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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | 10.02.2012 |
Seit 125 Jahren Ferngespräche aus Berlin08.11.2002
09:29 Der Eintrag im "Buch der Narren" wurde schnell zum Statussymbol
Das "Buch der Narren" haben die Berliner das erste
Telefonbuch der Hauptstadt genannt. Magere 85 Namen waren im Jahr
1881 darin verzeichnet. Die Zukunft des Fernsprechers vermochte die
"Berliner Schnauze" in diesem Jahr noch nicht recht zu erkennen, wer
telefonierte galt als versnobt. Dabei ist das Ferngespräch zu guten
Teilen auch eine Berliner Idee. Vor 125 Jahren trat die Erfindung von
hier aus den Siegeszug durch Deutschland an.
Nur wenige Zeitgenossen ahnten wohl, dass am 12. November 1877 zwischen Rummelsburg und Friedrichsberg bei Berlin ein Stück deutsche Technikgeschichte geschrieben wurde. Doch heute noch ist im Museum für Kommunikation verbürgt, dass das Telefon damals seine große Chance bekam: Drei Telegrafenbeamte führten dem Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck an diesem Tag eine neue Erfindung vor: die "Telegrafenlinie mit Fernsprecher". Was Bismarck in den Apparat sprach, ist nicht überliefert. "Aber er war von der Technik sehr angetan und gab sofort grünes Licht für den Ausbau", sagt der Sammlungsleiter des Museums, Wolfgang Wengel. Der Fernsprecher ist wohlgemerkt keine deutsche Erfindung. Die Verbesserung der Telegrafie, deren frühe Form Napoleon erdachte, war vielmehr ein weltweiter Wettbewerb. So hatte Werner von Siemens 1847 in Berlin den Zeigertelegrafen entwickelt, der sich samt dem amerikanischen Morsealphabet schnell bei Telegrafenämtern und bei der Eisenbahn durchsetzte. Der Anstoß für den Fernsprecher, der sich die Kupferkabel und das Prinzip des Elektromagnetismus zu Nutze machte, kam jedoch aus England. Dort erfand der Taubstummenlehrer Alexander Bell im Jahr 1876 das erste brauchbare Telefon. Es war eine sensationelle Innovation, die sofort Schlagzeilen machte. Schon damals zählten Verbindungen: Ein britischer Freund überreichte dem Berliner Generalpostmeister Heinrich von Stephan im Oktober 1877 zwei brandneue Bell-Apparate aus der ersten Produktionsreihe. Dem Neuen aufgeschlossen, probierte Stephan die Fernsprecher am 26. Oktober zwischen dem Berliner Generalpostamt und dem Generaltelegrafenamt aus. Seine Stimme klang ein wenig blechern und verzerrt, aber es klappte. Streng genommen war Stephans Versuch das zweite deutsche Telefongespräch. Das erste hatte bereits der Erfinder Philipp Reiss 1867 geführt und dabei den denkwürdigen Satz: "Ein Pferd frisst keinen Gurkensalat" in seinen Apparat gesprochen. Aus dem Experimentieren war Reiss dann aber nicht herausgekommen. "Stephan hat nach Bismarcks Erlaubnis sofort weitere Fernsprech-Verbindungen angeordnet und Siemens mit der Verbesserung der Bell-Apparate betraut", berichtet Museumsexperte Wengel. Der Plan des obersten Postlers war weitsichtig: Auf Berliner Postämtern sollten Telegramme fortan von einem Ende der Stadt zum anderen durchtelefoniert werden. Das war unabhängig vom Rohrpostnetz, ging viel schneller als das Telegrafieren - und Tempo war wichtig in der aufstrebenden Metropole. Es war wohl auch eine Prestigefrage: Paris, London und Moskau bastelten zu dieser Zeit mit Hochdruck an ihren Telefonnetzen. Als der Fernsprecher zu Beginn der 1880er Jahre schließlich samt dem vermittelnden "Amt" auch Berliner Privatleuten angeboten wurde, bekam er schnell den Ruf eines Statussymbols. Nur das gehobene Bürgertum konnte sich einen Anschluss für 20 Reichsmark leisten, der Mittelklasse-Berliner rümpfte nur gekränkt die Nase. Dafür rissen sich die Industriellen und Geschäftsleute die neuen Apparate förmlich aus den Händen. 1890 zählte das zuvor verpönte "Buch der Narren" bereits stolze 10 000 Einträge. dpa / Marie-Anne Winter
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