Morgens halb zehn in Deutschland: In der U-Bahn hat das alltägliche
Klingeltonkonzert begonnen. Aus dem Handy eines älteren Herrn
schrillt Bach oder Beethoven, gegenüber lässt ein Schüler den neuesten
Popsong läuten, und beim Nebenmann meldet sich das Mobiltelefon gar mit
Hundegebell. Was manche als Qual empfinden, ist für Handyfans Kult
- Klingeltöne als persönliches Markenzeichen. Dabei im Trend zu bleiben,
kann teuer werden, denn kommerzielle Anbieter verlangen im Internet für
einen Klingelton durchschnittlich zwei Euro. Zudem treiben unseriöse Anbieter
ihr Unwesen.
Durchschnittlich kostet ein Klingelton zwei Euro

"Unter Handyfans sind individuelle Klingeltöne Kult", sagt Steven
Hofman, Sprecher des Klingelton-Anbieters
Handy.de in Hamburg.
Besonders Jugendliche überböten sich auf dem Schulhof ständig mit
neuen Kreationen. Derzeit seien echte Geräusche wie eine Klospülung,
Rülpser oder eine Kettensäge als Klingeltöne im Trend. Im Schnitt
koste ein Klingelton zwei Euro, passende fänden sich für nahezu jeden
Geschmack: Neben aktuellen Popsongs und TV-Melodien wie "Biene Maja"
gebe es spezielle Sparten für Liebhaber klassischer Musik, türkische
Mitbürger oder Geschäftsleute, die dezente Töne für das Büro suchen.
Hinzu kämen je nach Saison Weihnachts- oder Karnevalsmusik sowie
Liebeslieder zum Valentinstag.
Video-Klingeltöne: Neuer Hype?

Es gibt verschiedene Formate von Klingeltönen. Während ältere
Geräte nur einstimmige Melodien spielten, klingelten heutige Handys
meist mehrstimmig mit bis zu 40 Tönen, erklärt Hofman. Zudem könnten
neuere Multimedia-Handys auch Musik- und Klangaufnahmen in
Audioformaten wie MP3- oder WAV-Dateien als Klingelton abspielen. Im
März wurden bei der Computer- und Telekommunikationsmesse CeBIT in
Hannover erstmals Video-Klingeltöne vorgestellt, bei denen zusätzlich
zur Musik ein Film den Anrufer ankündigt.
Einstimmige Klingeltöne erhält der Kunde in der Regel per
SMS - für das Herunterladen eines
mehrstimmigen Tons sei dagegen ein konfigurierter
WAP-Zugang nötig, so Hofman. Beim Bezahlen sei die
schnellste Methode eine Premium-SMS. Und das
funktioniert so: Der Käufer sendet die Bestellnummer des Klingeltons an eine
kostenpflichtige SMS-Kurzwahl und zahlt dafür einen festen Betrag.
Alternativ können sich Anwender beim Anbieter registrieren und über
ein virtuelles Punktekonto einkaufen.
Verbraucherzentrale warnt vor Klingelton-Abzocke

Oft wird aber auch die Bezahlung über eine 0190-Telefonnummer
angeboten. Hier muss der Kunde über den kostenpflichtigen Anruf einen
Code abfragen, mit dem er den Klingelton im Internet freischalten
kann. "Unseriöse Anbieter missbrauchen diese Methode aber", warnt
Bernd Ruschinzik von der
Verbraucherzentrale
in Berlin. Bei zeitabhängigen Tarifen sollten Kunden generell misstrauisch sein,
denn dabei sei kaum abzuschätzen, wie viel der Anruf letztendlich kostet.
Gesetzlich sei eine Kostengrenze von zwei Euro pro Minute
vorgeschrieben, so Ruschinzik. Außerdem müssten Anbieter seit Februar
dieses Jahres im Festnetz zu Verbindungsbeginn kostenlos den
Tarif ansagen. Ab August gelte dies auch für
Anrufe vom Handy aus.
Wer sparen will, kann auch selbst eigene Klingeltöne kreieren, so
Kristina Rücken, Sprecherin von Nokia mit
Deutschlandsitz in Düsseldorf. Viele Handys haben einen integrierten
Klingeltoneditor. Zudem lassen sich mit passender Software am PC eigene
Melodien im Midi-Format und als WAV- oder MP3-Dateien erstellen und via
Datenkabel oder Funkverbindung auf das Mobiltelefon übertragen.
Bei Geräten mit eingebautem Mikrofon könnten Verbraucher ganz
individuelle Klänge aufnehmen und als Klingelton einsetzen, ergänzt
Myriam Hoffmann, Sprecherin von SonyEricsson
mit Deutschlandsitz in Köln. Handyfans dürfen sich daher noch auf viele
neue Klingeltöne freuen - die Fahrt in der U-Bahn dagegen dürfte dank
des technischen Fortschritts nervenaufreibend bleiben.
Sie haben bei unserem Online-Forum die Möglichkeit, Ihre
eigenen Kommentare und Meinungen zu den von uns veröffentlichten
Artikeln und Anbieterseiten abzugeben oder die Meinungen anderer
teltarif-Leser abzufragen. Probieren Sie es doch einfach mal aus!