Hausdurchsuchungen

Razzien des BKA bei mutmaßlichen Anonymous-Mitgliedern

Anonymous diskutiert nach Hausdurchsuchungen über "Amateure"
Von mit Material von dapd
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Das Bundeskriminalamt hat bundesweit mehrere Wohnungen von mutmaßlichen Mitgliedern und Mitläufern des Hackerkollektivs Anonymous durchsucht. Ermittelt wird gegen insgesamt 106 Beschuldigte wegen Teilnahme an einer Attacke auf die Server der deutschen Musik­rechte­verwertung Gema, wie der Sprecher der federführenden General­staats­anwaltschaft Frankfurt am Main, Alexander Badle, betätigte.

Bei den Razzien an den vergangenen Tagen seien unter anderem Mobiltelefone, Computer sowie externe Festplatten und Karten-Lesegerätebeschlagnahmt worden, schreibt die Nachrichtenseite Spiegel Online. In Nordrhein-Westfalen wurden mit 33 Fällen die meisten Verdächtigen durchsucht, in Baden-Württemberg seien es 18 Fälle gewesen, in Berlin und Hessen wurden 15 und zehn Durchsuchungen durchgeführt. Die Fälle der nicht in Hessen ansässigen Beschuldigten seien von der örtlichen Polizei übernommen worden, sagte Badle. Die Ermittlungen führe zentral das BKA. Ergebnisse lägen bis jetzt noch nicht vor, da die Auswertung andauere.

GEMA sammelte IP-Adressen der Angreifer

Polizist durchsucht ComputerHausdurchsuchungen bei mutmaßlichen Mitgliedern des Hackerkollektivs Anonymous. Ein Gema-Sprecher sagte Welt Online: "Die Gema steht häufiger im Fadenkreuz von Hackerangriffen, das sind wir schon gewohnt. Doch im Dezember gab es einige Angriffe, die zu massiven Einschränkungen für Kunden und Mitarbeiter der Gema geführt haben." Die Gesellschaft hatte daraufhin die IP-Adressen der Angreifer gesammelt und den Ermittlungsbehörden übergeben. Der Aufruf zu der Attacke auf den Server sei zwar auf der Webseite von Anonymous veröffentlicht worden, sagte Badle. Ob die Verdächtigen des Angriffs Mitglieder oder Sympathisanten von Anonymous sind oder einfach nur von dem dort veröffentlichten Aufruf angestachelt wurden, könne jedoch nicht eindeutig gesagt werden, betonte er.

Diskussionen in den eigenen Reihen: Amateure stecken hinter den Hacker-Angriffen

Diese Hausdurchsuchungen bei mutmaßlichen Anonymous-Anhängern haben Diskussionen innerhalb des Internetkollektivs nach sich gezogen. Dabei gaben einige Kommentatoren den Betroffenen selbst die Schuld für die Razzien. Sie hätten ihre digitale Spur bei dem Angriff auf die Gema-Seite nicht ausreichend verwischt. "Sind das Amateure, die hier die Attacken ausüben, oder was war da los?", fragte ein Nutzer auf einer Facebook-Seite von Anhängern der Bewegung.

Aktivisten nutzen häufig Internetverbindungen über mehrere Knotenpunkte, damit sie bei illegalen Aktionen nicht nachverfolgt werden können. Doch nicht alle kennen offenbar diese Tricks. "Deswegen mach ich auch bei solchen Angriffen gar nicht erst mit, weil ich nicht genau weiß, wie ich mich perfekt schütze", schrieb ein anderer Nutzer. Im konkreten Fall heißt es jedoch, einige der angeblichen Angreifer hätten möglicherweise unwissentlich bei der Aktion mitgemacht. Sie hätten durch einen Klick auf eine Webseite eine automatische Attacke ausgelöst.

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