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Editorial: Verdirbt WLAN den UMTS-Erfolg?
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| Wireless Local Area Network transportiert Daten mit bis zu 54 Megabit/s |
09.12.2001 14:29 |
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Glaubt man manchem Artikel aus der Wirtschafts- oder Fachpresse,
ist der Bankrott manches Mobilfunk-Netzbetreibers unvermeidbar.
Während nämlich die UMTS-Milliarden schwer in den Bilanzen
liegen, befindet sich eine alternative Funktechnologie -
WLAN - den Berichten zufolge bereits auf der Siegerspur.
Den Angaben zufolge ist WLAN nämlich schneller (zur Zeit bis
zu 11 MBit/s, bald bis 54 MBit/s) und preisgünstiger
(unter einem Euro pro Megabyte übertragenen Daten; WLAN-Karten
gibt es ab ca. hundert Euro) als UMTS. Welche Chance soll
da UMTS noch haben?
Nun, ganz so einfach ist die Situation nicht. Wagen wir einen
detaillierten Vergleich:
- WLAN ist ein Kurzstrecken-Turbo
Die vollen Datenraten werden nur über kurze Distanzen erreicht.
Innerhalb von Gebäuden sinken die Datenraten oft bereits merklich,
wenn sich ein oder zwei Wände zwischen Basisstation und mobilem
Endgerät befinden. Bei mehr als ca. 50 Metern im Gebäude geht
nichts mehr. Auch im Freien beträgt die maximale Reichweite
ca. 500 Meter, direkte Sichtverbindung zwischen Basisstation
und Endgerät vorausgesetzt.
Folglich sehen die Konzepte der WLAN-Verfechter meist eine
Versorgung an HotSpots wie Hotels, Flughäfen, Bahnhöfen,
Kongresszentren oder Innenstädten vor. Außerhalb dieser
HotSpots, etwa im Taxi, wird der Geschäftsreisende aber weiterhin
nicht von mobiler Telekommunikation abgeschnitten sein wollen, wie
sie per GSM oder UMTS bereitgestellt wird.
- Es gibt noch keine WLAN-Handys
In den WLAN-Beispielanwendungen ist in der Regel vom
mobilen Geschäftsmann mit Laptop und WLAN-Funkkarte die
Rede. Aber welcher Anteil der Geschäftsleute schleppt
wirklich immer einen schweren Laptop mit sich herum?
Also braucht man für einen durchschlagenden Erfolg von WLAN auch
integrierte Endgeräte. Ein Weg dahin könnte sein, bestehende
PDAs zusätzlich mit WLAN-Schnittstelle auszurüsten.
- WLAN unterstützt Telefonie nur mäßig
WLAN überträgt alle Daten in Paketen (Ethernet-Frames). Um
weltweite Verbindungen zu ermöglichen, wird die jeweilige
WLAN-Basisstation an das Internet angebunden. Will man daher
über WLAN telefonieren, muss man folglich auf
Voice over IP (kurz VoIP)
zurückgreifen. Nun funktioniert VoIP nach den Erfahrungen
der Redaktion immer dann sehr gut, wenn sich der Endnutzer
und der VoIP-Gateway (der die Sprache zurück in die "normalen"
Telefonnetze bringt) innerhalb desselben, gut ausgebauten Teils
des Internets befinden. Je mehr Internet-Knotenpunkte aber
passiert werden müssen, desto öfters kommt es zu Sprachverzerrungen
und Aussetzern.
Um eine sehr gute Sprachqulität zu garantierten, müssten
alle Internet-Provider, die WLAN-Basisstationen anbinden, immer
auch gleich einen geeigneten VoIP-Gateway mitbetreiben. Beim
Einloggen ins WLAN würde dann auch gleich der VoIP-Gateway mit
festgelegt werden. Zur Zeit gibt es aber weder die Gateways,
noch ist bei er WLAN-Anmeldung die Übergabe der Gateway-Daten
vorgesehen.
- Messaging-Empfangsbereitschaft kostet Geld
SMS ist eine der Anwendungen, die aus dem Mobilfunkbereich nicht
mehr wegzudenken ist. Um nun eine ähnliche Funktionalität auch
bei WLAN sicherzustellen, ist erforderlich, dass der WLAN-Nutzer
eine Software installiert, die sich automatisch bei einer
Messaging-Zentrale anmeldet und dieser jeweils die aktuelle
IP-Adresse mitteilt. Die IP-Adresse ändert sich ja, wenn der
Nutzer sich zwischen verschiedenen Hotspots bewegt.
Nun wird - anders als in der Telefonie - im Internet in
der Regel nicht zwischen Steuerungs- und Nutzdaten unterschieden.
Folglich dürften diese Datenpakete, die zur Anmeldung bei der
Messaging-Zentrale dienen, jeweils auf der Monatsrechnung
erscheinen. Hat man das Pech, dass sich die WLAN-Karte dauernd
zwischen zwei etwa gleichstarken Basisstationen hin- und
herbucht, können hier schnell erkleckliche Datenmengen
zusammenkommen.
Ähnliche Überlegungen gelten übrigens auch bezüglich der
Entgegennahme von Telefonanrufen. Bei diesen stellt sich sogar
noch ein weiteres Problem, nämlich die Weiterleitung zum besten
geeigneten VoIP-Gateway.
Gilt also Entwarnung für die Netzbetreiber? Ist WLAN wirklich
keine Konkurrenz? Nun, so ist es auch wieder nicht. Denn in
bestimmten Bereichen konkurrieren beide Technologien sehr wohl.
Wenn man im Zug eine E-Mail mit einem 1 Megabyte großen
Attachment erhält, stellt sich die Frage: "Soll ich diese
sofort abrufen? Oder warte ich lieber, bis ich am Zielbahnhof
bin, und nutze dort dann ein öffentliches WLAN?"
Nach den aktuellen GPRS-Tarifen für
Profi-Nutzer kostet der Download von einem Megabyte je nach Netz
zwischen 6 und 20 Mark. Bei den GRPS-Tarifen für Privatnutzer
wären es sogar bis zu 69 Mark. Bei WLAN dürften die Kosten
hingegen eher im Bereich von 1 bis 2 Mark liegen. Es lässt sich
also in dem beschriebenen Szenario viel Geld sparen, wenn man mit
nicht ganz so wichtigen Datentransfers wartet, bis man beim nächsten
Hotspot ist. Je mehr Kunden diesen Spartrick nutzen, desto mehr
Umsatz geht natürlich den Netzbetreibern verloren.
Wie könnten die Netzbetreiber reagieren? Eine Möglichkeit
wären Datentarife, die günstiger werden, wenn man viele
Daten innerhalb kurzer Zeit überträgt. Eine andere wären
"angemeldete Downloads", bei der man den Wunsch, größere
Datenmengen zum Sonderpreis zu übertragen, auf einem geeigneten
Weg (PC-Software, Web-Formular, WAP-Formular usw.) eingibt.
Das System teilt einem dann vorhandene freie Kapazitäten zu
und nennt einen Preis - oder lehnt den Antrag ab, wenn nichts
frei ist.
Auf jeden Fall müssen die Netzbetreiber erkennen, dass
"Daten nicht gleich Daten" sind. Für 1 Megabyte kann man
entweder 300 normale Text-E-Mails übertragen, oder eine E-Mail
mit einem durch Bitmap-Grafiken aufgeblähten Word-Dokument
im Anhang. Es ist davon auszugehen, dass die 300 Text-E-Mails
für die meisten Anwender zusammen einen viel größeren Wert
haben, als die eine dicke, obwohl beide dasselbe Datenvolumen
belegen. Daher gilt als Fazit: Sollten die Netzbetreiber bei
UMTS dieselben rein linearen "Datenuhren" einbauen, wie sie zur
Zeit bei GPRS üblich sind, dann haben öffentliche WLAN-Zugänge
in der Tat eine gute Zukunft vor sich.
Kai Petzke
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