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Analyse: Netbooks öffnen Windows-Alternativen die Tür (Update)

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Nach einem Bericht von Reuters haben es Linux-basierte Open-Source Betriebssysteme geschafft, auf der Welle der Popularität von Netbooks und sonstiger Niedrigpreis-Computer zu reiten und damit dem bisherigen Schwergewicht Microsoft Windows zumindest in diesem Sektor das Wasser abzugraben.

Analysten gehen davon aus, dass zwar nur 15 bis 20 Prozent aller Netbooks mit Linux-Plattformen, wie Ubuntu, laufen. Dennoch hat die wachsende Nachfrage nach diesen preisgünstigen und abgespeckten Systemen dazu geführt, dass Microsoft einen schmerzhaften Seitenhieb hinnehmen musste.

Die ersten Netbooks, die 2007 auf den Markt kamen, brachten Linux als Betriebssystem mit. Microsoft Vista war zu leistungshungrig um auf den schwächeren Prozessoren und Arbeitsspeicher der Netbooks stabil zu laufen. Microsoft zog schnell nach, indem das alte Windows XP für Netbooks verfügbar gemacht wurde. Damit schafften die Redmonder es zumindest, dass aktuell Windows XP die dominante Plattform im Netbook-Markt ist. Die für viele Nutzer gewöhnungsbedürftigen Linux-Systeme scheinen erneut ins Hintertreffen zu geraten.

Dennoch, so schreibt Reuters, mag der Wettbewerb zwischen den (mobilen) Betriebssystemen erst in den Anfangsrunden sein. Nicht zuletzt Google hat angekündigt, künftig das Android-System auch für Netbooks verfügbar zu machen - dies würde frischen Wind in Richtung Microsoft entfachen. Hinzu kommt, dass Dritthersteller und Entwickler ein Interesse haben, eine oder mehrere Windows-Alternativen zu fördern, sie sparen damit Lizenzgebühren.

Da Vista nicht geeignet ist, auf Netbooks performant und stabil zu laufen, versucht Microsoft nun vor allem Windows 7 als Zukunftsprodukt für die mobile Nutzung zu entwickeln. Dass Windows 7 durchaus die Geschwindigkeit von Windows XP auf Netbooks erreichen kann, haben wir gerade heute in einem Installations- und Boot-Test im Vergleich mit Windows XP gezeigt.

Wir denken, dass sich der Kampf der Systeme zukünftig vor allem an drei Fronten entscheiden wird. Einerseits spielt der oben schon angesprochene Preisfaktor von Lizenzkosten für das Betriebssystem eine große Rolle. Vor allem dann, wenn man den Gerüchten glauben schenken darf, die behaupten, dass Netbooks bis Ende 2009 in Preisregionen von 150 Euro angeboten werden. Linux-Betriebssysteme sind kostenfrei zu lizensieren, wohingegen Microsoft für XP rund 60 Dollar pro Netbook-Installation verlangt. Da bleibt nicht mehr viel Marge für die Hersteller.

Der zweite Faktor wird die Usability und Arbeitseffizienz sein. Jeder, der schon einmal versucht hat, mit seinem Finger auf dem Touch-Screen eines Netvertibles ein Fenster zu schließen, wird bestätigen, dass dies mit Windows und den nicht für die Fingerbedienung ausgelegten kleinen Symbolen kein Vergnügen ist. Von der Bedienung von Office-Systemen per Fingerzeig ganz zu schweigen. Natürlich hat nicht jedes Netbook einen Touch-Screen. Dennoch wird zukünftig gerade die effiziente und nutzerfreundliche Bedienung der Geräte unterwegs eine große Rolle spielen. Eine Bedienoberfläche "wie aus einem Guss" bietet momentan nur Apple und dort auch nur für iPhone und iPod-Touch.

Die letzte treibende Kraft für die nächsten Betriebssystem-Generationen könnte Cloud-Computing werden. Netbooks, mit ihrem Leistungsnachteilen sind prädestiniert für Applikationen, die im Netz statt direkt auf dem Rechner gehostet werden. Laut Rob Enderle, Analyst der Enderle Group, könnte Android durch die vielen Schnittstellen und vorhandenen Systeme, die Google schon vorhält, auf dieser Ebene Vorteile gegenüber Microsoft und anderen Markt-Playern haben.

Wir bleiben gespannt, wie sich Betriebssysteme auf Netbooks zukünftig entwickeln und welcher Anbieter das Rennen macht.

via Sascha Update:

Wie bloomberg anführt, möchte Microsoft Windows 7 im mehreren Versionen für Netbooks bereitstellen. In der Starter-Version sollen die Funktionen stark eingeschränkt sein. So soll diese nur drei Programme gleichzeitig erlauben. Microsoft hofft, auf diese Weise Konsumenten zu Upgrades zu teureren Versionen zu bewegen um so mehr Umsätze zu erwirtschaften. Ob dadurch der Kaufpreis für ein Netbook möglich günstig sein wird und der Konsument sozusagen "hintenrum" draufzahlt, indem er sich Features quasi freikaufen muss, wird sich zeigen. Auf jedenfall würde eine solche Vorgehensweise nicht gerade das Vertrauen der Verbraucher in die Marke Microsoft stärken.

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