Wie die Telekom die Konkurrenz schröpft
22.08.1998
Jede benötigte Dienstleistung - egal, ob das Zurverfügungstellen von Leitungen oder das Inkasso - wird so teuer wie möglich abgerechnet
Von Kai Petzke
Die Telekom versucht, mit Ihrem Noch-Quasi-Monopol bei den
Telefonanschlüssen so gut zu verdienen, wie möglich. Unter anderem
wird bei den folgenden Dienstleistungen für die Konkurrenz kräftig
die Hand aufgehalten:
- Zum Beispiel war ein Betrag von DM 53,- dafür geplant, dass
ein Kunde ihre oder seine Telefonnummer beim Wechsel zu einer
anderen Telefongesellschaft behalten will.
Es ist richtig, dass der Telekom ein gewisser Aufwand entsteht,
wenn ein Kunde beim Wechsel seine Telefonnummer mitnimmt: diese
Telefonnummer muss in den Computer eingegeben werden, damit alle
Gespräche in Zukunft an den neuen Anbieter umgeleitet werden.
Dafür sind DM 5,- Verwaltungskosten und DM 5,-
Rechnungskosten nachvollziehbar. Wenn ein höherer Aufwand
entsteht, wäre es angebracht, die eigene Software mal zu
überarbeiten und die Arbeitsvorgänge effizienter zu gestalten.
- Für die Einrichtung der dauerhaften
Weiterleitung von Gesprächen (Pre-Selection) wollte die Telekom
ursprünglich gar DM 85,- bis DM 95,-. Das Einstellen
der dauerhaften Rufumleitung ist aber prinzipiell nicht
komplizierter als das Einrichten einer Dauerüberweisung bei
Ihrer Bank! Natürlich kann es sein, dass die Telekom diesen
Vorgang durch diverse Verwaltungsakte unnötig verkompliziert.
Nur gibt es im Telekommmunikationsgesetz die Vorschrift,
dass Monopolisten wie die Telekom nur so viel Geld von ihren
Konkurrenten verlangen dürfen, wie für die effiziente
Leistungsbereitstellung erforderlich ist.
- Die Telekom will 5% der Rechnungssumme
von ihren Konkurrenten, wenn diese ihre Gebühren für
Call-by-Call-Gespräche über die Telekom-Rechnung abbuchen.
Kreditkartenunternehmen verlangen für eine direkt vergleichbare
Dienstleistung in der Regel 3% vom Umsatz, bei Großkunden sogar
weniger. Banken führen Abbuchungsaufträge zum Pauschaltarif
aus - bei Einlieferung der Aufträge per EDV für wenige Pfennige
pro Auftrag.
- Wenn Gespräche mit der Konkurrenz in den Einzelgesprächsnachweis
der Telekom aufgenommen werden, will diese gar DM 68,-
pro 1000 Datensätze für Druck und Versand. Auch hier stellt
sich mir wieder die Frage, womit diese Gebühr gerechtfertigt
wird: Auf eine DIN-A4-Seite passen 100 Zeilen, wenn man die
Vor- und Rückseite bedruckt. Das Porto kostet DM 1,10 für
drei Seiten, also DM 0,37 pro Seite. Für Papier und Toner
kommen noch mal DM 0,10 hinzu. Auch die Datenverarbeitung
mag mit einigen Pfennigen zu Buche schlagen. Im Ergebnis kommt
man also auf DM 0,50 Sachkosten für 100 Datensätze - oder
DM 5,- für 1000. Neben den Sachkosten gibt es natürlich
auch noch Personalkosten und das Anrecht der Telekom auf einen
gewissen Gewinn, was einen kalkulatorischen Aufschlag von 100%
bis 200% rechtfertigt. Damit kommen wir auf DM 10,-
bis DM 15,- für 1000 Datensätze. Die Telekom verlangt
aber DM 68,-.
Besonders anschaulich wird das Missverhältnis anhand von folgendem
Beispiel: Auf eine handelsübliche Diskette passen leicht die
Daten von 20 000 Telefongesprächen. Die Telekom will also
für die Verarbeitung einer Diskette eine Gebühr von DM 1360,-
verlangen!
- Der vorstehende Absatz steht seit Januar '98 auf
diesen Seiten. Am 6.4.98 stand folgender Text in der Zeitung:
Telekom will geringere Gebühren für Konkurrenz
Im Streit um die Gebühren für die Abrechnungen von Telefonkunden hat
die Deutsche Telekom AG nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins
Focus eingelenkt. Die Call by Call-Anbieter [...] müssen statt der
anfänglich geforderten 5% vom Umsatz nur 4,2% an den Ex-Monopolist
bezahlen. Statt den 6,8 Pfennig pro Rechnungszeile kassiere die
Telekom nur 0,7 Pfennig. [...]
Unsere Einschätzung, dass DM 10,- für 1000 Datensätze angebracht
sind, war also gar nicht so falsch - es werden jetzt sogar nur
DM 7,- berechnet!
- Der sogenannte entbündelte Zugang bedeutet,
dass eine Konkurrenzfirma einen Telefonanschlussdraht bei der
Telekom abklemmt und an seine eigene Vermittlungsanlage anklemmt.
Dadurch erspart sich die Konkurrenzfirma, eigene Kabel legen zu
müssen, da sie auf die bereits verbuddelten Erdkabel der Telekom
zurückgreifen kann.
Hier wollte die Telekom DM 265,- Gebühr für das Umlegen
des Drahtes in der Vermittlungsstelle sowie DM 28,80
Miete pro Monat für das Kabel. Als ich das gelesen habe,
konnte ich die hohe Umstellungsgebühr überhaupt nicht glauben,
da ein Techniker wohl kaum einen halben Tag damit beschäftigt
ist, so einen Draht umzulegen. Hingegen fand ich die Miete
vergleichsweise angemessen. Inzwischen hat der Regulierer
entschieden: Die Umlegegebühr ist komplett abgelehnt worden,
während die Miete nur moderat auf DM 20,65 reduziert
worden ist. Doch Anfang '99
entschied der Regulierer abermals -
und ließ hohe Umlegegebühren sowie eine Monatsmiete von
DM 25,40 zuzüglich Umsatzsteuer zu. Selbst das
Bundeskartellamt foderte DM 14,30, die Konkurrenten
teilweise noch weniger.
Es ist verständlich, dass die Telekom den Kunden den Weggang nicht
noch mit einem kostenlosen Pre-Selection-Service erleichtert.
Andererseits muss gesagt werden, dass es der politische Wille
in Deutschland ist, dass die Telekom Konkurrenz bekommt.
Die Telekom hat per Gesetz Ihre Konkurrenten zu respektieren -
und Bestandteil dieses Respekts sind angemessene Gebühren im
Umgang mit den anderen Telefongesellschaften.
Wenn die Politik in Ihrem Ort eine neue Tempo-30-Zone beschließt,
werden alle Autofahrer, die diese nicht respektieren, regelmäßig
per Radarfalle zur Kasse gebeten. Es bleibt zu hoffen, dass die
Regulierungsbehörde ihre Aufgabe, die Telekom in ihre Schranken
zu weisen, auch weiterhin wahr nimmt.
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