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Paybox stellt Dienst ein - ein Rückschlag für mobile Bezahldienste

24.01.2003
10:08

Ein Kommentar von Henning Gajek

Was ist uns nicht alles versprochen worden, was mit dem Handy möglich sein soll, innovative Dienste, modernes einfaches Leben und vor allen Dingen Bezahlen mit dem Handy. Viele redeten nur, ein winziges kleines Unternehmen erfand ein System, das schlicht genial und einfach ist, und nannte es Paybox.

Man ruft eine kostenlose Rufnummer an, gibt den Betrag ein, den man bezahlen möchte, bestätigt mit seiner Paybox-PIN - und fertig. Oder man bestellt etwas im Internet, gibt seine Handynummer an (das kann sogar eine virtuelle Nummer sein, die nur Paybox kennt), das Handy klingelt, eine Stimme liest noch einmal Zahlungsempfänger und Betrag vor, mit der PIN bestätigen oder auch ablehnen, wenn man nicht zahlen wollte und die Sache war erledigt.

Auf einmal war direkte Bezahlung von Handy zu Handy möglich, der direkte Geldaustausch zwischen Privatpersonen, die sich vielleicht gerade im Internet getroffen haben, um etwas kaufen oder zu verkaufen, man denke nur an die Verkaufsplattform Ebay.

Leute wählten ihre Lieferanten danach aus, ob man ihn mit Paybox bezahlen konnte oder nicht. Mit der (vorläufigen) Einstellung von Paybox in Deutschland ist das alles auf einmal weg. teltarif.de berichtete gestern über das Aus für Paybox. Damit wird der Teppich unter einer doch von allen gewollten Entwicklung weggezogen, weil sich Kleingeister nicht einigen können.

Die bekannten Alternativen sind eben keine Lösung in der mobilen Welt: Bezahlen mit Kreditkarte? Was ist, wenn der Händler meine Kreditkarte ohne mein Wissen (versehentlich?) nochmal belastet? Ich habe Streß. Bankabbuchung oder Einzugsermächtigung? Wenn was schief geht, darf ich meinem Geld hinterherlaufen. Nein Danke.

Vergeblich hatte Paybox versucht, mit allen Banken und Mobilfunknetzbetreibern ins Gespräch zu kommen. Doch die wollten lieber etwas eigenes herausbringen, mit viel technischem Schnickschnack. Ein Bezahlsystem, das mit den allerältesten Handys funktioniert, wo man kein Wap-Zisch-Bumm dazu braucht, schien für sie undenkbar. Mit großen Getöse wurde auf der CeBIT 2002 eine Kooperation von T-Mobile und Vodafone angekündigt, herausgekommen ist bislang (fast) nichts. Immerhin, bei Vodafone können (theoretisch) Mini-Beträge bis 10 Euro mit dem Handy über die eigene Handy-Rechnung bezahlt werden, nur es gibt so gut wie keine Anbieter im täglichen Leben, da die Händlerprovisionen unerschwinglich sind. Bezahlvorgänge zwischen Privatpersonen ist mit M-Pay gar nicht erst vorgesehen.

Der Blick nach Österreich - wo Paybox auch für Privatkunden weiter macht - zeigt, wie das richtig läuft: Da ist der Netzbetreiber Mobilkom Austria direkt bei paybox eingestiegen, dort gibt es jede Menge Angebote mit dem Handy mobil zu bezahlen! Komischerweise sind auch die Handy-Tarife in Österreich weit unter den deutschen Preisen und dennoch schreibt z.B. auch eine T-Mobile Austria die schwärzesten Zahlen, die man sich wünschen kann, während ihre Mutter eher zu den teureren Anbietern in Europa gehört. Viel Anwender schrecken vor mobilen Diensten zurück, weil sie die nicht bezahlen können oder wollen.

An Paybox war der Service-Provider debitel beteiligt, aber dem "Enhanced Service Provider" gelang es nicht, jeden debitel-Kunden zu einem Paybox-Kunden zu machen. Die Deutsche Bank gab zwar die notwendige Anschubfinanzierung, aber es wurde versäumt, zum Beispiel die Deutsche Bank-Kunden in Paybox-Nutzer zu verwandeln, auch andere Banken schauten nur skeptisch zu und basteln bis heute an komplizierten Lösungen, die spezielle Handys und SIM-Karten erfordern, die bisher keiner hat.

Vielleicht lag es auch mit an Paybox selbst, verschiedentlich beklagten sich Händler, die gerne mit Paybox gearbeitet hätten, über mangelhafte Reaktionen und hohe Kosten beim Anbieter; viele mobile Händler verwendeten stattdessen ihre private Paybox.

Mobiles Bezahlen ist sinnvoll und wichtig, aber es muss bekannt und akzeptiert sein. Wenn 1 000 Taxen mit einem Aufkleber herumfahren und man dann darin per Paybox bezahlen will, darf nicht der lapidare Kommentar des Fahrers "der Chef hats nicht erklärt, kenne ich nicht" alles zunichte machen.

Mobile Dienste dürfen kein Marketing-Geblubber bleiben, es muss sie geben, sie müssen funktionieren und bezahlbar sein. Hier ist ein wirklich einfaches, geniales System an der Engstirnigkeit aller Beteiligten gescheitert.

Wenn die Branche wieder aus dem Tal heraus will, müssen sich einige Leute endlich bewegen und mehr auf ihre Kunden hören, anstatt nur Börsenkurse und Gewinnprognosen zu beobachten, denn davon kommen keine Kunden. Die wollen einfach bezahlbare und benutzbare Dienste haben. Mehr nicht.

 
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Quelle: teltarif.de: AGOF internet facts 2011-10, Erwachsene ab 14 Jahre