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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | 26.05.2012 |
Was bringt 2001?31.12.2000
19:55 Teil 3: Mobilfunk
2000 war das Jahr der Prepaid-Handys. Abermillionen von Xtra-,
CallYa-, LOOP- und Free&Easy-Paketen haben dafür gesorgt, dass
sich die Zahl der Handys in der Bevölkerung mehr als verdoppelt hat.
Ob dabei die Zahl der Mobiltelefonierer ähnlich gestiegen ist, darf
bezweifelt werden, denn der Trend geht zum Zweit- und Dritthandy, sei
es, um private und geschäftliche Telefonate zu trennen, oder, um durch
Verwendung von SIM-Karten verschiedener Netze die Erreichbarkeit zu
erhöhen. Diverse Altgeräte vergammeln auch im Schrank, weil sich der
Besitzer oder die Besitzerin zwischenzeitlich eine neue Karte mit
einem besseren oder schickeren Handy zugelegt hat.
Einen weiteren Grund für das Zweithandy haben die D-Netze vor kurzem eingeführt: Prepaidkarten mit verschiedenen Abrechnungsmodi, so dass eine Karte am Wochenende besonders günstig ist, die andere hingegen zur Hauptzeit hilft, das Geld nicht ganz so schnell zu vertelefonieren. Was liegt da näher, als sich zwei Handys anzuschaffen, um mit diesen mobiles Call-by-Call zu betreiben? Für die Netzbetreiber ist die Situation hingegen gar nicht glücklich. Prepaid-Handys werden mit hohen Subventionen verkauft, ob aber das Geld jemals wieder hereinverdient wird, ist fraglich. Um die notwendigen hohen Margen zu sichern, üben praktisch alle Netzbetreiber den Spagat zwischen Billig-Tarifen in bestimmten Zonen und sehr hohen Preisen sonst. Folglich ist das Tarifchaos im Mobilfunk so groß wie nirgendwo sonst. Ein Gespräch ins Festnetz ist mit den gängigen Prepaid-Karten zur Hauptzeit über elf Mal so teuer wie am Wochenende. Mal reicht eine 25-Mark-Aufladung für fast drei Stunden Klönen, mal ist schon nach weniger als einer Viertelstunde Schluss. Die meisten Nutzer reagieren auf diese verwirrenden Preise mit Nichtnutzung bzw. Nutzung nur in Notfällen. Doch bei geringer Nutzung der Prepaid-Karten können die Netzbetreiber die Tarife nicht auf ein angemessenes Niveau senken. Also bleibt es bei der jetzigen Situation. 2001 ist nicht viel Besserung zu erwarten. Die Milliarden für die UMTS-Lizenzen und die kommenden Kosten für die Auf- bzw. Umrüstung zu UMTS belasten die Konzerne stark. Da für UMTS kaum höhere Minutenentgelte berechnet werden können als für GSM, werden sich generelle GSM-Preissenkungen rar machen. Die jüngste Preiserhöhung für Verbindungen vom Telly-Vertragshandy zu E-Netzen zeigt, dass es sogar in die andere Richtung gehen kann. Auch Viag musste die Preise für Gespräche in Fremdnetze anpassen. Schuld an diesen Preissteigerungen haben übrigens die hohen Interconnect-Kosten. Alle Netzbetreiber berechnen um die 40 Pfennig pro Minute dafür, dass ein Gespräch, das von außen kommt, zu einem Kunden im Netz durchgestellt wird. Wenn für 39 Pfennig ein Gespräch von Netz A nach Netz B geführt wird, verdient folglich das Netz B den Löwenanteil der Gebühren, während beim Netz A nur ein Bruchteil hängenbleibt. Eine ähnliche Rechnung gilt auch für Verbindungen vom Festnetz zum Mobilfunk. Da am Wochenende alle Netze Gespräche ins Festnetz für 15 Pfennig anbieten, wäre eine Anpassung der IC-Gebühren auf dieses Niveau zumindest am Wochenende angebracht. Aber auch zur Hauptzeit dürften die IC-Gebühren eigentlich nicht höher liegen als die Hälfte der Kosten für ein netzinternes Gespräch bei einer Prepaid-Karte. Gefragt wäre also der Regulierer - doch dieser fühlt sich nicht zuständig: Bei der Vergabe der GSM-Lizenzen vor über einem Jahrzehnt wurde den Lizenznehmern weitgehende Tarifhoheit zugesichert. Statt echter Preissenkungen werden die Optionstarife und Sonderangebote weiter zunehmen. Doch wehe dem, der nicht aufpasst. Beispiel E-Plus: Mit hohem Aufwand wird der Preis von 25 Pfennig pro Minute für die Time&More-Inklusivminuten beworben. Wer weiß schon bei Vertragsabschluss, dass man das bis zu Vierfache bezahlt, wenn man telefoniert, nachdem die Minuten verbraucht sind? Beispiel D-Netze: Beworben wird der City- und Wochenend-Preis zu 15 Pfennig, während man werktags außerhalb der City-Zone das Vielfache davon bezahlen muss. Neue DiensteIm Bereich der mobilen Datendienste ist zu hoffen, dass GPRS die Einführung bis Mitte nächstes Jahr schafft. Besonders WAP-Angebote könnten mit GPRS erstmals sinnvoll nutzbar werden, da statt Minutenpreisen von 39 Pfennig nur noch wenige Pfennige pro abgerufener Seite berechnet werden. Die Endgeräte-Situation ist aber schlecht - bis jetzt gibt es genau ein Handy - und die Netztechnik macht weiterhin Probleme. Andere neue Standards wie EDGE (bessere Modulation ergibt höhere Übertragungsraten) werden uns in den GSM-Netzen sowieso erspart bleiben. Die Industrie ist bereits viel zu sehr auf UMTS eingeschossen. Hier sind bereits für 2001 erste UMTS-Testnetze geplant, es ist aber sehr fraglich, ob UMTS wirklich die breite Einführung bis 2002 schafft. StrahlengefahrErhalten bleiben wird uns auch die Diskussion um die Strahlengefahr. In den letzten Monaten war diese zunächst durch Verordnungen aus England (Warnhinweise auf Handys) neu aufgeflammt. Zusätzlich aufgeheizt wurde die Diskussion dadurch, dass der Star-Anwalt Peter Angelos in den USA eine Milliardenklage wegen Gesundheitsschädigung durch Handys einreichen will. Angelos war bereits gegen Tabakkonzerne erfolgreich. Trotzdem dürfte es dem Anwalt dieses Mal schwerer fallen. Während bei Zigaratten mehr als eindeutig belegt ist, dass deren Konsum zu Lungenkrebs und Raucherbein führen kann, ist sich die Wissenschaft beim Mobilfunk alles andere als einig. Zu jeder Studie, die eine Schadwirkung der Mikrowellen belegt, gibt es eine, die keinerlei Gefahren sieht. Viele vermuten vor allem bei der gepulsten Funkenergie, wie sie GSM verwendet, biologische Unverträglichkeiten. Gerade aus den USA gibt es aber besonders viele Berichte über Gehirmtumoren ("brain cancer") - obwohl dort mit gleichbleibender Sendeleistung arbeitende Analoggeräte den Löwenanteil des Marktes bilden. Was in der ganzen Diskussion Realität, was Verharmlosung von Befürwortern, und was Übertreibung von Gegnern und bestimmten Medien ist, ist praktisch nicht mehr feststellbar. Es bleibt zu hoffen, dass sich einige Wissenschaftler davon nicht beeinträchtigen lassen, und eine breit angelegte, seriöse Untersuchung durchführen. Denn genauso, wie Transportmittel (Auto, Flugzeug, Bus, Zug) in für die Insassen tödliche Unfälle verwickelt werden können, oder Fernseher und Computermonitore durch Röntgenstrahlung ein gewisses Krebsrisiko haben, ist auch der Mobilfunk mit Sicherheit nicht 100% risikofrei. Die korrekte Frage lautet nicht, ob es Gefahren gibt, sondern, wie hoch diese maximal sind, und ob sich diese durch technische Maßnahmen verringern lassen. FazitWirklich helfen würde der Branche ein Memorandum, das alle Netzbetreiber und Provider gegenseitig verpflichtet, keine Billig-Handys mehr anzubieten. Kommt es nicht zu so einer Übereinkunft, gilt auch in Zukunft: Mobile Erreichbarkeit ist billig, mobiles Telefonieren hingegen teuer. Zwar sind die Business-Tarife teilweise von dieser Regel ausgenommen, doch wer verpflichtet sich schon gerne, zwei Jahre lang jeden Monat 60 Mark Grundgebühr zu bezahlen? Anzeige:
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