. Alle Daten auf die SIM!
Die Glamour-Frau und Milliardenerbin Paris Hilton gesteht in ihrer Autobiografie, nie dasselbe Outfit zweimal anzuziehen. Ihr Handy dürfte sie hingegen deutlich länger benutzen, bevor sie es zugunsten eines neuen Modells entsorgt. Dieses zu ändern, ist jedoch das erklärte Ziel aller Handyhersteller. Die Frau, die es sich leisten kann, hat nach deren Vorstellung künftig nicht nur eine große Auswahl an Kleidern, Schuhen und Handtaschen im Schrank, sondern auch mehrere Handys, aus denen je nach Stimmung und Anlass gewählt wird.

Siemens ist mit der Modemarke Xelibri jedoch gescheitert. Auch Nokia wird mit den jüngst vorgestellten modischen Handys wohl kaum große Umsätze oder gar Gewinn machen. Bei diesen Geräten geht es vermutlich eher um die Pflege der Marke "Nokia" an sich: Das ungewöhnliche Design macht Menschen neugierig. Und so werden künftig eben mehr Menschen auf die Nokia-Homepage klicken oder auf Messen zum Nokia-Stand gehen. Gut möglich, dass der eine oder andere dieser Interessenten dort dann auch ein "normales" Nokia-Handy für seinen Geschmack findet und später kauft.

Technische Hürden

Falls das Handy jedoch wirklich zum Modeartikel werden soll, über den vorm Spiegel abgestimmt wird, reicht gutes Design nicht aus. Das hin- und her mit der Frage: "lieber das rote Kleid mit der schwarzen Tasche und dem ei-förmigen Handy an der goldenen Kette" oder doch "das blaue Kleid mit farblich passender Tasche und silbernem Klapp-Handy" kostet nämlich erheblich Zeit. Die steht anschließend garantiert nicht mehr zur Verfügung, um die SIM-Karte aus dem bisher benutzten Handy auszubauen, und sie in das neue einzusetzen, oder nach dem passenden Ladekabel zu suchen. Zumal das Hantieren mit den fippsligen Plastikschnippseln mit langen Fingernägeln zum echten Problem werden kann.

Jedes Handy mit einer eigenen SIM zu betreiben, scheitert schon daran, dass man dann dutzende Rufweiterleitungen konfigurieren muss, wenn die SIMs zu verschiedenen Verträgen gehören. Die immer beliebteren SMS lassen sich bis heute nicht weiterleiten, so dass man Gefahr läuft, dass sie auf dem falschen Handy ankommen. Immerhin bietet Deutschlands kleinster Netzbetreiber o2 die Multicard, doch auch hier ist nach drei SIMs für eine Rufnummer bei Privatkunden Schluss.

Dumm auch, wenn man abends auf der Party ankommt, nur um festzustellen, dass man den Schnappschuss, den man eigentlich rumzeigen wollte, letzte Woche mit dem anderen Handy gemacht hat, das jetzt zu Hause liegt. Auch alle anderen Individualisierungen - Anruferlogos und spezielle Klingeltöne für die Liebsten, Hintergrundbilder etc. - müssen zeitaufwändig von Gerät zu Gerät übertragen werden.

Will man ein Modehandy mal verleihen, wird man gleich aus mehreren Gründen feststellen, dass das nicht geht. Zum einen sind im Handy eine ganze Menge persönlicher Infos gespeichert. Das sind Daten, die man auch der besten Freundin nicht unbedingt alle präsentieren will. Zum anderen funktioniert das Handy nicht mehr richtig, wenn es mit einer SIM-Karte eines anderen Netzbetreibers bestückt wird. Erst nach Umkonfiguration von Mailboxnummer, SMS-Zentrale, WAP-Zugangsdaten, MMS-APN und einigen weiteren Parametern ist alles wieder voll funktionsfähig. Natürlich steht nach Rückgabe des Handy eine weitere Konfigurationssitzung an, um die alten Werte wiederherzustellen.

Aus demselben Grund werden sich auch viele Boutiquen weigern, Handys zu verkaufen. Denn das Know How, um die Geräte passend zum jeweiligen Netz zu konfigurieren, ist dort garantiert nicht vorhanden. Die Alternative ist, die Geräte vorkonfiguriert für jedes Netz vorrätig zu halten. Doch das vergrößert unweigerlich die Zahl der Geräte, die am Ende der Saison unverkauft zurück geschickt werden. Läden mit viel internationalem Publikum müssten statt vier vermutlich sogar vierzig verschiedene Varianten auf Lager haben.
 

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Meinungen und Erfahrungen der Community:

Betreff Autor Datum
1999 bereits mit 2 MB eggx 12.09.04 23:57
  

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Quelle: teltarif.de: AGOF internet facts 2012-01, Erwachsene ab 14 Jahre