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Deutsche Telekom: Die Qual der Wahl

23.08.1999

Bewerber stehen Schlange vorm Kabelnetz der Deutschen Telekom: Bei Toresschluss noch weitere Gebote.

Beim Verkauf ihres Kabelnetzes steht die Deutsche Telekom vor der Qual der Wahl. Buchstäblich bis zur letzten Minute der Frist für die Abgabe von Angeboten - und zum Teil noch danach - haben sich Interessenten um das Goldstück des ehemaligen Monopolisten förmlich gerissen.

Zu den jüngsten Anbietern gehört ein britisch-amerikanisches Konsortium unter Führung der Callahan Associates International. Konsortialpartner sind deren Angaben zufolge eine amerikanische Bank sowie mehrere US-Investmentgesellschaften. Callahan ist ein globales Kommunikations-Entwicklungsunternehmen und verfügt bereits über Kabel-Joint-Ventures in Frankreich und Spanien.

Mitgeboten hat eigenen Angaben zufolge auch der mittelständische Kabelbetreiber EWT/TSS mit Sitz in Augsburg. Die Elektro- und Nachrichtentechnik GmbH und die Telekabel Service Süd GmbH verfügen demnach bereits selbst über Anteile am Kabelnetz und wollen deshalb in Bayern, Berlin, NRW, Sachsen/Sachsen-Anhalt und Thüringen mit ins Boot. Zuvor hatten sich schon der Mainzer Regional-Netzbetreiber Primacom und die Kölner Netcologne um das Telekom-Kabel bemüht. Zu den weiteren Bietern gehören die Mannesmann AG und der US-niederländische Kabelbetreiber United Pan-Europe Communications (UPC).

Die größten Chancen beim Kauf werden allerdings den finanzkräftigen Banken eingeräumt. Die Deutsche-Bank-Tochter DB Investor "schmeiße mit Geld nur so um sich", wird ein mit der DB kooperierender Landesbanker im "FOCUS" zitiert. Für die Bank ist das Kabelprojekt ein Renditeobjekt, das nach einer milliardenschweren Aufrüstung schnell mit Gewinn weiterverkauft werden soll.

Das 460.000 Kilometer lange TV-Kabelnetz der DTAG, das einen Schätzwert zwischen 10 und 20 Milliarden Mark hat, erreicht 18 Millionen Haushalte. Es soll mit Milliarden-Investitionen digital aufgerüstet und multimediafähig gemacht werden. Die Brüsseler EU-Kommission hatte entschieden, dass sich die Deutsche Telekom aus wettbewerbsrechtlichen Gründen von ihrem Kabelnetz trennen muss. Konkrete Kaufverhandlungen sollen nach Prüfung der Offerten aufgenommen werden. Die DTAG erwartet, dass bis Ende des Jahres Abschlüsse erreicht werden.

 
Kai Petzke
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