Überfluss

KPNQwest: Wird das Netz heute abgeschaltet?

Selbst wenn Europas größtes Datennetz abgeschaltet wird, bleiben noch Überkapazitäten
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Nach Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) soll das Leitungsnetz von KPNQwest heute Abend abgeschaltet werden. So richtig traurig ist die Branche darüber nicht, denn Übertragungskapazität gibt es im Überfluss - genau das hat schließlich zum Verfall der Preise für die Datenübertragung geführt, unter denen den Netzanbieter jetzt leiden. Die Mitarbeiter, die das größte Netz Europas seit Freitag am Laufen halten, sehen das natürlich anders und hoffen, dass ihr freiwilliger Einsatz belohnt wird. Die meisten von ihnen haben letzten Donnerstag ihre Kündigung erhalten. Es gibt ein Internetforum [Link auf http://www.save-ebone.com/ entfernt, da Seite nicht mehr erreichbar] für Solidaritätsbekundungen und eine WebCam [Link auf http://wm.stream.ebone.net/ebonelive entfernt, da Seite nicht mehr erreichbar], mit der man (noch) die Arbeit in der Ebone-Zentrale beobachten kann.

Zur Zeit kursieren Gerüchte darüber, dass ein nicht genanntes Telekomunternehmen den Betrieb des Ebone-Netzes aufrecht erhalten wolle. Wer dafür in Frage kommt, ist allerding unklar, denn die Konkurrenten freuen sich zur Zeit über neue Aufträge, weil sich die KPNQwest-Kunden nach neuen Anbietern umgesehen haben. Zu den Profiteuren aus der KPNQwest-Pleite gehören beispielsweise die britische Colt Telecom, die schwedische Telia und die US-Firma Worldcom, die selbst in Schwierigkeiten steckt.

Um das Rechenzentrum von KPNQwest Germany, in dem ein Drittel der deutschen Internetdomains gehostet werden, rangeln sich inzwischen Teles und 1&1 Internet. 1&1 will heute ein Gebot für das Cybercenter abgeben.

Doch selbst die drohende Abschaltung des Netzes von KPNQwest habe den Preisverfall auf dem Markt für Internetleitungen nicht stoppen können, berichtet die FTD weiterhin. Vermutlich würden die meisten Internetnutzer die Abschaltung überhaupt nicht bemerken. Allenfalls in einigen Regionen Süd- und Osteuropas, wo nicht genug andere Anbieter am Markt seien, könnte es eng werden.