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Angetestet: Jolicloud – Ubuntu mit Cloud-Ansätzen

Von Falko Benthin
AAA

Jolicloud ist eine auf Ubuntu Jaunty Jackalope basierende Linux-Distribution, welche sich besonders durch Cloudeigenschaften von anderen abheben möchte. Das klingt so interessant, dass wir uns Jolicloud näher angesehen haben.

Momentan befindet sich Jolicloud noch im Alpha-Stadium, unser Testsystem war die Alpha 2c des "Robby"-Releases. Um Jolicloud herunterladen zu können, bedarf es einer Registrierung und Einladung. Es ist kein Problem, sich selbst einzuladen, der Download-Link wird anschließend per Email verschickt, in unserem Fall dauerte das Prozedre knapp zwei Tage.

Das Image kommt als installierbare Live-CD, das System macht auf dem Netbook eine gute Figur. Es handelt sich um ein abgespecktes Ubuntu mit dem Ubuntu-Netbook-Remix, welches als Grundsystem nur sehr wenige Anwendungsprogramme enthält. Die Hardwareerkennung funktionierte in unserem Fall problemlos. Nach der Installation sind neben dem Browser Firefox auch die Instant-Messenger-Anwendung Pidgin und die Bildverwaltung F-Spot auf der Platte zu finden. Für Multimedia-Dateien kann auf Totem zurückgegriffen werden.

Die Cloud-Anwendungen laufen allesamt im Prism-Browser von Mozilla, welcher auf Menus und ähnliches verzichtet, so das Webanwendungen auf dem Desktop wie lokale Programme aussehen. Dank Prism lassen sich Web-Anwendungen auch wie lokale Programme durch Klick auf ein Icon starten. Gleich zu Beginn fiel uns auf, dass Jolicloud ohne eine schnelle Internet-Verbindung nicht wirklich Freude macht und somit für Anwender ausfällt, welche beispielsweise oft unterwegs und über ein UMTS-Modem mit der Welt verbunden sind. An Anwendungen selbst mangelt es nicht, zumal auch auf die Ubuntu-Repositorys zurückgegriffen werden kann. Die Installations von zusätzlichen Programmen geht allerdings bedeutend einfacher vonstatten und wird mit einem Klick auf den Install-Button der jeweiligen Anwedung erledigt.

Die Jolicloud-Services lassen sich durch einen Klick auf die Joliwolke rechts oben starten. Nach Eingabe von Username und Passwort landet man in seinem persönlichen my.jolicloud-Bereich und hat das Dashboard vor sich, welches über News und Updates informiert. Daneben finden sich die möglichen installierbaren Anwendungen, welche übersichtlich in die acht Kategorien Zubehör, Entwicklung, Bildung, Spiele, Grafik, Internet, Office und Sound & Video unterteilt sind. Daneben sind die "Settings" zu finden und zu guter Letzt ist ein mit "Lab" betitelter Link vorhanden, welcher in unserem Test nicht funktionierte und somit nicht preisgeben wollte, was sich hinter ihm verbirgt.

Unter den installierbaren Anwendungen befinden sich auch etliche, welche nicht rein webbasiert sind und auf der Festplatte installiert werden möchten, beispielsweise Skype und OpenOffice. In den Settings können Following und Followers nach Twitter-Manier verwaltet werden bzw. wird angezeigt, wer sich zuletzt im Jolicloud-Netzwerk registriert hat. Folgt man jemandem, können dessen Systemänderungen mitverfolgt werden. Eigene Änderungen am System sind für Followers ebenfalls sichtbar. Da man anscheinend niemanden daran hindern kann, einem zu folgen, gibt man immer ein bisschen seiner Privatsphäre preis.

Fazit: Jolicloud ist durchaus anwenderfreundlich und interessant. Aber der Verzicht auf die eigene Privatsphäre ist es meines Erachtens nach nicht wert, dieses System zu installieren. Es werden zwar viele Anwendungen angeboten, aber diese können auch so installiert werden, zumal eine Installation, auch wenn sie nicht ganz so komfortabel ist, nur einmal ausgeführt wird. Auch die Webanwendungen lassen sich mit jedem anderen Linux-System problemlos verwenden. Es reicht, den Prism-Browser zu installieren und schon können Zoho & Co als nettes Icon auf dem Desktop abgelegt werden.