Persönlichkeitsnummern

Wie die Telekom die Konkurrenz schröpft

Jede benötigte Dienstleistung - egal, ob das Zurverfügungstellen von Leitungen oder das Inkasso - wird so teuer wie möglich abgerechnet
Von Kai Petzke
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Die Telekom versucht, mit Ihrem Noch-Quasi-Monopol bei den Telefonanschlüssen so gut zu verdienen, wie möglich. Unter anderem wird bei den folgenden Dienstleistungen für die Konkurrenz kräftig die Hand aufgehalten:

  • Zum Beispiel war ein Betrag von DM 53,- dafür geplant, dass ein Kunde ihre oder seine Telefonnummer beim Wechsel zu einer anderen Telefongesellschaft behalten will.

    Es ist richtig, dass der Telekom ein gewisser Aufwand entsteht, wenn ein Kunde beim Wechsel seine Telefonnummer mitnimmt: diese Telefonnummer muss in den Computer eingegeben werden, damit alle Gespräche in Zukunft an den neuen Anbieter umgeleitet werden. Dafür sind DM 5,- Verwaltungskosten und DM 5,- Rechnungskosten nachvollziehbar. Wenn ein höherer Aufwand entsteht, wäre es angebracht, die eigene Software mal zu überarbeiten und die Arbeitsvorgänge effizienter zu gestalten.

  • Für die Einrichtung der dauerhaften Weiterleitung von Gesprächen (Pre-Selection) wollte die Telekom ursprünglich gar DM 85,- bis DM 95,-. Das Einstellen der dauerhaften Rufumleitung ist aber prinzipiell nicht komplizierter als das Einrichten einer Dauerüberweisung bei Ihrer Bank! Natürlich kann es sein, dass die Telekom diesen Vorgang durch diverse Verwaltungsakte unnötig verkompliziert. Nur gibt es im Telekommmunikationsgesetz die Vorschrift, dass Monopolisten wie die Telekom nur so viel Geld von ihren Konkurrenten verlangen dürfen, wie für die effiziente Leistungsbereitstellung erforderlich ist.
  • Die Telekom will 5% der Rechnungssumme von ihren Konkurrenten, wenn diese ihre Gebühren für Call-by-Call-Gespräche über die Telekom-Rechnung abbuchen. Kreditkartenunternehmen verlangen für eine direkt vergleichbare Dienstleistung in der Regel 3% vom Umsatz, bei Großkunden sogar weniger. Banken führen Abbuchungsaufträge zum Pauschaltarif aus - bei Einlieferung der Aufträge per EDV für wenige Pfennige pro Auftrag.
  • Wenn Gespräche mit der Konkurrenz in den Einzelgesprächsnachweis der Telekom aufgenommen werden, will diese gar DM 68,- pro 1000 Datensätze für Druck und Versand. Auch hier stellt sich mir wieder die Frage, womit diese Gebühr gerechtfertigt wird: Auf eine DIN-A4-Seite passen 100 Zeilen, wenn man die Vor- und Rückseite bedruckt. Das Porto kostet DM 1,10 für drei Seiten, also DM 0,37 pro Seite. Für Papier und Toner kommen noch mal DM 0,10 hinzu. Auch die Datenverarbeitung mag mit einigen Pfennigen zu Buche schlagen. Im Ergebnis kommt man also auf DM 0,50 Sachkosten für 100 Datensätze - oder DM 5,- für 1000. Neben den Sachkosten gibt es natürlich auch noch Personalkosten und das Anrecht der Telekom auf einen gewissen Gewinn, was einen kalkulatorischen Aufschlag von 100% bis 200% rechtfertigt. Damit kommen wir auf DM 10,- bis DM 15,- für 1000 Datensätze. Die Telekom verlangt aber DM 68,-.

    Besonders anschaulich wird das Missverhältnis anhand von folgendem Beispiel: Auf eine handelsübliche Diskette passen leicht die Daten von 20 000 Telefongesprächen. Die Telekom will also für die Verarbeitung einer Diskette eine Gebühr von DM 1360,- verlangen!

  • Der vorstehende Absatz steht seit Januar '98 auf diesen Seiten. Am 6.4.98 stand folgender Text in der Zeitung:

    Telekom will geringere Gebühren für Konkurrenz

    Im Streit um die Gebühren für die Abrechnungen von Telefonkunden hat die Deutsche Telekom AG nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Focus eingelenkt. Die Call by Call-Anbieter [...] müssen statt der anfänglich geforderten 5% vom Umsatz nur 4,2% an den Ex-Monopolist bezahlen. Statt den 6,8 Pfennig pro Rechnungszeile kassiere die Telekom nur 0,7 Pfennig. [...]

    Unsere Einschätzung, dass DM 10,- für 1000 Datensätze angebracht sind, war also gar nicht so falsch - es werden jetzt sogar nur DM 7,- berechnet!

  • Der sogenannte entbündelte Zugang bedeutet, dass eine Konkurrenzfirma einen Telefonanschlussdraht bei der Telekom abklemmt und an seine eigene Vermittlungsanlage anklemmt. Dadurch erspart sich die Konkurrenzfirma, eigene Kabel legen zu müssen, da sie auf die bereits verbuddelten Erdkabel der Telekom zurückgreifen kann.

    Hier wollte die Telekom DM 265,- Gebühr für das Umlegen des Drahtes in der Vermittlungsstelle sowie DM 28,80 Miete pro Monat für das Kabel. Als ich das gelesen habe, konnte ich die hohe Umstellungsgebühr überhaupt nicht glauben, da ein Techniker wohl kaum einen halben Tag damit beschäftigt ist, so einen Draht umzulegen. Hingegen fand ich die Miete vergleichsweise angemessen. Inzwischen hat der Regulierer entschieden: Die Umlegegebühr ist komplett abgelehnt worden, während die Miete nur moderat auf DM 20,65 reduziert worden ist. Doch Anfang '99 entschied der Regulierer abermals - und ließ hohe Umlegegebühren sowie eine Monatsmiete von DM 25,40 zuzüglich Umsatzsteuer zu. Selbst das Bundeskartellamt foderte DM 14,30, die Konkurrenten teilweise noch weniger.

Es ist verständlich, dass die Telekom den Kunden den Weggang nicht noch mit einem kostenlosen Pre-Selection-Service erleichtert. Andererseits muss gesagt werden, dass es der politische Wille in Deutschland ist, dass die Telekom Konkurrenz bekommt. Die Telekom hat per Gesetz Ihre Konkurrenten zu respektieren - und Bestandteil dieses Respekts sind angemessene Gebühren im Umgang mit den anderen Telefongesellschaften.

Wenn die Politik in Ihrem Ort eine neue Tempo-30-Zone beschließt, werden alle Autofahrer, die diese nicht respektieren, regelmäßig per Radarfalle zur Kasse gebeten. Es bleibt zu hoffen, dass die Regulierungsbehörde ihre Aufgabe, die Telekom in ihre Schranken zu weisen, auch weiterhin wahr nimmt.