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Schnüffler raus: Nächste Android-Version verschlüsselt Speicher automatisch

Google teilt mit, dass ab der zukünftigen Android-Version alle Smartphones mit standardmäßig aktivierter Verschlüsselung aller Dateien auf dem internen Speicher ausgeliefert werden. Zusammen mit den iOS8-Nutzern können sich nun mehr Smartphone-Anwender staatlicher Schnüffelei entziehen.
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Nächste Android-Version verschlüsselt Smartphone-Speicher automatischNächste Android-Version verschlüsselt Smartphone-Speicher automatisch Als Ausweg gegen den Zugriff staatlicher Organe und internationaler Geheimdienste wird Nutzern von Computern und mobilen Geräten schon seit Jahren gepredigt: "Du musst Deine Daten verschlüsseln." Auf PCs funktioniert dies mit entsprechenden Tools schon lange, auch Android bietet dies seit einiger Zeit an. Doch durchgesetzt hat sich die Verschlüsselung auf breiter Front bislang nicht - der Großteil der Nutzer scheut Spei­cher­ver­schlüs­selung aus Gründen der Bequemlichkeit und viele wissen gar nicht, wie es funktioniert.

Zwischenzeitlich war Apple mit iOS 8 vorgeprescht und hatte die Verschlüsselung in sein mobiles System eingegliedert. Gegenüber der Washington Post teilte nun auch ein Google-Sprecher mit, dass das kommende - Android L genannte - Release die Speicherverschlüsselung standardmäßig aktiviert haben soll.

Geheimdienste und Ermittlungs-Richter dürften bald Schwierigkeiten bekommen

Bei einer standardmäßig aktivierten Verschlüsselung sind alle Daten auf dem Smartphone oder Tablet in verschlüsselter Form abgelegt. Nur wer das Gerät mit dem zuvor festgelegten Passwort entschlüsselt, kann auf die Daten zugreifen. Die Speicherverschlüsselung soll zukünftig sofort mit der Android-Aktivierung eingeschaltet werden.

Bislang hatten sich Geheimdienste darüber gefreut, dass sie - eine entsprechende Hintertür vorausgesetzt - auf mobilen Geräten von mutmaßlichen Verbrechern oder auch unbescholtenen Bürgern praktisch alle Daten im Klartext lesen können. Mit einer Komplettverschlüsselung fällt dies weg - ohne das Passwort haben NSA & Co. keinen Zugriff mehr auf die Daten.

Nach US-Recht gibt es laut der Washington Post keine Handhabe, Nutzer dazu zu zwingen, ihre Daten unverschlüsselt zu speichern. Nicht nur den Geheimdiensten dürfte die Schnüffelei daher zukünftig schwerer fallen, auch die Beweissicherung von Smartphone-Daten könnte in aktuellen Gerichtsverfahren damit unmöglich gemacht werden. Außer Apple und Google sollen sich auch weitere US-Firmen seit dem NSA-Skandal mit der standardmäßig eingeschalteten Verschlüsselung beschäftigen.

Trotz Verschlüsselung: Diese Probleme bleiben

Das größte Problem bei Android sind allerdings die späten oder ausbleibenden Updates. Viele Hersteller spendieren nur ihren Top-Modellen ein Firmware-Update auf die allerneueste Android-Version, Nutzer von Einsteiger- und Mittelklasse-Smartphones gehen oft leer aus. Und selbst wenn es ein Update gibt, dauert es oft Monate, bis es fertig ist und ausgeliefert wird.

In den Genuss der automatischen Speicherverschlüsselung kommen also erst einmal Nutzer, die ein neues Smartphone mit Android L kaufen. Das Thema Verschlüsselung wird sich in den Köpfen der Menschen möglicherweise erst mit dem schrittweisen Austausch der jetzigen Smartphone-Generation durchsetzen. Da hat Apple mit seiner Update-Politik einen großen Vorteil.

Außerdem sind viele Smartphones so voreingestellt, dass sie die Nutzerdaten automatisch mit der Cloud synchronisieren. Der Sicherheits-Effekt ist damit dahin - der Anwender muss also alle automatischen Uploads manuell deaktivieren, wenn die Daten nicht in fremde Hände fallen sollen.

Auch die Unbekümmertheit vieler Nutzer beim Posten persönlicher Fotos und Videos auf sozialen Netzwerken bleibt eine Sicherheitslücke, gegen die die beste Datenverschlüsselung nicht hilft. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass Polizei und Geheimdienste die sozialen Netzwerke gerne als zusätzliche Recherchemöglichkeit nutzen.

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