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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | teltarif.de | 21.03.2010 |
Fast 100 Milliarden Mark haben sechs Konzerne für die UMTS-Lizenzen
in Deutschland ausgegeben. Galt während der Versteigerung noch das
Motto "buy oder bye bye", werden sich die Vorstände der
Mobilfunkunternehmen in den nächsten Jahren aber wiederholt fragen,
ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, statt auf UMTS auf einen
forcierten Ausbau von GSM zu setzen.
Probleme beim Aufbau von UMTS-Netzen könnte vor allem bereiten, dass es sich bei UMTS gleich um ein ganzes Paket von Standards handelt. Als sich nämlich die wesentlichen Player im Mobilfunk-Bereich zusammensetzten, um den digitalen Mobilfunk-Standard der Zukunft zu beschließen, brachte jeder unterschiedliche Anforderungen mit in die Ehe ein. So wurden möglichst hohe Datenraten und möglichst flexible Funkzellen ebenso gefordert, wie bestimmte Codierungsverfahren oder die Möglichkeit zum Roaming mit bestehenden Funknetzen. Heraus kam so etwas wie eine eierlegende Wollmilchsau. Entsprechend schwierig wird es werden, Endgeräte zu entwickeln, die wirklich in allen UMTS-Netzen einwandfrei funktionieren. Die vom ISDN bekannten Probleme, dass manche Billig-Telefonanlage trotz Euro-ISDN in unseren Nachbarländern nicht oder nur eingeschränkt funktioniert, lassen ahnen, wo es hingehen wird. Auch die Erfahrungen mit neuen Mobilfunk-Diensten wie WAP oder GPRS lässt nichts gutes hoffen, was es die Einführung von UMTS angeht. Obwohl der Vermarktungsstart von WAP im August '99 auf der IFA war, durfte sich glücklich schätzen, wer bis Weihnachten '99 eines der wenigen verfügbaren Nokia 7110 ergattert hatte. Statt sich über mobiles Surfen zu freuen, klagten die Nutzer der ersten Stunde über laufende Abstürze und Verbindungsabbrüche. WAP wurde zum Kalauer: "Where Are the Phones" bzw. "Wechsle Akku Permanent". Letzteres wurde notwendig, da mangels Reset-Knopf das Unterbrechen der Stromzufuhr die einzige Möglichkeit war, ein abgestürztes Handy neu zu "booten". Natürlich arbeitete Nokia fleißig daran, die Firmware des 7110 zu verbessern, um die Probleme zu beseitigen. Unter Fachhändlern gelten allerdings erst die Software-Versionen seit dem Herbst '00 als stabil - ein Jahr nach dem Messe-Start. Auch dem mobilen Datendienst GPRS droht ein ähnliches Schicksal. Bereits kurz nach der Ankündigung im Herbst letzten Jahres, dass GPRS ab Mitte 2000 verfügbar sein soll, gab es erste Unkenrufe, die technische Probleme am Horizont sahen. Zwar hat die Mobilkom Austria GPRS tatsächlich im August 2000 gestartet, den Termin "Mitte 2000" also nur um ein paar Monate überschritten. Doch es gibt wieder das Problem, dass mit dem Motorola Timeport 260 (frühere Bezeichnung: Timeport P7389i) lediglich ein Endgerät zur Verfügung steht. In Deutschland verschob T-D1 den Start erstmal ins Jahr 2001 - offensichtlich waren während des halb-öffentlichen friendly user Tests noch zu viele Probleme aufgetreten. Warum soll es UMTS anders ergehen? Der Hauptgrund, UMTS mit forciertem Tempo auszubauen, sind die hohen Kosten für die UMTS-Lizenzen, die wie Blei in den Bilanzen der Tk-Unternehmen liegen. Entsprechend hart sind die Vertragsstrafen, die die Netzbetreiber mit den Ausrüstern vereinbaren, sollten die Ausrüster nicht pünktlich liefern. Der Aufbau eines UMTS-Netzes könnte also bis 2002 klappen. Doch was nützt das pünktlich installierte Netz, wenn es keine Endgeräte gibt? Und selbst, wenn es UMTS-fähige Endgeräte gibt, stellt sich die Frage, ob diese wirklich die Vorteile des UMTS-Netzes wie größere Bandbreite brauchen oder gar sinnvoll nutzen werden. Im Zusammenhang von UMTS wird regelmäßig von "mobilen Videokonferenzen" oder Multimedia-Inhalten geredet. Bis dato haben aber die meisten Handys noch nicht einmal ein Farbdisplay, geschweige denn einen CCD-Chip für die Kamera-Funktion. Wenn eine WAP-Seite zwei Kilobyte lang ist, dann verweigern die Handys entweder die Darstellung ganz (Nokia 7110) oder werden beim Scrollen unerträglich langsam (Motorola). Bis die vielen Kilobit, die UMTS übertragen kann, von Handys wirklich sinnvoll genutzt werden können, werden folglich noch etliche Handy-Generationen ins Land gehen. So verbleibt in der Anfangszeit die Anwendung, UMTS als schnellen Internetzugang vom Laptop aus zu verwenden. Doch für viele mobile Zwecke dürften die 43,2 kBit/Sekunde ausreichen, die HSCSD bereits heute erreicht, und die sich in den nächsten zwei Jahren noch steigern dürften. UMTS wäre dafür nicht nötig. So rückt eine ganz hausbackene Anwendung von UMTS in den Vordergrund, vor allem für MobilCom und 3G, die zwar eine UMTS-Lizenz, aber keine GSM-Lizenz haben: Man kann über UMTS auch mobil telefonieren. Vielleicht sogar schon im Jahr 2002. Kai Petzke
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