Kleingeld

Micropayment: Bezahlen im Internet.

Neue Micropayment-Lösung vor der Markteinführung: Net900 als Nachfolge für T-Online-Classic?
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Mit einer neuen Abrechnungs-Software will die Mönchengladbacher Firma "in medias res" künftig mehr Akzeptanz für das Bezahlen von Kleinbeträgen im Internet in einer Größenordnung bis maximal DM 20,- (Micropayment) schaffen. Net900, so der Produktname, soll zugleich das Ende des Jahres auslaufende Abrechnungsverfahren T-Online-Classic der Deutschen Telekom ersetzen. Gezahlt werden wird wie gewohnt per Telefonrechnung. Das neue System ist jetzt in Berlin erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Das neue sogenannte "KISS"-Produkt zeichnet sich nach Darstellung von "in medias res"-Geschäftsführer Boelke Stoffelsma durch einfache Handhabe aus: "Keep It Simple and Stupid", so die Entwicklungsvorgaben für Net900, das im Frühjar 1999 mit dem Cyber-One-Award, Europas höchstdotiertem E-Commerce-Award preisgekrönt worden ist.

Grundlage für den Einstieg ins Payment ist ein Verbindungswechsel: Klickt ein Internet-User auf einen Link zu kostenpflichtigen Seiten, so macht ihn ein neues Fenster darauf aufmerksam, dass gezahlt werden muss. Vor erstmaliger Nutzung solcher Seiten muss zunächst ein Plug-In von etwa 350 KB Größe installiert werden. Dann trennt ein Modem die bestehende Verbindung zum Provider und wählt eine kostenpflichtige 0190er-Nummer. Zugleich baut sich ein kleines Fenster am Bildschirmrand auf, auf dem die laufenden Kosten der neuen Verbindung abzulesen sind. Nach einer gewissen Zeit ohne Datenabruf trennt eine Time-Out-Funktion die teure Verbindung automatisch, um so unnötige Gebühren zu sparen. Wenn der Kunde zum kostenlosen Internet-Bereich zurückwechseln möchte, wählt das Modem den Provider wieder an.

Ein Vorteil des neuen Systems liegt zweifellos in seinem userfreundlichen Handling. Ohne An- oder Ummeldung und ohne Preisgabe sensibler persönlicher Daten wie Kreditkartennummern o.ä. kann man Net900 nutzen, sobald es installiert ist. Mit der Telefonrechnung hat der Kunde eine exakte Gebührenaufstellung zur Verfügung und das Verfahren funktioniert anbieter- und providerunabhängig. Allerdings dürfte der Verbindungswechsel per Analog-Modem gerade eilige Surfer auf eine Geduldsprobe stellen: Andererseits erfolgt die Einwahl auf einen schnellen Net900-Server, der den Kunden per Standleitung an den gewünschten Anbieter weiterleitet. Außerdem verlangen derzeit einige Provider, so auch T-Online, einen Grundbetrag (z.B. 6 Pfennig) für jede Einwahl - ein häufiger Wechsel zwischen kostenlosem und kostenpflichtigem Angebot könnte zusätzlich ins Geld gehen. Schließlich sind die 0190-Tarife derzeit ohnehin mit in der Regel mehr als einer Mark pro Minute ein teurer Spaß, wobei die Telekom künftig Abrechnungen im Pfennig-Bereich ermöglichen will.

Beiden Kooperationspartnern bei Net900 - "in medias res" und DTAG - ist daran gelegen, mit möglichst minimalen Gebühren ein möglichst großes Publikum anzusprechen und das System "massentauglich" zu machen. Den Anbieter von kostenpflichtigen Seiten wird Net900 keine Grundgebühren kosten, wohl aber Umsatzbeteiligung der Telekom in einer Größenordnung von bereinigt etwa 10 bis 20 Prozent des Content-Umsatzes. Pro Megabyte Datendurchsatz sind ferner etwa 25 Pfennig einzukalkulieren. Das Zahlungsrisiko bleibt künftig allein bei den Händlern.

Net900 soll im Oktober/November dieses Jahres im deutschen Markt eingeführt werden; für das erste Halbjahr 2000 ist die Markteinführung europa- und USA-weit vorgesehen. Zuvor allerdings muss die geplante Kooperation zwischen "in medias res" und der Deutschen Telekom noch vertraglich besiegelt werden.