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Neuer Dialer mit 300 Euro pro Einwahl aufgetaucht

Abzocke für Web-Inhalte
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Die Margen im 0190-Dialer-Geschäft sind durch die zunehmende Zahl von Schutzprogrammen und Warnhinweisen in der Presse offensichtlich kleiner geworden. So nimmt in den letzten Wochen und Monaten nicht nur die "Werbung" in Form von Spam-Mails oder Pop-Ups zu. Neuerdings steigen auch die Preise bei der Nutzung dieser Dialer.

Die Internetseite connectionwatch.de [Link auf http://www.connectionwatch.de/ entfernt, da Seite nicht mehr erreichbar] warnt vor einem Dialer von X-Diver, mit dem pro Einwahl satte 300 Euro (!) fällig werden. Einziger Vorteil: Der X-Diver richtet sich laut Connectionwatch.de nicht automatisch zur Standardverbindung ein und verfügt auch über eine korrekte Deinstallationsroutine. Allerdings wurde dieser Dialer schon auf mehreren Internetseiten identifiziert.

Die Dialer nutzen für die Einwahl nicht mehr 0190-8-Nummern, die mit "nur" 1,86 Euro pro Minute zu Buche schlagen würden, sondern 0190-0-Nummern. Bei diesen Nummern kann der Anbieter selbst festlegen, wie Anrufe zu diesen Rufnummern tarifiert werden. Diese Möglichkeit machen sich auch die Call-by-Call-Ableger der 01051 Telecom AG und 01058 Telecom GmbH zu Nutze. Während das Call-by-Call über Telebillig und Co. sehr günstig ist, sind die von den Dialern angerufenen Nummern sehr teuer. Das Problem dabei ist, dass viele Dialerschutzprogramme diese 0190-0-Nummern nicht erkennen und somit den Nutzer auch nicht warnen. Die diversen Abrechnungsmöglichkeiten (zeitbasiert, eventbasiert, Aufschläge nach Benutzerinteraktion usw.) eröffnen den Dialer-Anwendern ein reiches Betätigungsfeld.

Auf Grund der Fülle an Dialern, die im Internet auf ahnungslose Nutzer warten, häufen sich in den letzten Monaten auch die Strafanzeigen "wegen der (mutmaßlich) strafbaren Installation von Dialern.", sagte Hans-Jürgen Stenger vom Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) im Interview mit der Internetseite www.dialerschutz.de. Genaue Zahlen gebe es zwar nicht, da Internet-Straftaten in der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht explizit aufgeführt werden, "aus unserer täglichen Praxis wissen wir allerdings, dass sehr viele Computernutzer Probleme mit 0190-Webdialern haben", so der Sachverständige des Kriminaltechnischen Instituts beim LKA. Viele Ermittlungen in Sachen 0190-Dialer werden allerdings von der Staatsanwaltschaft wieder eingestellt, da in zahlreichen angezeigten Fällen festgestellt wurde, "dass der Anwender vor der Dialerinstallation mehrfach auf die Kosten der teuren Verbindung (in Deutsch) hingewiesen wurde", so Stenger. "Wer sich den Dialer absichtlich installiert, um z. B. Zugriff auf eine Pornoseite zu erlangen, und vom Anbieter ausdrücklich auf die Kosten der Verbindung hingewiesen wird, braucht sich anschließend nicht über eine hohe Fernmelderechnung zu beklagen." In diesem Zusammenhang warnte der Experte ausdrücklich vor falschen Angaben bei der Polizei, denn "wer wahrheitswidrig behauptet, der Dialer habe sich unbemerkt installiert, obwohl ausdrücklich auf die Kosten der Verbindung hingewiesen wurde, kann sich selbst strafbar machen."

Bei 300 Euro pro Verbindung stellt sich aber auch die Frage, ob der Tatbestand des Wuchers erfüllt ist. Falls ja, braucht die Rechnung nicht bezahlt zu werden, denn der zugrundeliegende Vertrag ist dann nichtig. Oftmals öffnen die Dialer ja den Zugang zu Erotik-Sites. Hierfür 300 Euro zu verlangen, erscheint gewagt, zumal man sich vergleichbare Filme bei der Videothek um die Ecke für wenige Euro ausleihen kann.

Möglichkeiten zum Schutz vor diesen Dialern gibt es viele. Die einfachste und vermutlich sicherste Methode ist das permantente Sperren der 0190-Nummern am eigenen Anschluss durch den Anschlussbetreiber. Damit sind dann keine Verbindungen zu 0190-Nummern mehr möglich. Nachteil hierbei ist allerdings, dass dann auch Telefondiscounter, die 0190-0-Nummern nutzen, nicht mehr nutzbar sind. Hier muss aber jeder für sich entscheiden, ob etwas günstigeres Telefonieren über 0190-0-Anbieter dem Schutz vor ungewollten 0190-Kosten vorzuziehen ist. Eine weiter Möglichkeite ist die Installation von Dialerschutz-Programmen. Doch auch diese bieten nur bedingt Schutz, denn auch die Dialerschutz-Anbieter wollen Geld verdienen und werden sich daher sicher immer neue Wege und Möglichkeiten ausdenken, um doch dem einen oder anderen Nutzer - gewollt oder ungewollt - das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Auf jeden Fall sollten die Sicherheitseinstellungen im Browser verschärft werden, um eine ungewollte Installation der Dialer durch eine Sicherheits-Lücken im Browser zu vermeiden. Wer per DSL oder TV-Kabel im Internet unterwegs ist, kann sich auch schützen, indem er weder Modem noch ISDN-Karte mit seinem Rechner verbindet, oder zumindest das Kabel zwischen Telefonanschluss und Modem/ISDN-Karte aussteckt. Auch sind bisher keine Dialer-Programme für Linux bekannt.

Eine regelmäßige Kontrolle der DFÜ-Netzwerk-Einstellungen und ein kurzer Check bei jeder Einwahl, welcher Anbieter gewählt wird, sollten selbstverständlich sein.