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Die Riesenpreise der Deutschen Telekom

10 bis 20mal mehr bezahlen - warum nicht?
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Es ist nachvollziehbar, dass die Deutsche Telekom bei Auslandsgesprächen nicht an der Preisspitze steht. Statt besonders günstiger Verbindungen liegt das Hauptaugenmerk des Ex-Monopolisten auf einer möglichst zuverlässigen Versorgung. Da kann man nicht mit unbekannte Anbietern vor Ort IC-Verträge abschließen, sondern arbeitet mit etablierten Carriern zusammen, was manchmal etwas teurer ist.

Doch ist das noch kein Grund, bei Auslandsgesprächen extrem überhöhte Preise abzurechnen. Beispiel Australien: Ein einminütiges Gespräch nach "down under" kostet beim Ex-Monopolisten fast 80 Cent. Der günstigste Discounter verlangt 4,5 Cent. Der Preisunterschied beträgt schlappe 1671 Prozent. Dieselbe Preisdifferenz gilt auch nach Hongkong. Für Japan beträgt der Unterschied sogar 1892 Prozent, denn hier verlangt der günstigste Discounter nur 4 Cent pro Minute. Da wirkt es fast schon günstig, dass bei China (12,5 Cent beim billigsten Anbieter, 123 Cent bei der Deutschen Telekom) der Aufschlag "nur" 884 Prozent beträgt.

Auch in anderen Regionen des Globus gibt es haarsträubende Preisunterschiede. Brasilien kostet bei der Telekom 104 Cent pro Minute, hingegen nur 13,5 Cent beim günstigsten Discounter. Argentinien kostet 123 Cent statt 14 Cent; El Salvador 159 Cent statt 22 Cent.

Der Grund für die riesigen Preisunterschiede ist schnell gefunden: Als die ersten Fernmeldesatelliten interkontinentale Ferngespräche ermöglichten, wurden die Preise nach Entfernung festgelegt. Meist wurden bilaterale Verträge zwischen den staatlichen Telekommunikationsbehörden ausgehandelt, die den gemeinsamen Betrieb der notwendigen Funk- und Kabelstrecken vorsahen. Die Kosten wurden zwischen beiden Ländern geteilt, die Einnahmen ebenso.

Zwischenzeitlich sind die Kosten für interkontinentale Gespräche dramatisch gesunken. Ein Grund dafür sind interkontinentale Glasfaserkabel. Diese sind zwar mit Investitionssummen im Milliarden-Bereich ähnlich teuer wie Kommunikationssatelliten, doch haben die modernen Kabel die zigtausendfache Bandbreite wie die Satellitentransponder, so dass die einzelne Verbindung entsprechend günstiger wird. Statt bilateraler Verträge kommen zudem bei der Zusammenschaltung der Netze immer häufiger Interconnect-Vereinbarungen zur Anwendung. Diese beteiligen den Telefonanbieter im angerufenen Land nicht mehr automatisch mit 50% am Umsatz, sondern machen dessen Einnahmen von der tatsächlich erbrachten Leistung abhängig. Die Leistung "Verbindung mit einem Teilnehmer in Australien" kostet folglich in Frankfurt oder London mehr als in Sidney. Diese Interconnect-Regelungen ermöglichen den globalen Carriern, jeden Teil der Leistung dort zu beziehen, wo er am günstigsten angeboten wird.

Die Deutsche Telekom hat die Vorteile aus den sinkenden Kosten aber nur teilweise an ihre Kunden weitergegeben. Seit der Deregulierung 1998 wurden die Preise für nationale Ferngespräche und für Auslandsgespräche nach Europa und in die USA zwar wiederholt gesenkt, die meisten Auslandstarife blieben aber unverändert. Und so kommt es, dass die amerikanischen Jungferninseln bei manchen Discountern für 7 Cent zu erreichen sind, während die Deutsche Telekom 1,59 Euro pro Minute berechnet. Das sind 2171 Prozent Aufschlag.

Unschön auch, dass im Windschatten der Deutschen Telekom auch andere Anbieter überhöhte Preise abrechnen. Negativbeispiele sind hier insbesondere Arcor und BT Ignite, deren Auslandspreislisten nach dem Prinzip "etwas günstiger als bei der Telekom" erstellt wurden. Wenn dann die Deutsche Telekom doch mal einen Preis senkt, kann es passieren, dass die Konkurrenten plötzlich ganz alleine mit überhöhten Preisen dastehen. Als Beispiel sei Russland östlich von Moskau genannt, dass die Deutsche Telekom früher in der teuersten Zone "Welt 4" führte, jüngst aber vom Tarif her mit Westrussland vereinheitlicht hat. Hingegen verlangt Talkline weiterhin 136 Cent pro Minute nach Sibirien - 267 Prozent mehr als die Deutsche Telekom!