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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | 26.05.2012 |
Hintergrund: Deutsche Telekom will Call by Call teurer machen22.08.1999
Die Inkassogebühren, die die Deutsche Telekom für die Abrechnung von Call by Call verlangt, sollen steigen - mit negativen Auswirkungen für alle Konkurrenten.
Call by Call ohne Anmeldung
(sogenanntes "echtes" oder "offenes" Call by Call) ist ohne
Zweifel der Star des deregulierten Telefonmarkts in Deutschland.
Andere Verfahren wie Call by Call mit
Anmeldung oder Pre-Selection
sind deutlich weniger beliebt. Doch jetzt droht Ungemach: Die
Deutsche Telekom will die
Inkassogebühren erhöhen. Diese müssen die Konkurrenten
bezahlen, wenn sie Call by Call über die Deutsche Telekom abrechnen
lassen.
Bis Ende September '99 laufen noch die alten Inkassoverträge. Gemäß denen verbleiben 4,5% des abgerechneten Umsatzes bei der Deutschen Telekom. Pro Telefonat kommt nochmals ein Betrag von knapp einem Pfennig hinzu, wenn dieses in einem Einzelverbindungsnachweis aufgeführt wird. Derselbe Pfennig gilt auch für die Gesamtsumme, die auf jeden Fall gedruckt werden muss. Die Pfennige läppern sich: Allein dieses Jahr überweisen die Konkurrenten 50 Millionen Mark an die Deutsche Telekom für die Rechnungszeilen. Die Umsatzbeteiligung beträgt sogar 180 Millionen. Die neuen Verträge sehen grundsätzlich dieselben Gebühren vor wie bisher - aber zusätzlich ein Minimum von 80 Pfennig pro Kunde und Telefonfirma. Telefoniert man nur über 01030 TelDaFax, zahlt nur TelDaFax. Nutzt man aber sechs Firmen (zum Beispiel 010050 Drillisch am Wochenende, 01011 o.tel.o nach 21 Uhr, 01019 MobilCom aus Tradition, 01030 TelDaFax wegen dem Sekundentakt, 01039 First Telecom fürs Ausland und 01051 werktags), dann fällt das Minimum auch sechsmal an. Die Summe von 4,80 Mark ist ganz schon happig, insbesondere, wenn insgesamt vielleicht 20 oder 30 Mark abzurechnen sind. Doch nicht nur das: Die Deutsche Telekom denkt darüber nach, in Zukunft die Gespräche über die Wettbewerber auf deren Wunsch zwar weiterhin in der Telefonrechnung auszuweisen, aber nicht mehr abzurechnen. Die Folge: Die Kunden müssten das Geld einzeln an alle Konkurrenten überweisen. Das wäre de facto das Aus für Call by Call. Die Konkurrenten haben jetzt die Regulierungsbehörde angerufen, damit diese die Pläne der Deutschen Telekom durchkreuzt. Wie dieses Verfahren ausgeht, ist jedoch ungewiss. Der Konflikt ist keineswegs neu: Bereits Anfang '98 gab es Streit über die Höhe der Inkassogebühren. Anfangs wollte die Deutsche Telekom 6,8 Pfennig pro Rechnungszeile - bis April '98 die Senkung auf 0,7 Pfennig kam. Über die Gründe der drastischen Preissenkung darf spekuliert werden. Kommentar: Die Regulierungsbehörde täte gut daran, dieses Mal die Deutsche Telekom mit ihren Entgeltvorstellungen in die Schranken zu weisen. Denn nachdem die Festsetzung hoher Gebühren bereits den Wettbwerb im Ortsbereich behindert, würde durch eine Erhöhung der Inkassoentgelte auch der Privatkundenbereich belastet. Der Wettbewerb würde damit zunehmend auf den Großkundenbereich beschränkt - keine gute Entwicklung. Für den Endverbraucher ändert sich trotzdem erstmal nichts: Selbst, wenn die Deutsche Telekom wie geplant ihr Minimumentgelt einführt, zahlen das die betroffenen neuen Telefonanbieter, nicht die Endkunden. Es ist aber zu erwarten, dass der ein- oder andere Anbieter die zusätzlichen Kosten auf den Preis umlegt oder diese sogar in Form einer kleinen monatlichen Grundgebühr direkt an den Endkunden weitergibt. Andere Anbieter werden bei Kleinkunden nur noch alle zwei oder drei Monate abrechnen, so dass die Minimumgebühr entsprechend seltener anfällt. Für den Endkunden erschwert das aber die Kostenkontrolle erheblich. Eine Alternative wäre vielleicht, dass die Konkurrenten das Inkasso im Verbund selber in Angriff nehmen: Man meldet sich bei einer Zentralstelle an. Diese verschickt dann die Rechnung für alle Call-by-Call-Firmen. Vielleicht ließe sich diese Rechnung sogar mit anderen Rechnungen kombinieren, die man monatlich erhält, wie Kontoauszug, Kreditkarte oder Strom. Kai Petzke
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