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Was kommt nach Napster?

14.02.2001
16:36

Sollte Napster umgewandelt werden bleiben immer noch Alternativen

Einer der schlimmsten Schneestürme der vergangenen Jahrzehnte wütet vor der Tür und ein Berufungsgericht in San Francisco gibt am Montag seiner geliebten Musiktauschbörse Napster einen fast tödlichen Stoß. Doch anstatt am Boden zerstört zu sein, sitzt Computerfreak JoBlo am Tag der Urteilssprechung gelassen in seinem Heim über dem kalifornischen Silicon Valley. Kein Wunder - schließlich hat er zu Napster genug Alternativen.

"Der Versuch der Musikindustrie, Napster zu schließen, gleicht dem Versuch, einen Eisberg mit einer Fackel abzuschmelzen", lacht JoBlo und weist hin auf Dutzende von anderen Musik-Seiten wie Napigator, Gnutella, Bearshare und Limewire. Der gleichen Meinung ist auch Napster-Nutzer Mathew Martinez aus der kalifornischen Stadt Santa Barbara: "Es gibt andere Programme. Das Internet ist weltweit und sie können uns nicht stoppen."

Obwohl die alternativen Musiktauschbörsen nicht so populär sind wie Napster, genießen sie einen entscheidenden Vorteil: Sie sind nicht zu schließen. Wird bei Napster ein Lied angefragt, durchsucht der Server eine zentrale Liste von Musikdateien, die auf den Computern der Napster-Mitglieder liegen, erläutert JoBlo. Daraufhin stellt Napster eine Verbindung zu dem gewünschten Lied auf dem fremdem Computer her und das Herunterladen der Musikdatei kann beginnen. "Bei anderen Systemen wie Gnutella gibt es keinen zentralen Server. Das Programm befindet sich auf dem Computer jedes einzelnen Users", sagte der Computerfreak. Folge: Die Tauschbörse kann nur geschlossen werden, wenn man auch den Zugriff auf alle Nutzer ausschließt.

Trotz der anderen Gratis-Angebote hatten nach der Urteilssprechung noch Hunderttausende der über 60 Millionen Mitglieder umfassenden Napster-Gemeinde Lieder heruntergeladen. Denn Napster hat als der am schnellsten wachsende Service in der Geschichte des Internets einen Vorsprung: Er hat die größte Liedersammlung. Schließt die Tauschbörse, würden die Mitglieder augenblicklich zu einem anderen Service wechseln.

Napster hofft, dass User wie JoBlo und Martinez nicht zum Wechsel gezwungen werden. Napsters Star-Anwalt David Boies kündigte bereits Berufung an. Da die Musiktauschbörse kein urheberrechtlich geschütztes Material selbst kopiere, könne es nicht für den Festplatteninhalt der Mitglieder verantwortlich gemacht werden.

Selbst wenn Napster mit der Berufung erfolgreich sein sollte, stehen weit reichende Veränderungen bevor. Experten gehen davon aus, dass sich Verhandlungen zwischen der Musiktauschbörse und den Musikverlagen in den nächsten Wochen intensivieren werden. Napster will sich vom Feind der Musikindustrie zum größten Online- Musikverkaufs-Portal entwickeln.

Erste Schritte in diese Richtung geht Napster bereits mit Bertelsmann. Die Musiktochter des Gütersloher Medienunternehmens, BMG, gehörte ursprünglich zu den Klägern. Gemeinsam wollen die Partner die Tauschbörse als gebührenpflichtiges Angebot für urheberrechtlich geschützte Musik etablieren. Andere Experten befürworten dagegen ein Ende Napsters und den Aufbau eines völlig neuen Musikportals für Abonnenten. Sie glauben, die meisten Napster- Nutzer seien nicht bereit, für Musik zu bezahlen.

Dem widerspricht Computerexperte JoBlo. Er würde einen "vernünftigen Preis" ausgeben, bekäme er zusätzlich Promotion- Material und für Fans interessante Inhalte. Nur "ausnehmen lassen" wolle er sich nicht, machte JoBlo deutlich: "Dann bleibe ich bei den freien Seiten."

 
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Quelle: teltarif.de: AGOF internet facts 2011-10, Erwachsene ab 14 Jahre