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Preissturz für Handygespräche durch UMTS?

20.04.2004
11:07

Kostenlose Gesprächsminuten als Lockmittel für teure Datendienste

Vor einigen Wochen erst hatte Intel-Chef Paul Otellini verkündet, dass das mobile Telefonieren langfristig nichts mehr kosten werde und die Netzbetreiber ihr Geld stattdessen mit der Übertragung von Daten verdienen würden. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch das Beratungsunternehmen Soreon. Wie die Financial Times Deutschland (FTD) heute berichtet, werden die Mobilfunkunternehmen nach Einschätzung von Soreon die Sprachtelefonie im Zuge der Einführung von UMTS-Diensten als günstige Beigabe für Datendienste betrachten.

"Wachstum kommt im Mobilfunk künftig aus Datendiensten. Dieses Geschäft wächst nur, wenn Anbieter ihre Kunden auf UMTS übersiedeln. Es gibt deshalb die Tendenz, Sprachtelefonie zunehmend auf dem Altar der Datendienste zu opfern", zitiert die Zeitung Steffen Binder, den Research Director des Beratungsunternehmens Soreon. Laut Binder sei es denkbar, dass UMTS-Angebote mit kostenlosen Gesprächen dazu dienen sollen, die Kunden in die neuen Mobilfunknetze der dritten Generation zu locken.

Aber die Anbieter auf dem deutschen Mobilfunkmarkt sind mit Äußerungen zu den UMTS-Gesprächspreisen noch sehr vorsichtig. "Wir bieten ein Gesamtpaket für eine Dienstleistung an und glauben, dass der Tarif dafür attraktiv ist", sagte ein Sprecher von T-Mobile gegenüber der FTD.

Kostenlose UMTS-Gespräche schon Realität

Ein Blick zu den europäischen Nachbarn zeigt, dass diese Entwicklung teilweise schon eingetreten ist. Wie gemeldet bietet der UMTS-Betreiber "3" in Österreich zur Einführung seiner Multimedia-Dienste netzinterne Gespräche kostenlos an - und das auf Lebenszeit. Und Bob Fuller, "3"-Chef in Großbritannien kündigte an, dass er jeden Sprachtarif der Rivalen unterbieten werde. "Wir werden die Tarifentwicklung steuern und nicht die Konkurrenz". Ein solcher Preiskampf könnte in Großbritannien durchaus mit dem Nulltarif enden.

Ben Wood, Mobilfunkanalyst der Marktforschungsfirma Gartner meint, dass Tarifmodelle kommen werden, bei denen es Freikontingente geben wird, die an Gesprächsminuten an den Verbrauch bestimmter Datenmengen gebunden sind. Angesichts der Subventionierung von Endgeräten könnten auch Gesprächsminuten subventioniert werden. Allerdings werden noch immer 80 Prozent der Umsätze im Mobilfunk mit Gesprächen generiert - es ist für die Anbieter also nicht ungefährlich, an diesem Ast zu sägen. Allerdings findet in diesem Bereich seit längerem kein Wachstum mehr statt- die Umsätze mit Sprachtelefonie sind eher leicht fallend. Deshalb gelten die Wachstumshoffnungen dem Datenbereich.

Keine Kamikaze-Strategien in Deutschland

UMTS-Preisbrecher "3" könne sich nach Meinung der Branche seine "Kamikaze-Strategie" nur deshalb leisten, weil das Unternehmen kein herkömmliches Netz besitze, dessen Nutzer behutsam an die neuen Breitbanddienste herangeführt werden müssten. "3" ist im letzten Jahr gleich mit einem neuen UMTS-Netz gestartet. Auf diese Weise fischte der Anbieter Kunden ab, die speziell an den neuen Möglichkeiten interessiert waren. Die alteingesessenen Anbieter wie T-Mobile oder Vodafone müssten bei einer Nulltarif-Strategie dagegen aufpassen, dass sie nicht ihre eigenen Kunden aus derzeit genutzten GSM-Netzen abwerben, die dort noch immer stabile Umsätze mit Gesprächen erzeugen.

Es ist also nicht zu erwarten, dass die Mobilfunker in Deutschland in absehbarer Zeit auf den Kostenlos-Zug aufspringen werden. Angesichts der derzeitigen Tarifmodelle ist eher festzustellen, dass gerade die "echten" Mobilgespräche, also die von Handy zu Handy noch immer relativ teuer sind und die Mobilfunker keine Tendenz erkennen lassen, daran etwas ändern zu wollen. Im Gegenteil wurden Tarife, die günstige Netzinterngespräche erlaubten, geändert oder abgeschafft.

 
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