Lockanrufe

0137-Betrug: Kripo ermittelt Tatverdächtige

Nachweis über systematischen Betrug anhand Verfolgung zahlreicher Fälle gelungen
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Über die Betrugsversuche mit teuren Televotingnummern hatten wir Anfang des Jahres bereits berichtet. Tausende von Handybesitzern in ganz Deutschland wurden mit einem scheinbar unverfänglichen Anruf auf 0137-Nummern gelockt. Aber jetzt wird es für die Abzocker ungemütlich: Wie dialerschutz.de berichtet, haben Staatsanwaltschaft und Kripo Augsburg die mutmaßlichen Verantwortlichen ermittelt. Thomas Weith, Sprecher der Staatsanwaltschaft, bestätigte gegenüber dialerschutz.de, dass mehrere Tatverdächtige inzwischen namentlich bekannt seien. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf Firmen und Einzelpersonen in Berlin, Hamburg, Bielefeld und Österreich.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich die Verdächtigen des Betruges schuldig gemacht haben: "Wenn Sie auf Ihrem Handy einen Anruf erhalten und eine Telefonnummer sehen, gehen Sie davon aus, dass ein Bekannter oder Verwandter angerufen hat oder sonst etwas Wichtiges vorliegt", sagt Weith. "Dann werden Sie auch zurückrufen." Genau so sei es im Januar den vielen Handybesitzern gegangen, die - meist in der Nacht - einen kurzen Anruf auf ihrem Handy erhielten und im Display eine 0137-Nummern vorfanden. Wer die Nummern anrief, landete lediglich bei einem Computer, der den Anruf zählte. Fällig wurden dabei aber bis zu zwei Euro pro Anruf - eine Täuschung mit dem Ziel, an den aufgelaufenen Gebühren zu verdienen.

"Den Nachweis, dass diese Anrufe Methode haben, kann man nur führen, wenn man wirklich viele Fälle hat und diese zusammenführt", erklärte der Sprecher der Augsburger Staatsanwaltschaft. Denn dann sei klar, "dass jemand diese Lockanrufe in großem Stil betreibt, um Geld abzuzocken." Genau diesen Nachweis aber konnte die Augsburger Staatsanwaltschaft offensichtlich führen. dialerschutz.de hatte nach der ersten Welle von 0137-Lockanrufen Strafanzeige bei der Kripo Augsburg erstattet und zugleich Betroffene aufgefordert, sich unter Angabe ihrer Daten zu melden. Binnen weniger Tage gingen so Hinweise von mehr als 300 Geschädigten ein. Über 80 Einzelfällen ging die Kripo nach - und ließ sich dabei auch vom schwierigen System der Servicenummern-Vergabe und -Vermietung nicht entmutigen. "In einem Fall etwa führte die Spur zunächst nach Asien", berichtete Weith. "Letztlich endete sie aber auch in Deutschland, wo der Verantwortliche saß."

Nach umfangreichen Ermittlungen gehen Kripo und Staatsanwaltschaft mittlerweile von vier - voneinander unabhängigen - Tatkomplexen aus. Im Fall einer Welle von Lockanrufen säßen die Verantwortlichen in Berlin, in einem in Hamburg, in einem in Bielefeld und im letzten Fall im österreichischen Mödling. "Da kamen offenbar mehrere Menschen gleichzeitig auf die Idee, das schnelle Geld zu machen", sagte Weith. Gegen sämtliche Beteiligte bestehe der Anfangsverdacht des Betruges. Die Augsburger Staatsanwaltschaft werde die Verfahren demnächst an die jeweils zuständigen Behörden abgeben. Im Fall des Hamburger Tatverdächtigen ermittle bereits die örtliche Polizei. In Österreich sei die zuständige Dienststelle in Wiener Neustadt ebenfalls schon informiert.

Ob die Geschädigten, denen für ihre Rückrufe Gebühren in Rechnung gestellt wurden, das Geld zurück bekommen, steht allerdings auf einem anderen Blatt. "Im Fall einer rechtswidrigen Tat kann das Gericht zwar den Verfall des illegal erlangten Geldes anordnen", bestätigt Weith. Das gelte aber nicht, wenn den Geschädigten ein Anspruch auf dieses Geld erwachsen ist." Konkret: Zwar können Staatsanwaltschaft und Gericht bei den Tätern die über die 0137-Anrufe erwirtschafteten Gebühren beschlagnahmen; dann aber müsste jeder einzelne Geschädigte sein Geld zivilrechtlich einfordern. "Wenn die Opfer keine Ansprüche anmelden, können die Täter das Geld schlimmstenfalls sogar behalten", so die Befürchtung des Oberstaatsanwalts, der zudem von einer hohen Dunkelziffer ausgeht, weil viele Betroffene vermutlich gar keine Anzeige erstattet hätten. Bis die Opfer gefragt sind, werde aber noch einige Zeit vergehen: "Wir sind gerade erst dabei, die genauen Geldflüsse zu klären."

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